Ist weniger wirklich mehr? – Review Arte Themenabend

Hast du den ARTE-Themenabend neulich geguckt?

Der Film „Ist weniger wirklich mehr?“ war gut gemacht und ich fands schön auch mal zu sehen, was sich in anderen Ländern tut.
Die Lebensgemeinschaft in Spanien mit der Erdtoilette und der Pflanzenkläranlage fand ich zwar ein bisschen krass, die Transition Town Totnes in England dagegen ziemlich beeindruckend. Mir gefiel vor allem, dass gezeigt wurde, dass es eigentlich gar nicht so schwierig ist, etwas zu ändern, wenn nur alle mitmachen. (Also ja, vorallem auch die Behörden und die Politik!)
Oder, wie Niko Paech im Film sagt: „Man muss üben, auf Fleisch zu verzichten; man muss üben, aufs Auto zu verzichten“ – und das müssen wir alle!
Auch großartig: Der „Clan du Neon“, der überall das Licht ausknipst. Ich wusste gar nicht, dass man das auch von außen machen kann. Hm….:D

„Zero Waste – null Müll“ war leider etwas reißerisch. Ist das nicht krass, wie voll es dort mit Müll ist?! Ich wusste zwar, dass Neapel vermüllt ist, aber diese Ausmaße sind mir nicht bewusst gewesen. Mülldeponie im Nationalpark? – geht auch! Traurig…
Das Herumgeheule um die „Zwischenlösung“ war ein bisschen nervig und zwischendurch war mir nicht mehr klar, um was es jetzt genau geht: Mafia oder Müll? Oder beides? Was findet er denn jetzt gut? Und was kritisiert der Autor eigentlich? Ist er jetzt froh, dass der Müll weg ist oder nicht? Das Ende klang wieder versöhnlich, aber irgendwie habe ich es nicht kapiert.

Ich habe noch ein bisschen recherchiert:
Eine Präsentation von dem im Film erwähnten Paul Connett / Zero Waste and how to achieve it
der zero waste europe blog
Durch den Blogbeitrag von Finn wurde ich noch auf Materialien zum Thema Wachstumswachstum aufmerksam.

Wie fandest du den Themenabend? War etwas neu für dich?

5 Gedanken zu “Ist weniger wirklich mehr? – Review Arte Themenabend

  1. Der Zero-Waste-Film zu Neapel ließ mich auch ziemlich ratlos zurück. Letztlich war die große Leistung des neuen Bürgermeisters die, dass er der Mafia das Müllgeschäft entreißen konnte, um das Zeug nun in die Niederlande zu verschiffen. Für Neapel sicher eine große Leistung, mit ‚Zero Waste‘ hat das aber recht wenig zu tun. Das einzige konkrete Beispiel für ‚zero waste‘ bestand darin, dass ein Cafe-Betreiber den Kaffeesatz nun in kleine Plastikbeutel (!) füllt, damit die Kunden den mitnehmen können.
    Ihren eingeflogenen Zero-Waste-Guro Paul Connett empfand ich in seinem Auftreten eigentlich nur peinlich.

    Bzgl Spanien: da wird heute verzicht geübt – aber das ist doch auch nur eine Reaktion auf die Krise dort. So lange die Wirtschaft gut lief, ist kaum ein Spanier auch nur im Traum darauf gekommen, alte Sachen zu reparieren oder zu tauschen. Und wenn die Wirtschaft dort wieder läuft, werden diese Initiativen auch wieder größtenteils verschwinden. Niko Paech denkt, dass dort schon mal die Versorgungspraktiken einer Post-Wachstums-Ökonomie eingeübt würden. Ich sehe aber eher, dass dort bestenfalls neue Überlebensstrategien für die Abgehängten einer Gesellschaft ausprobiert werden, die Mehrheit der Menschen schwelgt auch in Spainen weiter im Konsum.

    Experimentelles Leben finde ich toll, aber ich glaube nicht wirklich, dass das die Welt retten wird. Insbesondere da letztlich doch alles wieder von der Wirtschaft vereinnahmt und ins Gegenteil verkehrt wird.
    Bestes Beispiel liefert dazu die ‚Energiewende‘. Der Film ‚Verbrechen im Namen des Klimas‘ fand ich da auch recht aufschlussreich: http://www.youtube.com/watch?v=PNZ9cMMimoc

    Letzt gab’s auf 3sat die Doku ‚Die Lüge von der Freiheit‘
    http://www.youtube.com/watch?v=eHbNKPbZvUg
    Da geht’s im ersten Teil um die Anfänge der amerikanischen Computerindustrie und des Internets. Das war erst eine Sache der amerikanischen Gegenkultur, der Hippie-Bewegung, der Freiheitssuchenden – am Ende blieb nur die Freiheit möglichst schnell möglichst viel Geld zu machen – gerne auch in Zusammenarbeit mit Militär und NSA.

    1. Danke für die Link-Tipps!
      Ich glaube auch nicht, dass ein bisschen „anders“ leben viel bringt, wenn die Regierungen nicht mitmachen.
      Es ist zwar gut für das eigene Gewissen, aber ich habe mich auch schon von der Illusion verabschiedet, viel ausrichten zu können. Man muss halt eben erst eine kritische Masse erreichen und selbst das bedeutet noch nix, wie man an Spanien sieht.

  2. Zu der Müllentsorgung im Nationalpark ist mir spontan eingefallen:

    Die Müllentsorgung sollte so nachhaltig und ökologisch sein, dass sie auch im Nationalpark geschehen kann. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte das System der Müllentsorgung (und nicht der Ort!) neu überdenkt werden. Odererwarte ich hier zu viel?

  3. Die Regierungen werden ihre Politik sicher nicht an kleinen Splittergruppen ausrichten, aber steter Tropfen höhlt den Stein. Mich hat in der Hinsicht beeindruckt, wie plötzlich und ohne größere Widerstände nach Fukushima der Atomausstieg beschlossen wurde. Auch jetzt, zwei Jahre später, gibt es kaum jemand, der ihn für falsch hält (abgesehen von ein paar Erzkonservativen). Vor 20 Jahren hätte es bestimmt noch anders ausgesehen, da wäre man mit den üblichen Parolen („Kann bei uns nicht passieren!“ etc.) vertröstet worden. Also, am Ball bleiben und möglichst viele Menschen überzeugen.

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