Minimalismus und Hobbies Teil 2

Nachdem wir eine Bestandsaufnahme von unseren Hobbies gemacht haben, stehen wir vor der Entscheidung:

Hobby beibehalten oder Aufgeben?

Du entscheidest dich für Beibehalten:
Glückwunsch! Anscheinend hast du herausgefunden, dass dir etwas wirklich Spaß bringt und du die Tätigkeit vermissen würdest, wenn du sie nicht mehr machen würdest. Also: Machs. Genieße es. Hab Spaß. Setz ein Zeichen. Feile so lange an deiner Technik, bis du Meister des Universums wirst. Bring es anderen bei. Erzähl anderen von deiner Begeisterung.
Aber Achtung: Verfall nicht in das Kauf-jedes-Gadget-Muster. Zeichnen kann man mit Stift und Papier, da braucht man keinen Markenbuntstiftkasten. Die Fähigkeit kommt aus dem Hirn, nicht von teuren Hilfsmitteln. Alles, was in diese „Nice to have“-Kategorie kommt, kann man erstmal weglassen.

Hm, aber was ist mit Hobbys und Interessen, die man gut findet, die man nicht unbedingt sofort aufgeben will, aber wo die Motivation auch nicht ausreicht, am Ball zu bleiben?
Die müssen wohl nochmal abgeklopft werden. Vielleicht reicht es bei diesen Tätigkeiten, ein paar Anpassungen vor zu nehmen? Vielleicht den Fahrtweg verkürzen oder sich auf einen bestimmten Aspekt konzentrieren? Einen anderen Tag dafür ausprobieren? Die Gruppe wechseln?

Und was ist, wenn du aus einem Pseudo-Hobby ein Happening machst? Statt mit einem Hobby richtig loszulegen, könnte man doch eine Sache für einen bestimmten Zeitraum ausprobieren. Z.B. geht das sehr gut im Urlaub. Malreisen, Töpferkurse oder Survivaltraining in der Wildnis. Fallschirmspringen, Motocrossfahren usw. – für alles mögliche gibt es heutzutage VHS-Kurse oder Erlebnispakete. Auch bieten einige Vereine Schnupperstunden an oder Freunde und/oder Nachbarn zeigen dir einen Nachmittag lang, wie etwas funktioniert.

Du entscheidest dich für Aufgeben?
Glückwunsch! Anscheinend hast du herausgefunden, dass dir Hobby XY nicht so viel Spaß bringt und du die Zeit/Finanzen/Räumlichkeiten für etwas anderes nutzen möchtest. Du kannst deine Ausrüstung verkaufen oder verschenken, die Befreiung wird sofort spürbar. Aber es fehlt noch was: Du musst anderen davon erzählen. Deshalb brauchst du eine Geschichte, die in Sekunden erzählt werden kann. Warum? Weil die anderen nicht unbedingt mitkriegen, dass du das Sammeln von Katzenfigürchen aufgegeben hast und du zum nächsten Geburtstag ein ganz besonderes Stück aus Indonesien geschenkt bekommst. Weil dich die anderen mit den neuesten Hightechinnovationen zulabern werden und du einen Knoten im Ohr bekommst. Also erzähl es allen, aber machs kurz.

So, das waren meine Gedanken dazu. War das hilfreich für dich?

Für mich schon. Es hat ein bisschen gedauert, alles zu durchdenken. Aber ich weiß jetzt, dass ich z.B. den Großteil meines bisher angesammelten Mülls (ja, im wahrsten Sinne des Wortes; das Zeug für Collagen) wegwerfen werde. Den Entschluss, das Stricken aufzugeben, habe ich schon länger gefasst. Ich werde also versuchen, alle angefangenen Projekte zu beenden und das übriggebliebenene Material zu verschenken.

Und du? Planst du ein Hobby aufzugeben? Oder noch tiefer einzusteigen?

9 Gedanken zu “Minimalismus und Hobbies Teil 2

    1. ach, so radikal wie das hier wirkt bin ich eigentlich gar nicht. Ich merke einfach immer mehr, wie sehr mich noch nicht beendete Projekte unter Druck setzen. Deshalb hab ich ja auch das Stricken wieder aufgegeben. Ansich ein schönes Hobby, aber die Zeit möchte ich mir nicht wirklich dafür nehmen, ich bin zu ungeduldig. Da lass ich es bleiben. Ich probiere gerne neue Sachen aus, aber ich will nicht dauernd hier Zeug rumfliegen haben, die meine Aufmerksamkeit einfordern und mir schlechte Laune verursachen, weil ich es wieder mal nicht geschafft habe.

  1. toller artikel! ich bin auch so jemand, der gerne mal strickprojekte ansammelt und nicht fertigstellt. ich glaube ich werde mir an dir echt ein beispiel nehmen und das stricken sein lassen. die meiste zeit liegt meine wolle rum und bereitet mir eher gewissensbisse als freude…

    1. Mir ist ein riiiiiesiger Stein vom Herzen gepurzelt, als ich für mich beschlossen habe, das Stricken aufzugeben. Wenn ich doch noch Impulse zum Stricken habe, dann such ich mir halt ein Projekt und mach das fertig. Aber Wolle ansammeln und an mehreren Projekten arbeiten? Nö. Da würde ich mich selbst belügen.

  2. Hmmm! Also sicher kann man mit nem günstigen Stift auf günstigem Kopierpapier zeichnen. Aber wenn man wirklich Kunst für sich und andere macht, kommt man um richtige (teure) Künstlerfarben und das passende Papier nicht so leicht herum. Erstmal muss man feststellen, welche Medien einem liegen. Das geht sicher auch in dem man spezielle Kurse macht um zu sehen ob es einem liegt.
    Ich finde das extreme rationalisieren von Hobbies nicht so gut. Wenn man eines aufgibt, kann man die Zeit für die wichtigsten nutzen. Soweit ist es richtig.
    Ich habe auch ein Hobbie aufgegeben um einem anderen mehr Zeit zu widmen und ein neues beginnen zu können. Aber ich habe auch gelernt trotz meine zig Hobbies, sie immer nur dann anzugehen, wenn mir danach ist. Das Material habe ich vorrätig und wird bestimmt auch ewig reichen. Daher gibt es momentan nur Projekte aus dem Stash.

  3. Hallo,

    Diese Hobbies… ich habe ein paar Gelegenheitshobbys, darunter fällt auch Stricken bzw. Häkeln bzw. Nähen bzw. Filzen bzw. Irgendwas zusammenbasteln. Manchmal habe ich da so richtig Lust drauf. Dann stricke ich an dem Paar Socken, das ich vor zwei Jahren begonnen habe oder so. Aber die ganze Wolle, die ich gekauft habe, werde ich in diesem Tempo nie aufbrauchen. Aber ich behalte sie trotzdem, weil es mich ja mal wieder überwältigen könnte und ich jetzt sofort unbedingt was stricken muss. Irgendwie blöd, aber ich kenne mich.
    Das mit der Geschichte, die sich ehemalige Sammler ausdenken sollen, ist ein super Tipp. Ich kannte mal jemanden, der sammelte Eulenfiguren. Tja, wenn man das einmal sagt, bekommt man nie wieder was anderes geschenkt. Oder diese hässlichen Diddl-Figuren, die haben eine Zeit lang auch mal alle Leute gesammelt.

    Liebe Grüße
    Pia

  4. Puh, das klingt nach einem harten Schritt. Ich habe auch diverse sporadische Hobbys, allerdings sind die meisten davon nicht besonders materialintensiv. Der Sport wird immer bleiben, von daher hat die ganze Laufbekleidung etc. ihre Daseinsberechtigung. DIY-Projekte mache ich eher sporadisch und vorwiegend dann, wenn es einen konkreten Anlass (Geschenke etc) gibt. Auch ok, weil ich z.B. keine Wolle auf Vorrat kaufe. Die Kamera braucht Platz, den ich ihr von Herzen gerne gebe. Bücher natürlich auch, aber jedes gelesene wird kritisch hinterfragt und ggf. aussortiert. Und Reisen und Dinge erleben braucht zum Glück nicht viel Platz ;)

  5. Gerade Minimalismus und Hobbies sind ein wichtiges Thema. Ich habe mich eine Weile von einem angefangenen und nicht weitergeführten Hobby unter Druck gesetzt gefühlt – bei mir war es stricken. Weil es immer im Hinterkopf ist „Man könnte ja mal… man hat da ja mal was gemacht…“ Und am Ende macht man doch nichts und lässt die Sachen in der Ecke liegen. Und schaut sie sich hin und wieder mal an und bekommt ein schlechtes Gewissen weil man ja so lange nichts mehr gemacht hat.

    Ich habe am Ende abgewägt wie wichtig mir das Hobby ist und wie hoch die Wahrscheinlichkeit dass ich es je wieder so machen werde dass es mir Spass macht (ohne schlechtes Gewissen) und hab die Sachen dann weggegeben. Jetzt fühle ich mich frei von der Verpflichtung etwas machen zu müssen und viel besser weil jemand anderes die Sachen hat, der Spass an ihnen hat.

  6. Das Stricken habe ich nicht aufgegeben, mich aber von einem Großteil der Wolle getrennt. Nachgekauft wird, sobald ich mindestens ein Projekt wieder fertig habe.
    Dafür gieße ich keine Seifen mehr und habe einen Großteil der Seidenmalereisachen verkauft. Lieber habe ich zwei intensive Hobbys als Material für fünf, die ich ab und zu mal ausführe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*