Minimalismus als Thema in Filmen

Okay, ich sags lieber gleich: Der Beitrag könnte etwas lahm werden, lebt aber von einer reichen Kommentar-Brainstorming-Sache.

Und zwar geht es – wie die Überschrift verlauten lässt – um Minimalismus in Filmen.
Grund für den Beitrag ist „Up in the Air„, ein Film mit George Clooney der am Sonntag im TV zu sehen war und von dem ich ganz begeistert war. Die literarische Vorlage ist übrigens „Mr Bingham sammelt Meilen“ von Walter Kirn – hat das jemand von euch gelesen?

Kurz zur Story: Mr Bingham fliegt quer durch Amerika und entlässt Leute im Auftrag von Firmen, die nicht den Mumm haben es selbst zu tun. Durch seine Vielfliegerei hat er natürlich ordentlich Bonusmeilen auf seinem Konto und er träumt von davon die 10 Millionen Meilen-Grenze zu überschreiten. Persönliche Beziehungen, weder zu Arbeitskollegen noch zu seiner Familie, pflegt er kaum. Erst durch eine neue, junge Mitarbeiterin, die sein Arbeitsumfeld umstrukturiert und seine Flughafenaffäre entdeckt er, wie schön es sein kann, wenn man Menschen um sich hat – was aber natürlich auch viele Probleme mit sich bringt.

Nun, inwiefern taucht da jetzt Minimalismus in „Up in the Air“ auf?
– Persönliche Ungebundenheit von Ryan Bingham
– sein kleiner Koffer, wo alles drin ist, was er braucht
– seine Wohnung in Omaha ist nur spärlich eingerichtet
– seine Vorträge als Coach, wo er immer von einem leeren Rucksack spricht, den man mit dem Wichtigsten füllen soll
– durch seine minimalistische Lebensweise eckt er ziemlich oft an und treibt einige damit zur Weißglut, weil sie es nicht verstehen

Das war jetzt nur ein unvollständiges Brainstorming, aber das sind die Aspekte die mir aufgefallen sind.

Meine Frage nun an euch: Gibt es noch andere Filme mit Minimalismus/Downshifting/Einfaches Leben als Thema?

Außer Fight Club fällt mir nicht wirklich was ein – und da kenn ich nicht mal den Film sondern nur das Buch

Bitte sich rege in den Kommentaren zu beteiligen! Ich fände es cool, wenn da eine kleine Liste zusammen kommen könnte.

26 Gedanken zu “Minimalismus als Thema in Filmen

  1. Wie lustig ich habe gerade dieses Video hier gesehen über Minimalismus an Bord auf See (http://www.youtube.com/watch?v=CkaH_UUH0Ek&feature=related). Über Ben und Teresas Segeltrip wurde jetzt auch ein Dokumentarfilm gedreht: One Simple Question. http://www.simplequestionmovie.com
    Es ist zwar kein fiktiver Film wie du ihn suchst, aber ich denke, er könnte für die Liste trotzdem spannend sein.
    Liebe Grüße und danke auch für deinen Eintrag gestern, der war super!

  2. Hallo!

    Ich weiß zwar nicht, ob er ganz deine Kriterien trifft, aber „Into The Wild“ kam mir als erstes in den Kopf.
    Die – wahre – Story ist so simpel wie ansprechend: ein junger Mann beschließt, dass Zivilisation und deren Errungenschaften nicht das sind, was er will. Er verschenkt sein Hab und Gut und zieht in die Wildnis. Einige Wochen später findet man seine Leiche…

  3. Ich finde K-PAX, hat einige Ansätze, soweit man sich darauf einlässt das Prot ein außerirdischer ist.Er reißt ohne Gepäck und steckt im Körper eines Menschen. Braucht kein Raumschiff das Lichtreisen das Mittel der Wahl sind. Beschreibt seinen Heimat Planeten als einen Ort der weder Regierung…..
    Ich denke ansehen ist besser :)

  4. Oh, toller Artikel. Ich mag Filme. ‚Into the Wild‘ war auch mein erster Gedanke. Ich hab kürzlich noch mal die Millennium-Trilogie gesehen und musste hinsichtlich Lisbeths (Über-)Lebensumständen häufiger darüber nachdenken, dass diese doch sehr reduziert sind… Zählen auch Serien? ‚The Mentalist‘ scheint nur einen alten Citroen und eine Matratze zu haben…

  5. momo von michael ende! zwar eher kapitalismus/konsumkritisch, aber daher auch minimalistisch, irgendwie.

    der mumrich von den mumins ist auch sehr minimalistisch, immer auf reisen, kein gepäck und er sagt auch dementsprechende dinge.

    (ja, ich liebe kinderbücher!)

    zur abwechslung kein kinderbuch: doppler von erlend loe (sollte auf deutsch übersetzt sein), ein sehr amüsantes buch, wo er das „into the wild“ und ähnliches ein bisschen auf die schaufel nimmt.

    selber nicht gelesen, aber auf dieses buch stehen viele: walden von thoreau.

  6. Schöne Themenidee.

    Also mir fällt da gerade als Doku „Zeit der Stille“ ein …

    http://www.youtube.com/watch?v=X-z3JPfJNI4&feature=related

    … aber Mönche sind ja eh die Erfinder des Minimalismus, da kann man fast jede Dokumentation nehmen, die sich mit solchen befasst.

    Ich bin auch immer ganz scharf auf Dokumentationen über Menschen, die ein wenig anders leben, z.B. fällt mir gerade der Typ hier ein:

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/media/typisch347.html

    (die ersten 9 Minuten über die Wurst kann man sich aber sparen)

    Irgendwann ende ich auch im Wohnwagen …

    Und Monk fällt mir noch ein … der ist eigentlich auch Minimalist, allein schon, weil jedes Ding auch eine potentielle Bakterienquelle ist.

  7. Ich kann leider keinen Film beitragen, wollte mich aber für diesen Artikel bedanken. Ich habe den Film damals im Kino gesehen und war sehr angetan davon – lange bevor meine minimalistische Phase begonnen hat.
    Mir ist erst durch diesen Artikel bewusst geworden, daß er mich tatsächlich irgendwie in dieser Hinsicht beeinflusst hat…

    Liebe Grüße,
    Jan

  8. Sci-Fi wie THX-1138 oder Equilibrium propagieren einen recht minimalistischen Lebensstil, aber ob das erstrebenswert ist? ;-)

    Aber auch Leon – Der Profi, welcher nur mit einer Zimmerpflanze reist, ist ein Minimalist.

    Zählt Elizabethtown auch? Downshifting ist hier sicherlich angesagt. Auf befreiende Art und Weise versagen kann manchmal hilfreich sein.

  9. Oh, meinen absoluten Lieblingsfilm zu dem Thema habe ich vergessen:

    „Der Alte Mann Und Sein Universum – Einsiedler Im schwedischen Forst“, auf schwedisch: „Gubben i stugan“

    Da wird über anderthalb Stunden nur das Leben dieses alten Mannes gezeigt, der allein hoch im Norden auf einem alten Hof lebt – ohne jeden Kommentar. Film und Leben des Mannes sind sehr minimalistisch – vor allem aber sehr sehr ruhig.

    Kam mal auf Phoenix und im WDR, ist aber wohl kaum noch zu haben – aber vielleicht wird er mal wiederholt.

    Leider gibt’s auf Youtube nur einen kleinen Ausschnitt dazu, der nicht wirklich einen Eindruck vermitteln kann:
    http://www.youtube.com/watch?v=fLUd64TRD8k

    Und hier noch ein paar Minuten in schlechter Qualität: (ab 10.40), in denen er in einer Sommerpolarnacht in einer Emaillebadewanne im Wald badet:
    http://www.youtube.com/watch?v=8tXxgHM4Bhc

    Na ja, aber vielleicht muss man schon etwas seltsam sein, um den Film zu mögen. Ich schaue ihn mir von Zeit zu Zeit immer wieder mal gerne an.

    1. ach witzig – der Film liegt hier schon seit Weihnachten auf DVD herum. Ungesehen *räusper* Haben uns Freunde ausgeliehen und waren soooo begeistert. Sie hatten den Film mal im Fernsehen gesehen und haben daraufhin bei ihrem Schwedenurlaub versucht, das Häuschen und den Mann zu finden. Sie haben dann zusammen Tee getrunken :)

  10. @Frau DingDong
    Echt? Tolle Freunde habt ihr! Hätte nicht gedacht, dass man da Fanbesuche machen kann, aber wenn man bedenkt, dass der Film schon 16 Jahre alt ist, wird man den Herrn da wohl heute nicht mehr finden.

    Aber ich finde das ist ein Jahresendfilm, den sollte man sich im Herbst- oder Winteranschauen, also Weihnachten würde passen.

  11. Minimalismus im Film mal durch die technische Brille gesehen:

    – „Die 12 Geschworenen“ (S. Lumet)
    – „Der Totmacher“ (R. Karmakar)

    Spielen zu fast 100% in nur einem Raum.

    – „Songs from the second floor“ (R. Andersson)

    Keine Kamerabewegungen, vielleicht doch minimalst, habe ihn schon länger nicht gesehen…

    Und ganz besonders:
    – „13 Lakes“ (J.Benning)

    13 Seen, 13 Einstellungen, 133 Minuten; hier mehr: http://home.snafu.de/fsk-kino/archiv/13%20lakes.htm

  12. Hui, hier ist ja schon gut was los. K-Pax ist ein toller Film, danke fürs Erinnern :-)

    Ich denke gerade, das „Ghost Dog“ eventuell auch als minimalistisch angesehen werden könnte. Ein sehr guter Forest Whitaker als Profikiller, der versucht, den Ehrenkodex eines Samurai zu leben. Einerseits lebt er selbst ein aufs Wesentlichste reduziertes Leben, andererseits ist der Film ruhig und langsam – also dramaturgisch recht minimalistisch – erzählt.

  13. Worauf ich mich dieses Jahr schon sehr freue ist die Buchverfilmung von Marlen Haushofers „Die Wand“ mit Martina Gedeck! Im Herbst gehts los :) Wenn das mal nicht ein Film zum Thema Minimalismus ist ;P

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*