(M)ein grüner Mantel

Der Tag ist gekommen. Der grüne Mantel kommt nun in den Altkleidersack.

Als ich damals Liebesbriefe und Andenken von Ex-Freunden in den Müll warf, war das einen halben Tag lang ziemlich heftig, dann hat es mich aber nicht mehr interessiert.
Aber das mit dem Mantel ist ne Nummer größer. Der grüne Lodenmantel hat mich mehr als 15 Jahre lang durch die kalte Jahreszeit begleitet. Er war ein Geschenk meiner Oma, die ihn mir nach meinem Gejammer ob der Kälte mit den Worten „Der ist noch Pfennig-Gut“ überreichte. Ich trug ihn jeden Winter und war damit für einige ein lustiger Anblick, weil ich aussah wie ein Waldwichtel.
Sowas ist mir ja egal, er war warm und als sich das Innenfutter zersetzte, habe ich ihm ein neues machen lassen.

Warum also aufgeben? Der Loden ist an einigen Stellen ziemlich abgewetzt und das gute Teil hat auch schon das eine oder andere Mottenloch. Und ehrlich gesagt habe ich mich auch an der Farbe satt gesehen. Ich habe mich verändert und das Grün passt da nicht mehr dazu. Außerdem ist der Mantel aus den 50ern und darf nun endlich in Rente gehen.
Ja, ich hätte ihn upcyclen können. Aber die Verbindung dazu ist mir abhanden gekommen. Der Mantel hat sich vom Herzensstück in ein „Ding“ verwandelt und es ist Zeit sich zu lösen.
Und weil es doch nicht so leicht ist, wie das mit den Liebesbriefen (was ich wirklich sehr seltsam finde), setze ich dem Mantel hiermit zumindest ein virtuelles Denkmal.

Was ist dir beim Entrümpeln bisher am Schwersten gefallen? Welchen verlorenen oder weggebenen Dingen würdest du gerne ein virtuelles Denkmal setzen? Vermisst du es?

3 Gedanken zu “(M)ein grüner Mantel

  1. Ich setze hiermit meiner Leinen-Umhängetasche aus dem Kinofilm „Juno“ ein virteulles Denkmal. Ich hatte sie bei einer Vorpremiere des Film gewonnen und ich mochte sie wirklich sehr. Sie war groß, praktisch und bequem zu tragen. Ich würde sie als verlo9ren bezeichnen, da ich mir nicht mehr sicher bin, was damit passiert ist. Noch besitzen zue ich sie jedenfalls nicht. Ich hatte zwischendurch auch ab und zu versucht, die gleiche irgendwo zu finden, aber Fehlanzeige. Es wäre eh nicht dasselbe gewesen, dann hätte ich sie ja nicht wie damals gewonnen. Also werde ich den Wunsch nach der Tasche mit diesem Denkmal hier ziehen lassen und damit abschließen.

  2. Definitiv trauere ich allen Nickypullovern nach, die ich je besessen habe. Sie sind leider sehr modeabhängig und nur selten zu bekommen. Irgendwann waren sie leider komplett hinüber. Ein Jammer.
    Meine schwarze Jacke von 1995 lebt zum Glück noch. Sie hält und hält und hält, hoffentlich noch lange. Da sie recht neutral ist, habe ich mich nämlich nicht dran satt gesehen und dann kann man sie zerknuddeln wie man will, sie ist binnen kurzer Zeit wieder glatt. So liebe ich das…

  3. ich glaube, dass ich den Mantel wieder aus dem Altkleidersack rausholen würde. Einen Mantel mit Erinnerungen habe ich auch. Konnte ihn bisher noch nicht in „Rente“ bzw. in den Reißwolf schicken. Er hängt in Folie verpackt im Schrank.

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