Loslassen, was ist das?

Immer wenn es mir nach Inspiration zum Weiterdenken verlangt, surfe ich auf diversen Blogs herum. Ich lese gerne Minimalismusblogs, nur was mir neulich erst aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass überall (ha, auch auf meinem Blog!) etwas von „loslassen“ oder „let go“ steht und am Wochenende ist mir erst aufgefallen: „Häää? Was isn das eigentlich, Loslassen?!“

Ich habe mich also gefragt: Was ist für mich Loslassen?

Loslassen ist für mich…
…etwas Vertrautes loslassen (!?) und ins Unbekannte eintauchen
…auch: neugierig sein
meine tägliche Routine aufgeben
…neue Gewohnheiten trainieren, von denen ich glaube, dass sie mir gut tun
…eine andere, evtl. radikale Sichtweise einnehmen
…sich von Äußerlichkeiten lossagen, in dem ich mir Sachen ausdenke und bewusst danach handle

Wie wirkt sich das Loslassen ganz praktisch im Alltag aus?
Was genau passiert, wenn ich loslasse?
Woran erkenne ich, dass ich etwas/jemanden losgelassen habe?

Ich fühle mich…
…gelassener
…beweglicher
…entspannter
…fröhlicher
…dankbarer
…und voller Tatendrang

Seltsamerweise würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, dass ich mich „befreiter“ fühle, weil ich mich vorher auch nicht wirklich „unfrei“ oder „eingesperrt“ gefühlt habe. Oder doch? Und ich merks nur nicht? Steckt das alles dort oben mit drin?
Hm…Ich weiß auch nicht. Auf den amerikanischen Blogs wird so viel von Freiheit geredet, dass mir schon schwindelig geworden ist.

Wie ist das bei dir? Was bedeutet Loslassen für dich und wie äußert es sich bei dir?

13 Gedanken zu “Loslassen, was ist das?

  1. Hallo,

    Das Gefühl des Loslassens empfinde ich immer besonders stark, wenn ich eine Sache beende, die mich schon lange genervt hat oder ein Klotz am Bein war. Oft hat man ja Erwartungen daran, wie eine Sache verlaufen soll, beispielsweise ein Urlaub oder ein berufliches Projekt. Und wenn es dann anders kommt, ist man schnell enttäuscht. Wenn ich in solchen Momenten die Erwartungen loslasse, kann ich einfach genießen, was passiert. Und danach etwas Neues beginnen. Für mich fühlt sich das schon nach einer Befreiung an.
    In solchen Momenten denke ich dann immer an so einen Spruch, der immer irgendwelchen Indianern zugeschrieben wird aber wahrscheinlich von irgendeinem 19.-Jahrhundert-Schriftsteller wie Karl May oder so stammt: „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig ab.“
    Fängt ja schließlich irgendwann an zu müffeln, so unter der glutheißen Sonne der Prärie…;)

    Liebe Grüße
    Pia

  2. Liebe Frau Ding Dong,

    Warum eigentlich loslassen? Ich frage mich die ganze Zeit, wie kam es dazu, dass du loslassen wolltest?
    Das man nicht zu viel Krempel anhäuft – ok. Das man gewisse Freundschaften überdenkt – ok.
    Aber warum einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, etwas anderes zu Mittag essen, als einem vielleicht schmeckt….
    Ist dieses verkrampfte „Loslassen“ nicht in Wirklichkeit genau das Gegenteil? Sich etwas Neues, etwas Anderes ausdenken nicht ziemlich anstrengend? Kann man dann noch vom Loslassen sprechen? Von einer Erleichterung?

    Versteh mich nicht falsch, ich finde die Idee vom Loslassen und gernerell vom Minimalismus fabelhaft aber manchmal kommen mir einfach die Gedanken hoch, dass es alles zu anstrengend ist :D
    Und du fragst genau richtig, wo ist da die Freiheit?

    lg Muse

    1. Das Loslassen im April war nicht verkrampft, aber es war anstrengend. Als ich meine Anders-Liste notiert habe, dachte ich überhaupt nicht ans Loslassen. Mich trieb nur die Frage um, was passiert, wenn ich mal alles anders mache als sonst? Reine Neugier, nichts weiter. Weil ich es eben noch NIE zuvor bewusst gemacht habe. Es stand immer der Spaß im Vordergrund. Ich habe ja erst im Nachhinein gemerkt, dass es anstrengend war (weil ungewohnt und einen das total durcheinander rüttelt) und dass ich los gelassen habe, weil ich viele Gewohnheiten und Denkweise inne hatte, die eigentlich total überflüssig sind. Dieses Erkennen von „Brauch ich nich“ oder „Aha, es geht also auch anders!“, darin steckt die Freiheit. Glaube ich.

  3. Für mich war loslassen früher primär die Reduktion von unnötigem Besitz. Mittlerweile habe ich keinen solchen Balast mehr und versuche meine Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen. Wenn ich heute loslasse trenne ich mich von oberflächlichen Freundschaften oder gebe auch gerne mal etwas Verantwortung (was mir übrigens sehr schwer fällt ;-) ab. So habe ich jetzt Zeit mich auf neue interessante Projekte beruflich wie auch privat zu konzentrieren. Wenn ich heute auf die letzten 15 Jahre zurückschaue dann hat das ganze sehr viel Kraft gekostet, ich würde diesen Weg aber jederzeit wieder beschreiten weil er mir geholfen hat die wesentlichen Dinge im Leben aufzuzeigen.

  4. Das Leben ist mehr als Tun und Haben.

    Ich kann manches tun, um ein Ziel zu erreichen. Doch es liegt nicht alles in meiner Hand.

    Ich kann vieles haben, doch nicht alles brauche ich wirklich, um ein gutes Leben zu führen.

    Dieser Tatsachen bewusst, kann ich mich entscheiden etwas oder jemanden loszulassen und damit offen für Neues sowie das Geschehen des Lebens zu sein.

    Vielen Dank für Deine Anregung, über dieses Thema einmal nachzudenken.

    Viele Grüße,
    Anja

  5. Liebe Frau Ding Dong,
    zuerst einmal vielen Dank für Deinen tollen Blog, den ich immer wieder aufsuche, wenn ich „Inspiration zum Weiterdenken“ suche :-)
    Ganz großartig, nicht nur die Themen als solche, sondern auch die Gestaltung der Seite spricht mich sehr an.
    Und ich bin bereits 50! Gehöre also nicht unbedingt zur Generation der Minimalisten. Dafür aber zu denen, für die „Loslassen“ jetzt oft eine ganz andere Bedeutung erhält als die, sich von ein paar ollen Klamotten zu trennen oder den Keller zu entrümpeln. Das gibt mir Anlass zu diesem Kommentar.
    Ich war schon immer eine große Aufräumerin und Entsorgerin. Seit meiner Studienzeit habe ich liebend gern meine alten Sachen auf Flohmärkten verkauft und von Zeit zu Zeit große „Space Clearing“-Aktionen gestartet, auch wenn man es damals noch nicht so nannte. Als dann die Bücher von Karen Kingston & Co. herauskamen, haben mich Freunde aufgezogen nach dem Motto: Hättest du das doch geschrieben, dann wärst du jetzt reich. Mein Leben lang habe ich gedacht, dass mir das alles so leicht fällt: Sortieren, aufräumen, wegwerfen, verschenken. Und auch umziehen, neu anfangen, neue Wege gehen. Ich habe mir, glaube ich, auch manchmal ein bisschen viel darauf eingebildet nach dem Motto: Ich bin so frei. Ich verstehe die Leute gar nicht, die sich an Dinge klammern.
    Seit ein, zwei Jahren sehe ich das Thema aber irgendwie anders. Ich musste mich durch verschiedene Veränderungen in meinem Umfeld mit Themen wie Krankheit der alten Eltern, Verlust von alten Freunden etc. auseinandersetzen. Und jetzt weiß ich: Es gibt eine Ebene, da ist Loslassen wirklich sehr, sehr schwer. Wenn man erfährt, dass bestimmte Dinge unwiderruflich vorbei sind, wenn man in ein Alter kommt, wo man erkennt, dass man nicht ohne weiteres immer wieder von vorn anfangen kann, dann verändert sich der Blickwinkel, selbst bei einer eingefleischten Minimalistin. Dann gibt es auf einmal handgehäkelte Topflappen, die mir meine Mutter unbedingt noch geben möchte, und die ich garantiert nie, nie wegwerfen werde. Dann erhalten die Urlaubsdias, die mein Mann vor Jahren gemacht hat, plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Wer schaut denn heute noch Dias? Vor zehn Jahren hätte ich gesagt: alles digitalisieren. Jetzt kann ich mich gar nicht mehr von den Diakästen trennen, finde es toll, wenn wir mal wieder gemeinsam Dias angucken. Wahrscheinlich ist es einfach ein großer Unterschied, ob man freiwillig etwas ab- oder aufgibt, oder ob man das tun muss, ohne dass man gefragt wird, weil einfach die Zeit unwiderruflich verrinnt.
    Vielleicht kann man mit diesen Gedanken wirklich erst in einem gewissen Alter etwas anfangen, aber gerade weil ich selbst immer so vom Reduzieren begeistert war und bin, war es mir einfach ein Bedürfnis, auch mal diesen anderen Blickwinkel reinzubringen.
    Dennoch bleibe ich in vieler Hinsicht auch nach wie vor ein Entrümpel-Fan: Nächste Woche bekomme ich eine neue Küche und freue mich jetzt schon riesig, die alte an eine junge Frau weiterzugeben, die gerade ihre erste eigene Wohnung bezieht. Und sicher werde ich vorher auch noch mein gesamtes Inventar durchschauen, um zu sehen, ob noch alte Gläser oder ähnliches für sie dabei sind. :-)
    Nochmals danke für diese tolle Seite voller Inspiration!!
    Herzliche Grüße von Susanne

  6. Hallo,
    viel tiefer als der Ansatz des Loslassens geht die Theorie von A.H. Almaas in seinen Büchern : Essentielle Verwirklichung und Essentielle Befreiung.
    Es geht darum, sein Essenz, seiner wahren Natur Raum einzuräumen und sich sogar von seiner Persönlichkeit zu befreien. In unserer Essenz finden wir alles, wirklich alles was wir brauchen. Haben wir zu unserer Essenz (zurück-)gefunden, erlangen wir wirkliche Freiheit.
    Mit dieser Essenz kommt jeder auf die Welt, doch leider geht sie schon in frühen Kindheitsjahren verloren und wird überdeckt von unserer so genannten Persönlichkeit, mit der wir uns identifizieren und die wir glauben zu sein. Aber wir sind viel mehr als das. Ich habe zahlreiche andere Bücher gelesen, um „glücklicher“, „zufriedener“ zu werden, obwohl ich wirklich alles andere als ein Trauerkloß bin und habe mich auf die Suche nach „wirklichem Wert“ gemacht und bin froh, dass ich auf diese Bücher gestoßen bin. Sie sind nicht leicht zu lesen, aber wenn man einmal reingefunden hat, ahnt man, dass was dran sein könnte.
    Für mich sind quasi die Bibel aller BÜcher die sich mit Selbstverwirklichung, Glück, Zufriedenheit und und und befassen…
    Ich kann sie wirklich nur empfehlen!

  7. Ja, das mit dem Loslassen (und der Hoffnung) … fällt mir grundsätzlich sehr schwer.
    Sich von unbedeutenden Dingen zu trennen fällt nicht schwer. Aber wie verhält es sich mit Menschen, mit Freundschaften und teilweise auch Dingen, die damit verbunden sind? Hebt man sie auf, versucht sie zu reparieren, oder gibt man sie auf? Das finde ich unendlich schwer zu beurteilen. Ab wann ist sozial gelebter Minimalismus kalkulierter Egoismus? Für mich eine ganz schwierige Frage und genau der Punkt, wo ich ideologische Bedenken habe.
    Vielleicht sollte man sich nicht ausschließlich um „Selbstverwirklichung“ scheren, sondern auch mal um das „Pferd“ kümmern, idealerweise noch bevor es „müffelt“.

  8. Liebe Frau Ding Dong! :-)))

    Ich kann Ihnen nur beipflichten! Es geht mir wunderbar und ich fühle mich um Tonnen leichter! Genauer gesagt um gewaltige Lasten erleichtert!!

    Zuerst habe ich mich mit dem Loslassen sehr schwer getan. Manchmal brauche ich eine gewisse Zeit, bis ich den ganzen Krempel – Materielles und Nichtmateriellen – endlich bereit bin auszumisten. Nach meiner Reihenfolge fange ich zuerst mit dem Materiellen an. Entweder ich gebe es jemandem, der es brauchen kann, um ihm damit eine Freude zu machen, oder ich entsorge das ganze Zeugs haargenau nach dem, was es ist. Also Bücher zu Papier, wobei ich so manches Buch auch schon genüsslich zerrissen habe, weil der Inhalt nichts zu sagen hatte, der Titel und die Beschreibung mehr versprach als es wirklich war. Das tat mir gut, aber so richtig gut! :-D Im Stillen habe ich dem Autor dann auch noch meine Meinung zu seinem Buch gesagt. :-))))) Und weg war ER und sein Buch1 Platz im Regal, Platz im Kopf, Platz in der Seele!! Ärger ade!

    Es kann bei mir wirklich lange dauern, bis ich ans Werk gehe, aber wehe es hat mich gepackt, dann bin ich nicht mehr zu bremsen!! Dann kommt in mir eine Freude auf, die ist unbeschreiblich. Dann vergesse ich auch schon mal die Zeit und auch das Essen… :-))))

    Anschließend wird alles gereinigt, aufgeräumt, neu dekoriert… eben anders – und daran habe ich mittlerweile wirklich meine Freude gefunden! Es ist sooooo herrlich, sich innen leichter zu fühlen und es im Außen zu sehen!!! Das möchte ich nie wieder missen, deswegen habe ich mir vorgenommen, wenn ich merke, es ist wieder soweit, gleich damit anzufangen und nicht mehr so lange zu warten, bis es mir selbst zu viel geworden ist.

    Ich kann jedem nur dringendst ans Herz legen: Tut es!!!! Ja!!! Befreit Euch alle von allem unnötigen Gerümpel!!! Was wollt Ihr damit?! Fangt an, dann werdet Ihr sehen und fühlen, was mit Worten nicht zu beschreiben ist!!!

    Viel Freude und Erfolg dabei!!

    Rosinchen ;-))))

  9. PS: Gerade bin ich dabei, alle Nörgler, Lästermäuler, Nervensägen, Faulpelze, Gauner etc. aus meinem Leben zu räumen! Sie sind bzw. diese Leute waren der größte Ballast, haben mich Kraft, Nerven und Zeit gekostet, die ich anders – und für mich – hätte besser nutzen können…

    Ich kann sie zwar nicht entsorgen wie ein Buch, aber ich kann ihnen den Laufpass geben, sie in die Freiheit schicken, damit sie sich endlich eimalmal selbst beweisen!!! :-D

    Ich bin gespannt, was dabei herauskommt! ;-))))))

    Nur Mut!

    Rosinchen ;-))))

  10. Loslassen ist ein schwieriges Unterfangen.

    Vor 3 1/2 Jahren hat ein wirklich guter Freund, der leider in einem anderen Bundesland lebt, nach 8 bis 9 Jahren Freundschaft plötzlich den Kontakt abgebrochen. Kann ihn auf keinem Weg erreichen. Auch wenn man verheiratet ist.. Ich finde, wenn man so gut befreundet war, kann man zumindest eine Erklärung hinterlassen, somal ich diese versucht habe zu erfragen. Ich weiß nur, an welcher Schule er nun unterrichtet oder ich könnte ihm einen Brief an seine Elternadresse senden. Aber das traue ich mich nicht. Alle anderen Kanäle werden mir verwehrt.

    Ich kann diese Enttäuschung nicht abschließen. Ich bin selbstkritisch, aber habe mir nichts vorzuwerfen, was die Freundschaft riskiert hätte.

    Ich muss dazu sagen, dass ich gerade versuche Energievampire in meinem Leben wesentlich weniger Raum zugeben. Wenn es Bekannte waren, fällt es natürlich auch leichter sie zu „verbannen“, aber in Falle meines sehr guten, engen Freundes kann ich es bis heute nicht nachvollziehen.

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