Lichtverschmutzung

Heute ist Earthday, Tag der Erde. Und am 28.3. 2015 war schon Earth Hour. Schön ist das. Da gibts ein GoogleDoodle über das alle reden, da knipst man eine Stunde das Licht aus, sitzt bei Kerzenschein am Esstisch und spielt Karten. Schön ist das. Dann knipst man das Licht an, den Fernseher auch, das Leben geht seinen gewohnten Gang.
Bringts was? Hm. Geht so. Wenn ein bisschen Bewusstsein geschaffen wird ist das ja schön. Müll ist doof. Cradle to Cradle wäre natürlich besser. Aber das ist viel Aufwand. Und das ist anstrengend.

Aber in diesem Beitrag soll es um ein anderes Problem gehen. Ein Problem, das die meisten gar nicht als Problem wahrnehmen. Es geht um Lichtverschmutzung. Viele schmunzeln bei diesem Wort, weil sie es noch nie gehört haben. Dabei ist nicht das Licht verschmutzt, sondern der Nachthimmel, der mit künstlichem Licht so erhellt wird, dass sich das ganze Streulicht in der Atmosphäre verteilt. Wir sehen diffus erleuchteten Nebel, aber keine Sterne und Planeten mehr.
Ein komisches Problem: Es macht keinen Lärm, es tut nicht weh, es ist schön, wenn man was sehen kann und nicht im Dunkeln umhertappt und hinfällt.

Licht ist praktisch, aber auch teilweise überflüssig. Und als Möchtegern-Minimalistin ist es an der Zeit, sich nicht nur mit überflüssigen und sinnlosen Verpackungen auseinanderzusetzen sondern eben auch mit sinnlos eingesetzten Lichtquellen, z.b.

  • bei Sehenswürdigkeiten, die nachts beleuchtet werden
  • in Schaufenstern, die auch um 3 Uhr morgens den Bummler anlocken sollen
  • grelle Laternen in Wohngegenden
  • Werbekästen an Bushaltestellen
  • Bewegungsmelder, die so eingestellt sind, das sie bei jedem Staubkorn anfangen aufzublitzen
  • Treppenhaus- und Flurbeleuchtung, die zu lange leuchtet

„Aber mein Haus soll beleuchtet werden, das schreckt Einbrecher ab!“ – Ja, meinst du? Als Einbrecher würde ich mich freuen, wenn mich ein festlich erleuchtetes Haus einladen würde! Da kann ich meine auffällige Taschenlampe ja im Auto lassen und einfach so im Garten herumspazieren und schon mal gucken, wo ich rein kann.
In absoluter Dunkelheit kann auch der Kriminelle nix sehen. Denk mal drüber nach.

Zu viel sinnloses Licht verdirbt uns nicht nur romantische Nächte unterm Sternenhimmel, es ist auch mitverantwortlich für das massenhafte Sterben von Tieren und die Verarmung von Flora und Fauna.
Meeresschildkröten, wie z.B. die Karettschildkröte, werden von Strand- und Küstenbeleuchtung abgelenkt und verirren sich. Sie landen nicht am Strand, wo sie ihre Eier ablegen können, sondern wandern viel zu weit ins Landesinnere und werden überfahren oder sterben völlig entkräftet. Nachtaktive Insekten werden von künstlichen Lichtquellen geblendet und sinken zu Boden, weil durch die Tageslichtbedingungen ein Ruheverhalten ausgelöst wird. Oder sie werden so desorientiert, dass sie ihre gesamte Kraft auf das Umherschwirren an der Lichtquelle verschwenden und sie sterben. Motten tragen übrigens auch dazu bei, dass sich Blütenstaub verteilt, das nur mal als Randnotiz.
Bei Zugvögeln ist es ähnlich. Sie orientieren sich nachts auch an den Sternen. Wenn sie die Sterne nicht sehen können, verirren sie sich.
Für uns ist zu viel Licht auch nicht gut. Es hemmt das Melatonin, ein Hormon, das unseren Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Helles Licht für ca. 1 Stunde kann unsere innere Uhr auf bis zu zwei Stunden umstellen. Und was Müdigkeit mit uns macht, wissen wir ja.
Ich könnte noch mehr Horrorgeschichten erzählen, die im Licht spielen. Aber ich lasse das jetzt.

Wichtiger ist doch, was man dagegen tun kann. Und das einfache, äußerst minimalistische Rezept lautet: LICHT AUS! Und wenn das nicht geht, eine andere Farbtemperatur wählen. Je rötlicher das Licht, desto besser. Aufgrund einer Initiative sind seit 2013 in Frankreich nachts die Lichter aus. Das könnte man doch eigentlich hier auch einführen, oder?

Du wirst überflüssiges Licht erkennen, wenn du es siehst. Ganz besonders toll sind diese kugelförmigen Gehwegleuchten, die alles anstrahlen, nur nicht den Boden.
Die Lampe soll das anstrahlen, was sie anstrahlen soll. Das ist der Boden, das ist ein hübsches Gebäude (wenns sein muss) oder na gut, eben auch die Reklametafel. Dann soll es das aber bitteschön auch tun.

Falls du ein Haus hast, prüfe doch mal, was bei dir wie angestrahlt ist. Geht das Licht in den Himmel? Dann solltest du was ändern.
Geh mal nachts in der Stadt spazieren und schau dich mal um. Dir wird schlecht. Schlag doch deinem Pizzahouse, deinem Friseur oder deinem Kiosk um die Ecke vor, sie sollen Zeitschaltuhren benutzen. Meistens reicht das doch, wenn die Beleuchtung um 0 Uhr aus ist?!
Liebe Radfahrer, super das mit den LEDs! Nicht so toll ist, wenn ihr mir damit in die Fresse leuchtet und mich blendet. Vor allem, wenn ihr klingelt und ich nicht sehen kann, wohin ich ausweichen soll.
Discobesuch? Check mal, obs da Skybeamer gibt und sag dem Besitzer, er soll das mal schön lassen.

Ich glaube, ich versuche sowas in der Art. Einen Text formulieren und einfach mal an die betroffenen Häuser und Geschäfte hängen. Vielleicht ändert sich was. Denn wie gesagt, es ist ein Problem, das uns nicht als Problem erscheint.

Und wenn das Licht aus ist, gucken wir uns den Himmel an, ok?


P.S.: Ich weiß, der Artikel ist sehr launisch. Aber Lichtverschmutzung nervt mich und ich möchte dafür ein Bewusstsein mit Hilfe meines Blogs schaffen. Mir ist Lichtverschmutzung genauso wichtig wie Müllvermeidung. Ich glaube nämlich, dass ein staunender Blick auf die Milchstraße extrem wichtig für uns ist.
Falls du den Artikel also bis hierher gelesen hast, vielen Dank. <3

10 Gedanken zu “Lichtverschmutzung

  1. Mir fällt nachts oft auf, wie krass hell selbst eine beleuchtete Wohnung ist. Wir haben im Küchenfenster keine Gardinen und durch die nicht vorhandene Tür fällt dann das Licht von den Wohnungen gegenüber und es ist wirklich merklich heller. Dazwischen sind keine Straßenlampen – ich bin immer wieder erstaunt, wie hell es im Flur durch die Wohnungen in 30 bis 50 Meter Entfernung ist. Leider strahlt das auch durch die offene Tür ein bisschen ins Schlafzimmer. Mir stört das wirklich. Die Schlafzimmertür muss leider offen bleiben, weil wir sonst so viel Feuchtigkeit im Schlafzimmer habe.
    Ich bin noch auf der Suche nach der passenden Lösung (ohne Bohren in die Hausinnenwand).

    Bin froh, dass du das thematisierst.
    In einigen Gemeinden Deutschlands wird nach 24 Uhr auf Straßenbeleuchtung verzichtet (aus Kostengründen). Das finde ich allerdings manchmal auch ein bisschen gruselig.
    LG Nanne

  2. Ich wohne in der Großstadt und kenne das Leid. Ich mag Lichtverschmutzung auch nicht und versuche etwas dagegen zu tun. Leider wollen die Wenigstens mitmachen, meistens hilft nur das „Du sparst dann Geld“ Argument – obwohl mir andere Sachen wichtiger sind. Naja, wenn es hilft!

  3. Was für ein Segen das mit dem Licht aus“-Effekt ist, merke ich erst, seitdem wir tatsächlich in einer Gemeinde leben, in der abends um 24h bzw. aktuell um 01h die Lichter ausgehen. Komplett. Das ist so wunder-, wunderschön! Ich habe es erst jetzt (die letzten drei Jahre) wirklich schätzen gelernt…

    Und ich kann mich dran erinnern, wie einem meiner Kinder dieses Schlafhormon verabreicht wurde, damit es tagsüber für eine Stunde einschläft. Wegen des Lichts hat das echt nur sehr eingeschränkt geklappt.

    Krass, wie sehr wir auf solche Einflüsse reagieren. Ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein. Und dann wundern wir uns, wenn wir nicht „rund“ laufen.

  4. Wichtiges Thema!

    Bei uns bauen sie vor der Haustür ein Haus, mit großem Baukran. Der hatte eine dicke, fette Leuchtreklame oben drauf. Die schien so hell, dass wir – das ist kein Witz! – dachten, es wäre jede Nacht Vollmond. Mein Freund hat der Firma geschrieben. Es kam keine Antwort zurück, aber wenige Wochen später leuchtete es nachts nicht mehr.
    Wir haben uns beide gefragt, wen in einer Wohngegend wohl überhaupt solche Werbung interessieren sollte…

  5. … das Wort „Lichtverschmutzung“ kannte ich bisher gar nicht;-). Die Umweltauswirkungen für die Tiere waren mir bisher nicht so bewusst.

    Unter dem Energie-/Geldspargedanken gehe ich mit dem Thema Licht persögnlich schon immer sparsam um. Darüber hinaus mag ich grelles Licht auch einfach nicht.

    Deine Idee Häuser und Geschäfte darüber zu informieren finde ich toll!

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

  6. Mir fällt es immer wieder auf, wenn ich nachts von der Arbeit nach hause fahre und die tagaktiven Vögel noch unterwegs sind. Um 12 balgen sich die Amseln und mir wird immer ganz weh ums Herz. Auch wenn ich es durchaus zu schätzen weiß, dass ich dank der Beleuchtung auch nachts noch mit dem Rad fahren kann. Un mich nur selten vor düsteren Ecken gruseln muss. Aber wahrscheinlich könnte man sich auch dran gewöhnen, das nicht mehr zu können.

  7. Mich nervt das viele Licht oft. Ich finde es gar nicht so schön. Ich finde auch, die Gehwege werden nachts viel zu hell beleuchtet. Etwas matteres Licht würde es auch tun. Vor meiner Wohnung steht eine Laterne, die leuchtet so hell, dass ich zum Lesen in der Wohnung in der Nähe des Fensters kein Licht anmachen muss. Mit eigenem Licht liest es sich dann zwar doch besser, aber es ist möglich. So kann ich natürlich persönlich Geld sparen, aber ohne die Laterne wär’s mir lieber. Ich mag auch die Dunkelheit. Manchmal ärger ich mich, wenn ich nachts durch die ruhigen Nebenstraßen nach Hause gehe und alles ist so hell erleuchtet. Das macht die Ruhe irgendwie kaputt. Und es fällt mir auch immer wieder auf, wenn ich mal auf dem Dorf bin und die Sterne sehen kann. Das macht eine ganz andere Atmosphäre. Die Dunkelheit wirkt irgendwie auch entspannend.

  8. Hey!

    Den Punkt „Treppenhaus- und Flurbeleuchtung, die zu lange leuchtet“ kenne ich nur zu gut. Bei uns ist diese, sobald es dunkel wird, dauerhaft an. Automatisch. Die komplette Nacht. Es gibt keinen Schalter. Warum auch immer.

  9. Ich war mal im Observatorium in Luzern. Der Astronom konnte uns zeigen, wo Mailand liegt (200 km weiter im Süden, dazwischen 4000 m hohe Berge). Die sichtbare Lichtglocke von Mailand überragte die Alpen.
    Ich habe aber auch schon das umgekehrte erlebt bei einem Segeltörn nachts auf dem offenen Meer. Da war es dunkel, wirklich dunkel und Milliarden von Sterne waren sichtbar. Dazu kam eine klar erkennbare Milchstrasse, wir konnten uns nicht sattsehen. Einmalig!

  10. Hallo Cloudy,

    ich freue ich immer ungemein, wenn ich die Milchstraße sehen kann. Ist allerdings ortsbedingt schon eine Weile her.

    Abend- und Nachtbeleuchtung ist einer der Top-Konfliktpunkte in unserer WG. Ich laufe lieber im Dunklen durch den Flur, weil das Licht der Lampe eine mir unangenehme Atmosphäre versprüht. Meine Mitbewohnerin fühlt sich im Dunkeln unwohl und lässt es deshalb den ganzen Abend durchweg brennen, auch wenn sie nicht im Flur ist. Ganz arg! Und sich dann noch über die Stromrechnung wundern… Aber das ist ein Thema für sich. Da wünscht man sich doch, allein zu wohnen und über alles selbst entscheiden zu können.

    Lieber Gruß,
    Philipp

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