Minimalismus – eine Krankheit?

Blogleserin Christine hat einen interessanten Artikel gefunden, der mich nachdenklich gemacht hat. Ich wusste noch nicht, dass es sowas gibt, aber es hat schon einen Namen: Obsessive-Compulsive-Spartanism.
Es geht um das zwanghafte Ausmisten und Nicht-Behalten-Wollens und ist somit das Gegenteil zum „Hoarding“.
Je weniger desto besser. OCS gehört anscheinend als Untergruppe (?) zu den ZwangsstörungenOCD – genauso wie das Horten von Dingen.

Ich frage mich: Wo hört Minimalismus auf und wo fängt OCS an? Wie unterscheidet man das genau? Hängt das mit der Dauer und/oder der Art des Ausmistens zusammen? Oder ist das Blödsinn und man solle doch froh sein, nicht in altem Krempel zu ersticken?! Kennst du jemanden, der sowas haben könnte? Was hältst du davon?

Und: Kann es sein, dass Minimalismus nach all den Jahren, jetzt wo er so in Fahrt gekommen ist, seine Portion Negativität abkriegt?
Wie immer geht es um das richtige Maß. Oder?

Mehr Infos:
Aus der Sicht eines Betroffenen
Interessanter Artikel, wie das evtl. mit dem Messie zusammenhängt
Allgemeine Infos und eine eher positive Sicht auf OCS

8 Gedanken zu “Minimalismus – eine Krankheit?

  1. Es muss doch alles immer zu einer Krankheit gemacht werden. Laut der neusten Einschätzung des ICDs oder DSM, weiß nicht mehr welches, ist man doch auch, wenn man länger als zwei Wochen trauert, schon depressiv…

    Wer Sachen hortet und glücklich ist, darf das von mir aus gerne machen. Solange er keinen Leidensdruck hat ist doch alles gut. Wer ausmistet und das gerne tut, keinen Leidensdruck hast, ist doch auch nicht automatisch krank… Und die meisten von uns distanzieren sich doch von diesem Ansprich nur max. 100 Dinge zu besitzen…
    Mir geht es gut mit Minimalismus, das ist doch die Hauptsache :o)
    LG Nanne

  2. Hallo Cloudy,

    ja, es geht auch hier um das richtige Maß. Und natürlich auch persönliche Präferenzen. Jeder von uns hat seine eigenen Bedürfnisse, für die wir selbst verantwortlich sind. Natürlich freue ich mich, wenn meine Mitmenschen anfangen, zu reduzieren. Es geht mich aber nichts an. Und ich selbst mag mir nicht erlauben, darüber zu urteilen, was denn nun „normal“ sei und was nicht.

    Lieber Gruß,
    Philipp

  3. Ich glaube, „Krank“ wird in dem Fall hier so gewertet, dass der Betroffene auch wirklich nützliche Sachen wegschmeißt, wie zum Beispiel seinen letzten Teller usw. Er Könnt ja auch auf dem Boden essen ;)
    Oder wenn er fast schon zwanghaft einfach nichts behalten kann, also fast schon in Panik daran denkt, wie er das Teil jetzt loswird. Denn wenn man nur fieberhaft und in Panik überlegt, wie man möglichst schnell mnöglichst viel loswerden kann, dann IST das eher zwanghaft und macht doch auch keinen Spaß mehr.

  4. Interessant, von OCS habe ich noch nie etwas gehört. Dabei ist es im Grunde ja nur das konsequente Gegenstück zum „Messi“.
    Aber wir reden ja hier von Extremen, die man nicht grundlos „Zwangsstörungen“ nennt. Sie sind fern von bewussten, rationalen Entscheidungen. Vielleicht hat jeder eine andere Definition von „Minimalismus“, aber für mich bedeutet es der ausschließliche Besitz von Dingen, die mich glücklich machen. Das sind für den einen mehr, für den anderen weniger Dinge. Ich glaube, die wenigsten machen das ernsthaft von einer konkreten Zahl abhängig. Und solange jemand diesen Lebensweg für sich frei gewählt hat, sehe ich da nichts negatives drin. :-)

  5. Wenn Kaufsüchtige mich als krank bezeichnen und mich sorgenvoll anschauen, dann bin ich gerne krank^^. Es geht mir gut damit^^. Kommt eben immer drauf an, aus welcher Perspektive man es sieht. Es ist nun mal so, dass schon immer das als normal galt, was die Masse macht- ungeachtet der Folgen. Normal ist also nur relative Größe. Oder um es mit den Worten zweier Bhuddistischer Lehrer zu sagen, das eine Zitat kommt von Rinpoche, er schreibt darüber im Buch vom Leben und vom Sterben: Die Industrie reicht Durstigen ein Glas Salzwasser. Das andere Zitat lautet: Wir leben in einer kollektiven Geisteskrankheit und weil alle geisteskrank sind, fühlen wir uns pudelwohl dabei, weil wir glauben, unsere geistige Umnachtung sei normal.

    Ich finde es ganz interessant, Menschen beim konsumieren zu zu schauen. Sie wirken auf mich tatsächlich ein wenig, wie in Trance und man erkennt, dass es um die Sache selbst nur sekundär geht. BeiDm kaufte ich letztes mein Natron und Haushaltszeug und guckte verdattert in den Einkaufskornb meiner Vorgängerin: Nacht und Tages-Cremes, Plantur Shampoo und irgendein Wasser gegen Haarausfall, was mich verwunderte, weil sie noch alle Haare auf dem Kopf hatte, jedenfalls Unsummen an Zeug. Sie sah meinen Blick, dachte wohl ich schaue so drein, weil ich keine Lust habe wegen ihren Einkäufen zu warten und wollte mich vorlassen^^ Leider hat man wohl „gesehen“, was ich dachte^^

    Ich hänge mein Herz nicht an Gegenstände. Sie haben einen Nutzwert, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe auch kein Smartphone und ich brauche es auch nicht. Es bereichert mein Leben nicht. Ich habe ein stinknormales Handy, das reicht. Gegenstände repräsentieren mich nicht, machen mich nicht cooler, drücken mich nicht aus oder was auch immer. Es sind Gegenstände. Wenn sie ausgedient haben, schmeiße ich sie ohne Probleme weg. Ich mache mir durchaus Gedanken über meine Bewusstheit, aber ganz sicher nicht, weil ich Dinge wegschmeiße. Im Gegenteil

    1. Hi Jen,
      Das find ich gerade so interessant: Sein Herz nicht an Gegenstände hängen, sie also entspannt loslassen können – oder eben zwanghaft. Wo verläuft da die Grenze? Nicht jeder Gegenstand hat in jeder Minute einen Nutzwert.

      Ist wohl müßig darüber zu diskutieren, weil ich mich auch nicht wirklich mit Zwangserkrankungen auskenne, aber spannend finde ich es schon :)

  6. Psychiater: „Diagnose: ‚konsumkritisch'“
    Patient: „ok dann würde ich mir gern noch eine zweite meinung von dr. erich fromm einholen…“

    wer hat ein interesse daran, dass „minimalismus“ als krankheit eingeordnet wird? in den letzten jahren wurden bereits formen von wut als psychische störung eingestuft. genauso wie „orthorexia nervosa“ als krankheit des „zwanghaft gesund ernähren wollens“ definiert wurde.
    gehts hier um eine neupositionierung von shifting baselines, um im aktuellen gesellschaftsbild konsumkritsche einstellungen (wie ich sie minimalisten und vegetariern/veganern teilweise unterstelle) sowie gegenerschaft, wie sie sog. „wutbürger“ ausleben, als krankheiten abzutun? gesellschaftskritischen und relevanten themen unserer zeit könnte so die ernsthaftigkeit abgesprochen werden.

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