Minimalismus und Hobbies, Teil 1

Vor diesem Thema fürchte ich mich. Erst als Karo Kafka darüber geschrieben hat, fasste ich neuen Mut.
Denn das Problem daran ist zweierlei: Minimalistische Hobbies oder eben Hobbies und Minimalismus.
Und bisher ist die Informationslage zu beiden Aspekten extrem dünn. (Zumindest glaube ich das, schick nen Link!)

Es scheint fast so, als hätten amerikanische 100-Dinge-Minimalismusblogger überhaupt keine Hobbies.
Also kann man sich da auch keine Inspiration holen.

Minimalistische Hobbies sind toll. Laufen. Radfahren. Schwimmen. Lesen. Schreiben. – Super. Kaum Aufwand. Kaum Zeug.

Aber was ist, wenn man Hobbies und Interessen hat, die etwas mit Zeug, ähemsehr viel Zeug, zu tun haben?
Ich denke spontan an Golf, Angeln, Hockey, Bogenschießen, Reiten, Malen, Basteln usw.
Wie mistet man Hobbies aus?

Da hilft nur eines: Prüfe dein Gewissen.
Wenn man zunächst eine Bestandsaufnahme des jeweiligen Hobbies macht, wird schon einiges klarer.

Motivation?
Warum hast du damit angefangen?
Was hat dich motiviert? Warum machst du es immer noch?
Macht es dir überhaupt Spaß? Was wäre, wenn du es nicht mehr tun könntest? Würde dich das traurig machen? Oder wärst du froh?

Stümper oder Profi?
Wie gut bist du in deinem Hobby? Ist das ausbaufähig? Wenn ja, was hält dich zurück? Oder reicht dir das Stümpern?

Finanzen?
Wie viel Geld gibts du pro Monat dafür aus? Bedenke auch die Kosten, die damit in zweiter Linie verbunden sind: Fahrtkosten, Verpflegung, neue Gadgets usw.

Zeit?
Wie viel Zeit brauchst/nutzt du dafür? Bedenke auch hier wieder den mit dem Hobby zusammenhängenden Zeitaufwand, z.B. Fahrtaufwand zum Ausübungsort, Umziehen usw.

Raum?
Wie viel Zeug benutzt du für dein Hobby? Wie viel Platz brauchst du dafür? Müllt es dir die halbe Garage zu oder lässt es sich gut verstauen? Ist es im Weg? Musst du extra etwas einlagern? Geht es mit weniger?

Weiterbildung?
Bringt dich das Hobby in irgendeiner Weise weiter? Wie viel ist dir das Wert?

Sozialgefüge?
Wer ist an deinem Hobby noch beteiligt? Machst du es nur, weil du die Leute im Club so gern magst? Kann man die nicht auch mal so treffen? Übt irgendwer Druck auf dich aus? Gibt es noch mehr soziale Verpflichtungen, die mit dem Hobby zu tun haben, z.B. Öffentlichkeitsarbeit für den Verein, bestimmte Veranstaltungen, Wettbewerbe usw.
Was würde passieren, wenn du dein Hobby aufgibst? Wäre jemand enttäuscht?

Und, lichtet sich der Nebel? Wenn man zuerst eine Liste mit all seinen Hobbys angelegt hat, kann man Hobby für Hobby mit diesen Fragen auf Herz und Nieren prüfen. Und dann die Entscheidung:

Hobby beibehalten oder aufgeben?

Teil 2 von Hobbies und Minimalismus gibts am Freitag.

4 Gedanken zu “Minimalismus und Hobbies, Teil 1

  1. Ach schön, dass du das Thema hier aufgegriffen hast. Spannend, andere und weitere Ansätze zu lesen. Werde mir die Punkt definitiv mal zu Herzen nehmen und an meinen Hobbys austesten. :)

    Insgesamt habe ich eher weniger Hobbys, die viel Kram bzw. Ausrüstung benötigen. Da sind die Stricksachen schon an oberster Stelle (obwohl es da eigentlich darum gehen soll, Sachen zu stricken, die ich dann mitunter verschenken kann – wenn es man es dann nur auch täte).

  2. Das wichtigste sollte doch sein: Wie viel Spaß macht Dir das Hobby? Was da erschwerend hinzu kommt: Es gibt Hobbies, die verfolge ich nur sporadisch. Meine Meinung zu den gestellten Fragen schwankt diesbezüglich sehr stark. Mal will ich allen Krempel los werden, dann bin ich froh, dass ich es noch hab. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich derzeit nicht bereit bin eins meiner Hobbies gegen eine aufgeräumtere Bude (oder einen einfacheren Umzug) aufzugeben.

  3. Hallo erstmal an die Szene, hier sehe ich mich geradezu eingeladen einen vielleicht längeren Kommentar abzugeben. :)

    “Mein Minimalismus” steht derzeit noch ganz am anfang, aber dass Thema Hobbys, besonders da ich eines von deinen genannten Beispielen betreibe, hat mich auch schon zum nachdenken angeregt.

    Genauer gesagt ich bin Angler, aber nicht nur ich sondern auch meine Frau. Genaugenommen meine Frau bereits seit Ihrer Kindheit. Nun ist es sicher kein aus der Luft gegriffenes Vorurteil dass Angler eine Menge Zeug haben.

    Ich fange einfach mal an zu erklären wieso Angeln ganz sicher kein Hobby ist dass man Minimalistisch nennen kann. Sicher könnte man es auch mit einer Rute und einer kleinen Tasche betreiben, aber ernsthaft, dass klappt nie. :)

    Ich persönlich Fische zum einen auf Raubfische aller Art und zum anderen auf Karpfen, dass ganze an den unterschiedlichsten Gewässern: See, Weiher, große und kleine, schnell und langsame Flüsse und Bäche. Weiter ansitz (also Köder platzieren und warten) aber auch aktives Fischen (Spinner, Wobbler etc.). Gehe ich davon aus dass ich pro Gewässerart eine Rute habe komme ich bereits auf 6 Ruten sowie 6 Spulen. Ich mag aber meine Ruten stets vorbereitet lagern um spontan sagen zu können “Jetzt geh ich los!” somit reichen diese nicht aus. Auch die Köderarten und sonstiges Zubehör stellt eine ganze Menge dar.

    Aber dies ist Besitz der mich nicht Belastet. Auch wenn ich großes Zelt, Liegen, Kocher usw. dazuzähle belastet es mich höchstens beim Be- und entladen! Ansonsten ermöglicht es mir dieses ganze Zeug aber ausschließlich mich auf dieses Hobby zu konzentrieren, auch mehrere Tage am See zu bleiben. Arbeit und andere Verpflichtungen einfach zu vergessen. Und genau dass ist der Punkt der für mich zählt.

    Nutze ich die Ausrüstung regelmäßig? -> Ja, manche öfters, manche sehr selten, aber ich nutze alles!

    Würde ich es ersetzen? -> Möglicherweise, wobei ich Reserven habe! ;) Klingt auch sehr
    unminimalistisch, aber es geht dann doch oft etwas kaputt so dass die Reserve auch genutzt wird und nicht nur als Staubfänger dient!

    Also mein persönliches Fazit: Wenn mich etwas glücklich macht und mir freude bereitet kann es mich ja nicht belasten also darf es auch bleiben!

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