Minimalismus – und die anderen

Wenn ich mir die vielen Minimalismus-Blogs so ansehe, bin ich gleichzeitig inspiriert und irgendwie frustriert. Es ist sehr leicht unabhängig, weltweit und mit nur einer Tasche zu leben, wenn man Single ist. Aber was ist, wenn man sich für Minimalismus interessiert und sein Leben einfach leben will, aber da noch ein Partner oder eine ganze Familie ist? (Ich frage mich, was passiert, wenn diese Single-location-independent-Leute mal seßhaft werden ;D) Der eine will was wegwerfen, der andere kann und will sich einfach nicht davon trennen!? Leo Babauta und Joshua Becker sind beide Familienväter und Minimalisten. Und ich frage mich: Wie klappt das?!

Vor 4 Jahren habe ich angefangen mein Leben regelmäßig zu entrümpeln, da flogen quartalsweise Klamotten, Bücher, CDs, DVDs, alte Dateien und Unterlagen raus, dämliche Gewohnheiten habe ich abgelegt, mir was neues (hoffentlich sinnvolles) antrainiert – während sich bei Herrn DingDong überhaupt nichts tat. Das war schlimm für mich. Denn Herr DingDong hatte vor Jahren einen 80 qm großen Keller angemietet, um seine Sachen und die Hinterlassenschaften seiner Verwandten aufzubewahren; Zeug, das er „irgendwann mal verkaufen will“. Im Sommer 2008 hat er es dann geschafft diesen Keller aufzulösen und das übriggebliebene Zeug (fein säuberlich verpackt in genormte Kartons) steht nun in einem 11 qm-Zimmer in unserer Wohnung.
Ich bin gleichzeitig stolz und immer noch frustriert, denn dort steht es noch immer. Seit ich mich intensiver mit Minimalismus beschäftige, wird es für mich immer schwerer diese (visuelle) Unordnung zu ertragen, aber wie kriegt man es hin, seinen Partner mit an Bord zu holen?

Ich will Herrn DingDong nicht umerziehen (weil das 1. gar nicht geht und ich ihn 2. so liebe, wie er ist), aber manchmal wünsche ich mir schon ein Talent für Gedankenübertragung, damit das endlich mal weiter läuft. Immerhin könnte man ein ganzes Zimmer zurückgewinnen!!!

So habe ich noch vor ein paar Wochen gedacht.

Und dann, eines Morgens, fragt er mich plötzlich, wie ich mein selbstgemachtes Deo auftrage, weil er es auch probieren will. (An dieser Stelle sollten eigentlich zwölftrilliarden Ausrufezeichen stehen.) Ich zeigte es ihm und war aufgeregt, gespannt, verwundert. Später, am Nachmittag wollte er Kabel verlegen und im Zuge dessen hat er 3 Kartons aus erwähnten Zimmer ausgemistet und mir erklärt, dass er es nicht perfekt machen will, sondern nur „gut genug“ (denn sonst hätte er gar nicht erst damit angefangen).
Seitdem sprüht er vor Energie, experimentiert weiterhin und macht kleine Schritte hin zum „einfacher“. Das ich vor Glück und Stolz auf ihn platzen könnte, kannst du dir vermutlich denken.

Was habe ich gemacht? Eigentlich gar nichts.
Ich habe „mein Ding durchgezogen“ und Herrn DingDong daran teilhaben lassen:
Ich entsorge regelmäßig Überflüssiges, deshalb hat er quasi eine Dauereinladung dabei mitzumachen. Dadurch wird vielleicht die Hemmschwelle geringer, endlich diese „Rumpelkammer“ anzupacken. Desweiteren habe ich einfach meine Experimente durchgezogen und ihm von Problemen und Erfolgen erzählt und mir seine klugen Tipps angehört. Ich bat ihn um Rat, wenn etwas kaputt war und ich es reparieren wollte (und nicht wusste wie :D). Wir gucken gemeinsam Dokumentation zu Themen wie Umweltschutz, Ernährung, Wirtschaft/Industrie usw. und ich erzähle ihm von Büchern zum Thema Minimalismus. Und ich habe ihn gelobt, wenn er sich schlauere Lösungen für den Haushaltsalltag ausgedacht hat oder etwas entsorgt hat, auch wenn es nur ein Ding war. Ich sage auch „danke“, wenn er auch nur eine Kleinigkeit ändert, denn ich glaube an die Macht der kleinen Schritte.

Daraus lassen folgende Punkte ableiten:

  1. Man braucht Geduld. Viiiiiiel Geduld. Wenn du ein geduldiger Mensch bist: Herzlichen Glückwunsch. Wenn nicht: lerne! :D
  2. Loben, loben loben. Jedes bisschen Veränderung ist doch super!!
  3. Dankbar sein, dass sich was tut. (Nicht nur in diesem Fall, sondern generell. Macht sehr vieles einfacher und ist ein echter Glücks-bringer)
  4. Darüber sprechen, womit man sich gerade beschäftigt. Leider musste der arme Herr DingDong auch meine sarkastischen Kommentare zu Herrn Bogue ertragen, das tut mir jetzt noch leid :D
  5. Bücher lesen, empfehlen, Filme gucken. Darüber reden.
  6. Immer mit Rat und Tat zur Seite stehen und klein anfangen. Gerade Leute, die noch nie „so richtig“ entrümpelt haben, werden schnell sentimental und bleiben dann auf halber Strecke hängen, weil sie sich vielleicht fürchten, sich mit den damaligen Gefühlen auseinander zu setzen.
  7. Drängen bringt gar nichts. Der Antrieb muss aus der Person selbst kommen.
  8. Fragen stellen. Wie sieht der Partner eigentlich das Thema Einfachheit? Seine Definition könnte sich komplett von deiner unterscheiden.
  9. Optional: Vor Stolz platzen. Wenn ich mir so vor Augen halte, wie Herr DingDong seinen Keller entrümpelt hat und mit welcher Ausdauer er seine Projekte durchzieht, wow. Ich bin schwer beeindruckt!

Ich glaube weiterhin, dass das materielle Entrümpeln (also überflüssige Äußerlichkeiten) der erste Schritt beim Thema Minimalismus ist. Wenn das erledigt ist, wird man auch innerlich klarer und kann dann ans „Eingemachte“ :D

Das ist natürlich alles nur meine persönliche Erfahrung, es gibt da wohl auch kein Patentrezept (wenn doch, her damit!;D)
Aber erzähl: Wie ist das bei dir und deinem Partner/deiner Familie/deinen Freunden? Wer ist Sammler? Wer entrümpelt gern? Kriegt ihr das gut hin? Auf Tipps und Tricks/Meinungen und Kommentare bin ich schon ganz gespannt!

12 Gedanken zu “Minimalismus – und die anderen

  1. Schöner Beitrag!

    Also ich glaube man sollte tunlichst davon absehen, seinen Partner erziehen zu wollen. Das kann nur im Streit enden. Der einzige Weg der funktionieren kann ist der, dass man einfach selbst soviel für sich umsetzt, wie irgend möglich. Also einfach sein Ding machen und vorleben. Wenn man Glück hat, dann strahlt das langfristig aus und steckt den anderen an. Ansonsten halt Grenzen setzen, dass nicht noch der eigene Bereich zugerümpelt wird.

    Das mit dem Entrümpeln ist wirklich nicht so einfach wie man meint. Mein größtes Problem sind die Bücher. Ich würde gerne ein Stadium erreichen, indem ich lediglich die Bücher um mich habe, die ich wirklich brauche, oder die ich definitiv im kommenden halben Jahr lesen will. Ich möchte Bücher eigentlich nicht mehr aus sentimentalen Gründen behalten. Mein Vater hingegen tickt da ganz anders. Der ist leidenschaftlicher Büchersammler. Wir haben tausende Bücher Zuhause, welche die Wände tapezieren. Nun müsste das ja nicht direkt mein Problem sein. Ich studiere und habe meinen eigenen Haushalt. Aber die meisten meiner Bücher habe ich von meinem Vater bekommen, weil ich sie ja mal gebrauchen könnte. Weihnachten, Geburtstag… immer wieder neue Bücher. Das ist auch kein Schund. Es ist überwiegend klassische oder ernsthafte Literatur, die man wirklich noch einmal gebrauchen kann. Irgendwann, irgendwie, irgendwo…

    Leider steht das absolut meinem Vorhaben größtmöglicher Flexibilität und Konzentration im Wege und ich weiß nicht, wie ich das zusammenbringen soll. Mein Vater hat mir nun angeboten einen Großteil meiner Bücher abzuholen, da ich angekündigt hatte diese weggeben zu wollen, was er für keine gute Idee hält. Jetzt muss ich mal abwarten wie lange es wohl dauert, bis er diese abholt. Schnelle Lösung also erst mal nicht in Sicht. Geduld ist die Tugend des Minimalisten…

    Ich persönlich sehe das als Experiment. Ich will zumindest einmal ausprobieren, wie es ist mit extrem wenig zu leben. Sachen dazukaufen kann man dann immer noch, wenn man merkt es geht nicht. Aber ich glaube schon, dass das sehr befreiend wirken kann. Teilweise merke ich das schon jetzt. Ich habe bspw. leidenschaftlich Computer gespielt und konnte mir nur schwer vorstellen mich davon zu trennen. Vor etwa drei Wochen habe ich es einfach gemacht. Meine komplette Festplatte von sämtlichen Spielen befreit. Ich lebe jetzt seit drei Wochen ohne und es geht ganz gut. Positive Nebeneffekte: Ich verbringe weniger Zeit in einschlägigen Internetforen, ich habe mehr Platz auf meiner Festplatte, mein Computer läuft wieder schneller, ich spare Geld, weil ich keine neuen Spiele kaufen muss, ich muss mir keine Gedanken machen, wann ich mir den nächsten neuen PC leisten kann, damit dieser mit den Spielanforderungen noch mithalten kann… usw. usf. Einen Rechner zum Schreiben und fürs Internet kriegt man schon für wenig Geld.

    Man spart also in vielerlei Hinsicht Zeit und Geld, was man am Ende dann sinnvoller ausgeben kann.

    Ich persönlich verstehe übrigens nicht ganz, warum man als Minimalist immer örtlich ungebunden sein soll. Immer durch die Welt fliegen ist für mich nicht notwendigerweise minimalistisch. Ich finde überhaupt, dass viele Minimalismus viel zu eng interpretieren. Für mich ist es zunächst einmal eine gewisse Klarheit und Freiheit die man durch ein gewisses Maß an Konsumverzicht erlangen kann. Im Mittelpunkt steht für mich der Zeitgewinn. Ich muss weder die Welt retten, noch das kapitalistische System überwinden. Wenn ich gerne einen Apple oder eine Diesel-Jeans haben möchte, dann ist es ok sich diese zu kaufen. Ein Fragezeichen würde ich hingegen setzen, wenn mir jemand mit einer Schuh-Flatrate kommt. Neulich ernsthaft gehört, dass es so etwas gibt. Wozu braucht man jeden Monat neue Schuhe? Das ist aus meiner Sicht Blödsinn.

    Mein Auswahlkriterium ist da eher, dass ein Gegenstand praktisch sein muss. Ich muss ihn benutzen können und diese Benutzung muss einen wirklichen Wert für mich haben und darf nicht ersetzbar durch irgendetwas anderes sein. Dann weiß ich, dass ich das Ding brauche.

    Aber was um Himmelswillen hast du nur gegen Bogue? :D So schlimm finde ich den bisher gar nicht. Wenngleich ich sicher keine 25 $ für seinen Letter bezahlen werde. Aber was hat er sonst verbrochen? :)

    Im Großen und Ganzen bin ich aber wohl einer Meinung mit dir.

    1. Hui, danke für deinen Kommentar! Ich glaube auch, dass das grundsätzlich wirkt, wenn man glücklich ist und das dann auch ausstrahlt. Ich merke in Gesprächen, dass es wirklich seeeeehr viele Leute gibt, die sich für das Thema „Einfachheit“ interessieren.

      Sehr cool, dass du das mit den Computerspielen durchgezogen hast. Nach 3 Wochen ist das ja schon eine neue Gewohnheit! Glückwunsch!
      Dass man als Minimalist nicht ewig in der Welt herumjetten muss, ist für mich auch klar, aber anfangs wurde das gerade von den amerikanischen Minimalismus-Blogs unendlich gehypt. U.a. auch von Herrn B. Ich finde ihn irgendwie unsympatisch. Sein Schreibstil ist entweder total nichtssagend, er wiederholt sich soooo oft, das klaut mir Zeit und er ist leider auch – finde ich – ziemlich unhöflich. Einige mögen ja diesen offensiven Schreibstil, weil sie ihn als „Tritt in den Hintern“ interpretieren, aber wenn man dann mal genauer nachforscht, ist er eigentlich auch nur immer dabei sich selbst zu rechtfertigen. Diese permanente Ego-Tour finde ich ULTRA anstrengend. Und das, obwohl er Yogalehrer ist…pff…
      (du wirst auf deutschsprachigen Minimalismus-Blogs zu jedem Thema wo EB vorkommt hässliche Kommentare von mir vorfinden :D :D)

      Zu deinem Buchproblem: Ich habe – für einen Viel-und-Gernleser nur ein Regal mit Büchern. Ich betrachte die Bücherei als mein ausgelagertes Medienzentrum. Besitzt dein Vater einen Bibliotheksausweis? Wenn nicht, könntest du ihm einen schenken. Dann lernt er auch damit umzugehen, dass er permanent Zugriff auf Bücher hat und muss diese nicht sofort „sammeln“ . Auch könntest du beherzt Bücher weggeben und dir selbst einen Bibliotheksausweis holen (den du vermutlich als Student eh schon hast), wenn dir dein Vater Bücher geben will, sagst du einfach „ne, brauch ich nicht, hab ich ja in der Bibliothek. Für Buchliebhaber könntest du als Argument noch anführen, dass die Bücher dort bessere Aufbewahrungsbedingungen haben (bestimmte Lichttemperatur, Luftfeuchte etc.) und so besser geschützt sind ;D
      Falls du meine Artikel zum Thema Ausleihen noch nicht kennen solltest, klick mal hier! Vielleicht helfen sie dir ja weiter?

      http://www.schwingelschwingeldingdong.com/2011/03/bibliotheken-und-minimalismus-teil-1/
      http://www.schwingelschwingeldingdong.com/2011/03/bibliotheken-und-minimalismus-teil-2/
      http://www.schwingelschwingeldingdong.com/2011/03/bibliotheken-und-minimalismus-teil-3/

  2. Ein super Artikel! Kann ich nur unterstreichen: Wenn etwas gut, praktisch und glücksbringend ist, setzt es sich durch, ganz ohne Druck. Mit dem „loben, loben, loben“ stoße ich bei meiner Freundin allerdings regelmäßig auf Misstrauen: „Ich mach das hier nicht für dich, verstehste! Das ist ganz und gar mein Ding!“ Na klar, ich sag ja nur…

  3. Ich habe mit Freude und viel Schmunzeln deinen Beitrag sowie die Kommentare von Jochen und Gilbert gelesen. Einfach nur TOP! Und ich muss gestehen, ich bin fast „erleichtert“, dass es euch so ähnlich geht wie mir :) Jochen schreibt über die Buch-Sammelleidenschaft seines Vaters. Ich kann das wunderbar nachvollziehen. Auch meine Eltern haben wohl eine grundsätzlich andere Einstellung zum Thema „Besitz“, „Sammeln“ und „sentimentale Werte“ als ich. Schon oft habe ich Sätze wie „Du wirst es eines Tages bereuen!“ oder aber „Man wirft doch nicht einfach seine Vergangenheit weg!“ gehört und bin dabei mit meinen Aktionen auf Unverständnis gestoßen.

    Für viele scheint es zunächst einmal absolut unklar, weshalb man sich von den Dingen, die man doch besitzt, trennen möchte (ganz natürlich eigentlich, wenn man die Gesellschaft und das Zeitalter betrachtet, in der/dem wir aufwachsen). Schade ist es allerdings, wenn man kommentarlos damit stehen gelassen wird. Ich bin davon überzeugt, dass – wenn man darüber spricht und die Gelegenheit erhält, seine Beweggründe zu erklären – es für viele gar nicht mehr so „unheimlich“ und „unverständlich“ wirkt wie zu Beginn. Das ist für mich vergleichbar mit der Entscheidung, von heute auf morgen Vegetarier zu sein (für alle die „Everything is Illuminated“ nicht kennen – ein toller Film mit einer fantastischen Vegetarier-Szene: „HE DOESN’T EAT MEAT? WHAT’S WRONG WITH HIM???“ :))

    Ich habe auch viele positive Reaktionen erlebt. Meine Mitbewohnerin wirft mir zwar des öfteren auch kritische Kommentare zu, wenn ich mal wieder am Aussortieren bin, doch sie setzt sich mit dem Thema auseinander und – man glaubt es kaum – auch sie und andere in meinem und ihrem Umfeld haben langsam angefangen, das ein oder andere wegzuwerfen, zu verschenken oder zu verkaufen.

    „Braucht man ja eigentlich nicht!“, höre ich immer wieder, immer öfter. Amüsant finde ich dann meist, wenn dafür etwas anderes angeschafft wird. Aber ich freue mich, wenn ich das Gefühl habe, etwas in den Menschen bewegen zu können – auch wenn es zunächst einmal nur Kleinigkeiten sind.

    An Herr DingDong: Tolle Sache und Kompliment an deine Diskussionsbereitschaft zu diesem Thema sowie an deine Offenheit!!

    Cheerio, Cora

  4. Hallo ;)
    Ach ich les so gern bei Dir! Mir gefällt das Design und dass Du recht locker und entspannt rüber kommst und nicht sooo fanatisch mit *hauptsache weniger* !

    Das beste nun gefiel mir: nicht perfekt-nur gut genug. Knutsch Deinen Helden doch mal bitte für mich ab! So eine tolle Einstellung ^^.
    Ich wohne alleine und meine wirklich engsten Freunde hatten auch vor mir schon die minimalistische Einstellung in der Art: was ist mir wichtig. Das sind ähnliche Dinge wie bei mir auch: kein TV und das Geld lieber in Erlebnisse stecken als die neuesten Klamotten. Der Inhalt zählt und nicht der Schein.

    Mein Vater machte mir aber ne Zeit Sorgen: Er tendiert zum Messi. (Nachkriegsgeneration und kann nix wegwerfen). Inzwischen seh ich das leichter: es ist ja sein Haus. Und meine Einstellung hat sich verfestigt und wenn er mich wieder vollpacken will, kann ich ganz klar NEIN sagen.
    Und ich zieh ihn ein wenig auf, wenn er wieder mal alles aufsammeln muss, was ja noch zu gebrauchen ist: aha und das steht jetzt bei Dir um oda?
    Er lacht dann auch, spürt das er sich eigentlich mit viel zu viel Krempel umgibt, kann es aber noch nicht ändern.
    Und manchmal, manchmal hat er sogar Entrümpelungsattacken *grins*. Letztens zu mir: du, ich hab x und y jetzt in den Karton gepackt und meinem Bruder geschickt, der kann das verkaufen, der braucht das Geld.

    Und war sichtlich erleichtert, dass der Schrank wieder leer war.
    Bis zum nächsten mal: ach das sieht ja noch gut aus, das war im Sonderangebot..ect…
    Jeder braucht seine Macke ^^.

    Herzlichste Grüße!

    1. Oh, vielen lieben Dank für deinen Kommentar Angelika!
      Herr DingDong war etwas irritiert als ich ihn abknutschte, aber viele Grüße zurück!

      Hm, das mit deinem Vater kann ich verstehen. Habe schon oft gelesen, dass die Nachrkriegsgeneration nur schwer mit dem Thema Entrümpeln klar kommt. Diese Menschen müssten sich eigentlich nur klar machen, dass sich heute – dank des Internets – alles wieder findet, auch wenn man es weg geben hat. Dann könnte man seinen Besitz doch etwas lockerer sehen. Heutzutage hat man beim Entrümpeln ja immer eine „ebay-Rückversicherung“ ;D weil es dort ja eigentlich alles gibt.
      Aber auch in diesem Fall zählen die kleinen Schritte. Und die macht er ja! :)

  5. *lach*
    anscheinend is es der Herr nicht gewohnt, abgeknutscht zu werden :)

    Ich denk bei den „Nachkriegern“ steckt das sehr tief, da kommt man mit dem Kopf und Verstand nicht wirklich weiter.
    Und ich find es einfach schade, dass mein Vater 2 Zimmer mit Gerümpel voll hat und somit unbenutzbar sind.
    Aber: es ist seins und ich hab genug Zeug um das ich mich wirklich sorgen müsste.
    Oder doch nicht?
    Ne, genau: heute keine Sorgen! So :)

    Alles Liebe

  6. Ich und die Minimalisten…

    Super Artikel, interessante Beiträge.
    Meine Grossmutter war ein Chaot, mit vielen Dingen und Unordnung
    (mit 4 Kindern und 3-Schichten-Arbeit & Haushalt schlichtweg überfordert). Dies führte wohl dazu das meine Mutter wiederum eher minimalistisch lebt. Sie hat wirklich nur Dinge die sie braucht und ist sehr sehr ordentlich, dann kam ich der absolute-Voll-Chaot, Ordnung und Minimalismus waren nun lange Zeit Hyroglyphen und Fremdwörter für mich. Nun habe ich ein Kind, welches mir hilft das zu ändern. Schliesslich will man einem Krabbelkind ja nicht den Weg verbauen mit Krempel.

    Am meisten hat mir geholfen, dass niemand mich genötigt und gedrängt hat mich von all meinem (auch seelischen) Ballast zu trennen. Meine Freunde sowie Familie haben nie etwas über mein Chaotentum gesagt, mir sogar oft geholfen wenn ich bereit war mich von Dingen zu lösen.
    Von (materiellem) Minimalismus bin ich weit entfernt, allein wenn ich die Dinge zähle die im Regalen in dem Zimmer stehen in dem ich mich aufhalte komme ich auf hundert ;-)

    Nun merke ich (je mehr ich ablege) wie all diese Gegenstände und Dinge die man „aufhebt“ einen seelisch belasten. Viele denen es wie mir geht schweigen darüber, wie es wirklich ist, oder werden auch belächelt:
    „der Chaot, schau dir das doch mal an wie der sich zumüllt“ aber ich muss sagen am hilfreichsten im Leben mit anderen, hat mir wirklich geholfen dass mich niemand gedrängt hat, wohl aber Tips gegeben hat wie man es leichter machen kann. Auch so Anstösse wie „Du ich fahr am Freitag zum Sachen entsorgen, gibt Bescheid wenn Du was zum entsorgen hast…“ finde ich sehr hilfreich. Und auch das Lob wenn es reduzierter und ordentlicher in meinem Wohnbereich wurde. Ich glaube wirklich am hilfreichsten ist es wenn die anderen einem vorleben wie es leichter geht, man kann sich vieles abschauen und voneinander lernen.
    Deswegen sind wir ja hier.

    Es macht Freude all diese Artikel zu lesen.
    Nun loslassen von Dingen beginnt im Innen, seit ich inneres loslassen kann, Sorgen, Ängste ect. klappt das im Aussen spielerisch leicht.
    Ebenso wenn mir im Innen alles zuviel wird, Grübelein, Sorgen ect. beginne ich nun aufzuräumen & auszumisten, da ich mich dann wiederum im Aussen auf das ordnen & loslassen konzentriere, ordne ich mich auch im Inneren.

    Die kleinen Schritte, sind oft die größten ;-)
    Ahoi Brause und eine bunte Woche
    J

  7. Gute Beschreibung/Auflistung!

    E ist absolut richtig Menschen nicht zu drängeln zum Ausmisten und jeder selbst soweit sein muss.

    Unterstützen wenn gewünscht und vorleben/entspannt drüber reden empfinde ich als den richtigen Weg.

    Es funktioniert tatsächlich wenn du anderen vorlebst wie du dich von Dingen trennst und irgendwann kommen dann meistens die ersten Fragen vom Gegenüber warum, wieso, weshalb und später was fühlst du denn dabei usw.

    Vielen Menschen die mich zu meiner extremen Ausmistzeit besuchten fiel natürlich auf wie sich meine Umgebung (und ich mich auch) veränderte und stellten diesbezüglich Fragen und oftmals entwickelte sich ein Gespräch daraus.

    Auf kurz oder lang wirkte das desöfteren ansteckend und ich war bereit wenn gewünscht dabei zu helfen (gegenseitige Freundschaftsdienste).

    Es waren eigentlich meistens erstmal kleine Schritte die Stück für Stück größer wurden, aber genauso kannte ich das ja von mir selbst (es ist ja auch ein emotionaler Prozess der seine Zeit brauchen kann).

    Das mit dem Lob ist wirklich wichtig und richtig ;-), ich hab´mich auch immer gefreut über jedes Kompliment (auch wenn ich es natürlich ohne Lob trotzdem für mich gemacht hätte – aber mit war´s schöner) .

    Inzwischen bin ich ein leidenschaftlicher Ausmister und mein Partner gottseidank kein Sammler mehr ;-), selbst wenn unsere Definition von Einfachheit nicht die gleiche ist – aber sie nähert sich an und es klappt immer besser ;-).

    So richtige Tipps und Tricks kann ich eigentlich nicht benennen, was mir im Vorfeld sehr geholfen hat war viel drüber lesen, sich austauschen, sich entsprechend Gedanken machen über meine Hintergründe und letztendlich das ich wahrscheinlich einfach soweit war und es mir deswegen auch sehr wichtig wurde (das Ergebniss war ja dann auch die beste Belohnung/Antrieb).

    Es gibt ja im Internet etliche Tipps von 3 Kisten Systemen über ein neuer Gegenstand ein alter fliegt raus…
    Allerdings muss ich sagen das ich einfach irgendwann soweit war einen Radikalschlag zu setzen und einfach intuitiv mich von vielen Dingen trennen konnte – alles andere hätte mir zulange gedauert/mir nicht mehr gereicht.

    Manches habe ich dabei noch übersehen, das wird heute Stück für Stück entsorgt – erinnert mich irgendwie an eine Zwiebel und ihre einzelnen Schichten…

    Jeder der zu diesem oder einem späteren Zeitpunkt in meinem Freundeskreis mit ausmisten anfing berichtete über das tolle Gefühl Ballast abzuwerfen, mehr Platz und Übersicht zu haben und sich freier zu fühlen.
    Auch die emotionale Seite war für die meisten interessant und aufschlußreich.

    Lg, Angi

  8. Ich seh schon, hier sind hauptsaechlich nur „Fortgeschrittene“ unterwegs. Ich habe mit dem Ausmisten gerade mal vorgestern begonnen *raeusper
    Ich bin ein totaler Konsum-junkie, Dinge kaufen macht mich gluecklich. Trotzdem habe ich die letzten Monate bemerkt, dass ich irgendwie uebersaettigt bin und nach mehr Klarheit in meinem Leben verlange. Unsere Wohnung (bessere Haelfte und meine) ist voll mit Kram, den wir nicht brauchen. Also nicht mehr, als sich ueber die Jahre halt so ansammelt.

    Und klar, jetzt hab ich halt angefangen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und auch schon mal etwas auszumisten (nur meinen Stuff) aber ich frage mich schon, wie es dann weitergeht mit uns, wenn er (wie ich vermute) nicht dasselbe Interesse entwickelt. So bin ich auch auf diesen Artikel gestossen. Dein Fall ist ja die Traumvorstellung. Ganz ohne Druck oder Ueberzeugungsarbeit, echt super!!

    Ich weiss auch immer noch nicht, wie ich meinen Hang nach dem Kauf schöner Sachen mit meinem Verlangen nach weniger Besitz vereinbaren soll… Und was mach ich mit all den Geschenken? Sind die Schenker nachher nicht beleidigt, wenn ich deren Geschenke entsorge? Bücher? Oje, next! Aber ich denke, das ist ja alles ein Prozess und ich lerne auf dem Weg und werde schon den richtigen fuer mich finden :)

    Werd jetzt mal weiter auf Deinem blog stoebern.

    1. Liebe Sarah,
      ALLE „Minimalisten“ die du über Blogs kennenlernen wirst, haben genauso angefangen wie du. :)
      Also viel Erfolg beim Entrümpeln, der Rest kommt von selbst. Und wenn du Fragen hast, melde dich einfach :)

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