Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich von Kjersti A. Skomsvold

Literaturempfehlungen von Lieblingsautoren bekommt man ja nicht alle Tage. Und als mal einer von Sibylle Berg über Twitter kam, war ich natürlich gespannt.
Mathea Martinsen ist alt, nicht sonderlich kräftig, dafür sehr schüchtern und seit kurzem Witwe. Seit ihr Mann Epsilon unter der Erde liegt, wird ihr klar, dass sie außer ihn nichts hatte und sie ihre Lebenszeit nicht gut genutzt hat. Keine Arbeit, keine Kinder, keine Freunde – außer dem Stricken von Ohrenwärmern blieb ihr nichts. Und nun überlegt sie, was sie tun könnte, um zu beweisen, dass sie gelebt hat. Sie überlegt zu sterben, aber das geht nicht so auf Knopfdruck. Sie überlegt sich einzufrieren, aber das Gefrierfach im Kühlschrank ist viel zu klein. Deshalb kauft sie erstmal Marmeladengläser, die sie nicht öffnen kann, legt alte Dinge in eine Schachtel, vergräbt sie als Zeitkapsel und nennt einem bekloppten Mann im Wald täglich die Uhrzeit, als Vorbereitung zum Small Talk. Diese und ein paar weitere kleine Ereignisse erschüttern ihr Leben so sehr, dass sie sogar wagemutig wird: Sie geht zum Seniorentreff – und scheitert an ihrer eigenen Unfähigkeit sich sichtbar zu machen.
Fazit: eine feine Geschichte, erzählt mit einer großen Zärtlichkeit und Intimität, die man mit einem bittersüßen Schmunzeln lesen muss und zum Nachdenken über die Frage „Was hinterlasse ich der Welt?“ anregt. Schade, dass es so kurz ist. Hach.

3 Gedanken zu “Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich von Kjersti A. Skomsvold

  1. So schnell kann´s gehen,der zweite Kommentar.Bin wohl nun offiziell in der Welt des Internet-talks angekommen.
    Habe mir das Buch gleich mal merken müssen.Gedanklich stehe ich schon im Bücherladen und finde es toll.
    Möchte mich gern revangieren,es jedenfalls versuchen.Meine Empfehlung: Max Goldt.

    Es grüßt Gürkchen!

  2. Ohja,die Katz&Goldt Comics. Finde sie teilweise sehr lustig,manchmal fehlt mir aber etwas…hm,was fehlt mir denn? Schwer zu sagen…ich glaube Subtilität. Da ziehe ich die meisten der Nicht Lustig Comics vor.Die kennst du bestimmt auch,oder?
    Hm,ich mag dir ja so gern was empfehlen.Grübeldenk. Ich lese grad von Matt Ruff „G.A.S. – Trilogie der Stadtwerke“ und parallel von John Irving „Garp und wie er die Welt sah“. Beides ältere Bücher.Vielleicht kennt du sie bereits? Falls nicht-sobald ich sie verschlungen habe (ich verschlinge aber sehr langsam),spreche ich mein Urteil..vielleicht wird es ja eine Empfehlung :)

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