Mentales Gerümpel, Teil 2

Teil 1 über eine Eingrenzung von mentalem Gerümpel gibts hier zum Nachlesen.

Hinweis: Ich bin keine Psychologin und auch nicht pädagogisch ausgebildet. Das was ich hier zu diesem Thema schreibe, habe ich mir selbst ausgedacht und ausprobiert. Es handelt sich hierbei um eine Art Ideensammlung, die im besten Fall eine Anregung geben soll. Wenn du das Gefühl hast, dass da mehr in deinem Kopf steckt, und du mit eigenen Mitteln da nicht rauskommst, dann solltest du dir Unterstützung holen. Es ist keine Schande, um Hilfe zu bitten.

Also ja, ich bin keine Psychologin. Ich interesse mich für Psychologie, aber ich fand das Vier-Ohren-Modell damals in der Schule schon so kompliziert, dass ich lieber die übrig gebliebenen Papierkrümel aus meinem Schulblock gezupft habe. Das Nachdenken über die Psyche finde ich anstrengend. AAAABER! – Vielleicht liegt das am Alter oder so – ich habe endlich mal ein paar einfache Methoden gefunden, wie ich mit mentalem Gerümpel umgehen kann.

Wie man erkennt, dass dein Kopf „vollgemüllt“ ist? Schau dich um. Chaotische Zustände in Haus und Wohnung sind ein erstes Indiz für einen chaotischen Gedankenhaufen. Zumindest bemerke ich das so immer wieder bei mir.

Ich bin zu faul und ungeduldig und alles ausführlich und tief zu analysieren. Ich brauche im Alltag Lösungen mit denen ich weiterkomme. Und beim Entrümpeln von Büchern, Klamotten und Co. habe ich viel gelernt.
Und die Basis sieht so aus: Aus dem Gedankenkarussell aussteigen, einen Schritt zurück treten und sich alles erstmal in Ruhe anzuschauen. Wenn ich ein bisschen Distanz dazu gefunden habe, kann ich Lösungswege finden, die Sache abschließen, loslassen und auch zukünftig hoffentlich vermeiden.

  1. Bestandsaufnahme: Was ist eigentlich gerade los? Was behindert meine Lebensfreude?
  2. Mit ein paar kleinen Tricks erstmal Ordnung ins Gedankenchaos reinbringen
  3. Lösungen finden und angehen
  4. Erkennen, dass ein Prozess abgeschlossen ist und nicht wieder auf denselben Problemen rumkauen
  5. Zukünftig vermeiden

Bestandsaufnahme:

Immer wenn ich das Gefühl habe, mein Gehirn ist zu voll mit blöden Gedanken, frage ich mich: „Was brauche ich?“
Und diese Frage finde ich auch in dieser Hinsicht unfassbar kraftvoll und interessant.

Auf die Frage „Was brauche ich“? kann ich ganz spontan ausm Bauch heraus antworten:
Ich fühl mich irgendwie blöd, dann brauche ich Trost und Aufmunterung.
Ich fühl mich verwirrt, dann brauch ich Klarheit.
Ich ärgere mich gerade sehr, dann brauch ich Gelassenheit und Coolness.

Und dann kann ich mich weiter damit beschäftigen: Wie bekomme ich das? Wer oder was tröstet mich? Was gibt mir Struktur? Was kann ich tun, um gelassen zu werden?
Anstatt mich immer im Kreis zu drehen und das Problem zu zerkauen, ist das sehr lösungsorientiert und bringt mich einen Schritt weiter.

Ein paar Ideen für weniger Chaos:

Gedankenmülltonne
Einfach alles mal aufschreiben, so wie es gerade rauskommt. Auch für Unerledigtes: To-Do-Listen helfen mir, mich zu strukturieren.

Stopp! sagen
Klappt nicht immer, aber es hilfts trotzdem.

Sachen zu Ende bringen, auch wenns keinen Spaß macht.
Was abgeschlossen ist, ist abgeschlossen.

Atmen & Achtsamkeit
Mein Hirn rattert, obwohl ich gleichzeitig merke, dass mein Körper jetzt bereit wäre für den Schlafmodus. Da konzentriere ich mich ein paar Minuten auf meinen Atem und Schwupp – auf dem Weg ins Traumland. Und auch sonst: Einfach mal ne kurze Pause einlegen, tief durchatmen und bemerken: „Ja, es ist gerade etwas viel“ ist schon mal die halbe Miete.

Routine und Autopilot
Wenn ich immer dasselbe tue, ist das zwar nicht sonderlich aufregend, aber ich muss dafür auch weniger nachdenken. Was mir in stressigen Zeiten ganz gelegen kommt.

Singletasking
Mag ich nicht. Kann ich nicht wirklich. Aber ich versuchs.

Sport und Bewegung
Bei Wut das beste Mittel. Auch klasse: Ins Kissen schreien oder boxen.

Einstellung ändern
Ich sehe mir die Sache genau an, mit der ich ein Problem habe. Kann ich an dem Problem überhaupt was ändern? Vielleicht kann ich an dem Problem nicht viel ändern, aber ich kann meine Einstellung dazu ändern.

Abschließen, loslassen und künftig vermeiden.
Das ist die schwierigste Phase. Woran erkennt man einen Abschluss? Wie lässt man los?
Wenn man von jemanden verletzt wurde und man sich entschliesst, demjenigen zu verzeihen, dann sollte man das auch selbst begreifen und sich immer wieder daran erinnern. Das ist überhaupt nicht leicht. Das muss man üben.

Um künftig mentales Gerümpel zu vermeiden, kann man sich selbst ein Trickkiste zusammenstellen. Bestimmt hat jeder sowas, aber vielleicht ist es einem noch gar nicht wirklich bewusst?
Eine Freundin bespricht z. B. bei Kummer und Sorgen immer einen Stein und wirft ihn dann ganz weit weg. Diese Idee finde ich klasse!
Eine andere Freundin schreibt alles auf und verbrennt den Brief anschliessend. In unserer heutigen Zeit sind solche Rituale völlig verloren gegangen und erscheinen kindisch. Aber wenn es hilft, spricht doch nix dagegen, oder?

Was brauchst du, um dein Gedankenkarussell abzustellen? Was ist dein Mittel um mentales Gerümpel zu entsorgen?

8 Gedanken zu “Mentales Gerümpel, Teil 2

  1. Hallo Frau DingDong! Das ist schon sehr gut psychologisch. Es gibt ja auch Psychologievarianten (oder Therapievarianten), die sehr lösungsfokussiert sind und weniger auf der Analyse bestehen.

    Mir hilft Tagebuch schreiben einfach sehr gut. Dabei gewinne ich Distanz zu den Dingen, merke, dass ich oft meine Erwartungen und Ansprüche zu unrealistisch setze. Reflektiere mich selbst.

    Außerdem gut: mit Freundinnen telefonieren, mit dem Mann ins Lieblingscafé gehen, alleine ins Lieblingscafé gehen, duschen, Rad fahren (hilft mir hervorragend) und eben auch aufräumen und putzen (und dabei das gedankenkarussell aber auch abstellen können).

    Wichtig finde ich aber auch zu erkennen, ob man sich wirklich im Kreis dreht oder ob es gerade um Themen geht, die verarbeitet werden wollen. Ich nehme gerade die Arbeit geistig oft mit nach Hause, aber das muss wohl so, ich verarbeite da einfach gerade einiges und bald ist es auch wieder gut.
    Ich finde deine Tipps sehr gut!

    Liebe Grüße in den noch höheren Norden!
    Nanne

    1. Hi Nanne, deine Ideen sind auch klasse! Ein Lieblingscafe in meiner Nähe muss ich allerdings erst noch finden.
      Aber dort Kakao trinken und Tagebuch schreiben stelle ich mir gerade sehr schön vor.
      Alles Gute für dich!

  2. Liebe Frau DingDong,
    Du triffst mit dem mentalen Entrümpeln im Moment genau meinen Nerv (aua ;))! Ich glaub, ich war jetzt jahr(zehnt)elang mentaler Messie. (Mehr möchte ich grad nicht ins Detail gehen…) Um mich davon zu befreien, ist „zu Ende bringen“ mit die wichtigsten Übung, habe ich fest gestellt. Was mir noch fehlt und wozu Du mich gerade ermuntert hast: ein Loslassritual und ein Einschlafritual. Übrigens möchte ich auch mehr Routinen in mein Leben einbauen und damit weniger Entscheidungen am Tag treffen müssen.
    Liebe Grüße
    Dörte

  3. Guten Tag Frau Ding Dong,

    bin gerade über Deinen Blog gestolpert, und werde mich noch ausführlich einlesen und festlesen.

    Vorab möchte ich mich für etwas bedanken, was wohl der Mehrheit garnicht mehr auffällt: Kein Gockel Analytics. Sehr fein, denn das braucht weder man noch frau. Schön, dass Dein Blog diesbezüglich minimalistisch daherkommt.

    Schönes Wochenende wünscht Max

  4. Das Thema Rituale beschäftigt mich gerade. Ich glaube, die sind uns als Gesellschaft sehr abhanden gekommen. Immer wenn ich welche erlebe, die für mich stimmig sind, merke ich, dass sich das sehr heilsam anfühlt. Ich hab neulich ein Buch entdeckt, das ich demnächst mal lesen will. Kann aber vorab natürlich noch nichts darüber sagen:
    Ritual: Power, Healing and Community
    von: Malidoma Patrice Some

    und lustig, dass ihr das auch erwähnt. Ich habe seit ein paar Tagen das dringende Bedürfnis mich mit meinem Tagebuch in ein Café zu setzen. Werde ich nächste Woche machen. Ich saß diesen Sommer mal mit Tagebuch und Gebäck im Park und habe sehr lange geschrieben, das war super.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*