Nachrichtendiät: Was muss ich eigentlich wissen?

Okay, das Thema Informations-Überfluss hatten wir schon mal. Aber irgendwie scheints mir gerade wieder wichtig zu sein, weil mich die Welt verrückt macht. Brexit, Anschläge, Putschversuch.
Ich WILL als politisch interessierter Mensch informiert sein, aber bitte nicht davon verrückt werden. Und in den letzten Wochen dachte ich oft, dass genau das mit mir passiert.
Das ist momentan echt ne richtige Herausforderung und ich freu mich ein klitzeklein wenig, dass die Olympischen Spiele ein bisschen so tun, als wären sie das Sommerloch. (Auch wenn ich es da auch nicht unproblematisch zu geht und ich es auch nicht gucke…)

Nachrichtendiät und Psychohygiene

Wie kann dieser Spagat gelingen? Wie ordentliche, gesunde, unangestrengte Psychohygiene in Zeiten globalen Wahnsinns betreiben?
Bringt es denn überhaupt was „weniger“ Nachrichten zu konsumieren? Muss man nur die richtigen Nachrichten anschauen? Oder sich etwas ausdenken, damit man selbst eine gute Balance hinkriegt? Aber – is das nicht eigentlich der Job von Journalisten genau das für mich zu tun?! (Und wenn es nicht deren Job is – warum eigentlich nicht?)

Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, dass ich mich ziemlich anstrengen muss, um diesen ganzen Social-Media-Spekulations-Noise zu filtern. Es werden Meldungen verbreitet noch ohne Genaueres zu wissen. Das geht über Stunden so. Trauriges Beispiel war der Anschlag in München. Da rennt ein Verrückter durchs Einkaufszentrum und schießt auf Menschen. Das war über Stunden das einzige, was man wusste, trotzdem waren ständig „Experten“ im Fernsehen, die irgendwelche Mutmaßungen von sich gegeben haben. Je nach Sender ging das auch 3 Tage so weiter. Und sobald man sich irgendwo eingeloggt hat, musste man sich auch noch durch die ganzen Hetzkommentare kämpfen…
Da hab ich einfach dann dicht gemacht und beschlossen: Es interessiert mich nicht mehr. Die Info „Verrückter schießt auf Leute“ hat mir dann als Info gereicht, denn ändern kann ich sowieso nichts mehr daran.

Was ist da mit den Medien los? Warum geht das nicht langsamer?
Und warum fehlen eigentlich gänzlich gute Nachrichten in den Abendnachrichten?
Es gibt sie doch! Und auch das Positive interessiert mich.

Als ich auf Twitter an einem Tag nur positive Dinge getweetet habe, wurde mir gleich besser. Es hat mich innerhalb weniger Stunden wieder eingenordet, es hat mich ziemlich beeinflusst.

Ich hoffe, das ändert sich auch bald in den Mainstream Medien. Immerhin gibts Leute, die den Anfang machen.

Was machst du, wenn dir das alles zu viel wird? Reicht bei dir eine Nachrichtendiät? Guckst du gar keine Nachrichten mehr, weil man „eh alles mitbekommt“?

10 Gedanken zu “Nachrichtendiät: Was muss ich eigentlich wissen?

  1. Ich lasse auf facebook alle negativen Berichte ausblenden. Ob Tierversuche in China oder mit Säure übergossene Frauen in Jemen: In sozialen Netzwerken blockiere ich solche Nachrichten. Es wird wirklich weniger.

    Ich gucke nicht fern und in meiner Zeitung lese ich seit jeher nur, was mich interessiert. Von Sport habe ich keine Ahnung ;-) Analysen zu Amokläufen oder Anschlägen lese ich sehr gezielt, die Liveticker boykottiere ich so gut es geht. Sie schüren nur Panik und davon will ich mich nicht anstecken lassen.

    Leider kann ich der leidenschaftlich empörten Arbeitskollegin nicht ausweichen. Eine Lösung habe ich hier noch nicht gefunden.

  2. Diese Gedanken treiben mich auch um. Die Flut an negativen Nachrichten erschlägt und belastet mich, daher schaue ich keine Nachrichten mehr im Fernsehen, im Zeitungsformat kann ich sie besser verdauen, aber auch hier muss und kann ich nicht jeden Tag alles lesen.

    Auch stört mich die Qualität der Nachrichten, mit seriösem Journalismus hat das oft nicht mehr viel zu tun, egal ob auf Privatsendern oder den öffentlich rechtlichen. Interessant ist auch, welche neuen Informationen untergehen, gerade zu einem Beispiel wie dem Amoklauf in München. Ein Großteil der Bürger wird bis heute nicht mitbekommen haben, dass es hier einen fremdenfeindlichen Hintergrund gab.

    Und ja, die guten Nachrichten fehlen fast gänzlich. Und dabei passiert jeden Tag viel Gutes, Menschen helfen anderen, stellen sich mutig in den Weg, erheben ihre Stimme. Aber von diesen Leuten und Ereignissen hört man nur, wenn sie einen Preis verliehen bekommen haben oder sie gestorben sind, echt traurig.

    Was kann ich selbst tun um das zu ändern? Mehr über die leisen Helden reden, über sie schreiben, mich privat auf sie konzentrieren, sie unterstützen. Und vielleicht auch mal Nachrichtenredaktionen und Co. anschreiben um auf den Mangel hinzuweisen, das kann zumindest nichts schaden.

    Danke für diesen tollen Post.

    Sabrina
    grün grün – Blog http://gruengruenblog.blogspot.de

  3. Unter der Woche bleibt der Fernseher aus, außer für wirklich Wichtiges/Interessantes (gestern Abend zwei Dokus über Schlaflosigkeit bei 3sat). Auf Facebook werden AfD-affine und Verschwörungs-schwurbelnde u. ä. „Freunde“ konsequent geblockt. Bin sowieso nicht oft da. In Sinne von Billy Joel: „You can speak your mind, but not on my time.“ Ich gehe auf die 60 zu, meine Zeit wird mit jedem Jahr spürbar begrenzter, da entscheide ich sehr genau, wem und was ich sie noch widmen will.

    Auch am Wochenende, wenn ich TV gucken „darf“, versuche ich die Nachrichten zu meiden. Meine Nachrichtenquelle unter der Woche: der Deutschlandfunk. Im Wesentlichen unaufgeregt, seriös genug für mich und mit genug Tiefgang. Zeitung lese ich schon lang nicht mehr. Ab und zu mal einen Artikel im New Yorker oder in der Süddeutschen. Bücher sind mir lieber.

    Wie schon erwähnt, irgendwie kriegt frau sowieso alles mit, weil irgendeiner immer seine Meinung oder irgendwelche „Sensationen“ rausblökt. Generell aber bin ich viel entspannter, seit ich das TV-Embargo verhängt habe. Das heißt nicht, dass ich keine Meinung habe. Aber es gibt Ereignisse auf der Welt (und jede Menge davon), an denen ich auch mit gutem Willen nichts nichts gar nichts ändern kann, insofern muss ich mir die von niemand aufdrängen und/oder aufmerksamheischend um die Ohren hauen lassen. Lieber setze ich meine Energie dafür ein, meine „kleine Welt“ in Ordnung zu bringen und zu halten, grüner zu leben, sparsamer etc.

    Olympia? Mag ich nicht, muss ich ja auch nicht, geht komplett an mir vorbei. Auch okay.

  4. Das ist schön, dass man mit solchen Gedanken nicht alleine ist :D

    Ich habe vor etwa 6 Wochen eine Nachrichtendiät angefangen witziger Weise. Daraus ein bißchen Nähkastenplauderei:

    Auslöser war: Mal schauen, was dann passiert. Zielsetzung hat sich dann entwickelt als: Nicht so viel Zeit und Energie mit Nachrichten verbringen und kucken welche sozialen Auswirkungen es hat, wenn man uninformiert ist.

    Nicht so viel Zeit und Energie rein stecken hat relativ schnell gut geklappt und gerade der Zeitaspekt war bei mir massiv. Das ist zwar inzwischen wieder näher am alten Muster dran, aber ich arbeite noch dran;-)

    Die Auswirkungen im sozialen Bereich waren praktisch nicht vorhanden. Nun bin ich keiner der mit Gesprächsführung irgendwie Probleme hat und jemand der sich leicht und gut verkaufen kann – kann mir schon vorstellen, dass andere Charaktere damit eher ein Problem haben. Mein Tipp wäre dann einfach offensiv zu sagen, dass man sich momentan gegen Nachrichten im üblichen Umfang entscheidet und deswegen einfach nicht so mitreden kann. Wenn man Freunde hat die da ein Akzeptanzproblem haben, würde ich das als Problem sehen, nicht die Uninformiertheit.

    Aber es gab massive Auswirkungen was die Befindlichkeit anging. Schön, dass du München angesprochen hast. Das ging – komplett – an mir vorbei. Zu der Zeit war ich in der Nähe von Bremen unterwegs, also in Deutschland quasi maximal weit weg von dem. Trotzdem hat man den Leuten dann und wann angemerkt, dass was in der Luft hängt. Am Abend habe ich dann ein Gespräch überhört, dass „Terrorangst“ gut zusammenfasst.

    Konsequenz: Nachrichtendiät beendet, Nachrichtenernährungsumstellung begonnen.
    Ich bin nun selbst sehr politisch in meinem Handeln. Dazu brauche ich aber eigentlich keine tagesaktuellen Nachrichten in der Menge, sondern Zeit und Muße mir über grundlegend wichtige Fragen Gedanken zu machen. Wenn ich die ganze Zeit von aktuellen Nichrichten gestresst bin, klappt das aber eher schlecht. Momentan klappt das sehr gut.
    Es bringt einfach nicht viel – selbst wenn es gute Nachrichten sind – fürs eigene Sein und Selbst, wenn man den ganzen Kram weiß. Klar gehört es zum guten Ton – idc.

    Hätte ich selbst so gar nicht erwartet dieses Ergebnis, aber nu isses da. Vielleicht hilft ja die Perspektive aus der Mitte von sowas dem einen oder anderen.

    Ich kann das nur empfehlen!

  5. Moin, das ist genau das Thema, mit dem ich mich sich schon lange ( und in den letzten Wochen besonders intensiv ) herum plage und dabei immer das Gefühl habe, ich bin allein mit dieser Art der Reflektion. In diesem etwas ichbezogenen Sinne für mich ein doppelt wertvoller und generell unbedingt lesens- und nachdenkenswerter Beitrag, liebe Frau S.. Vielen Dank dafür!
    Wie bereits schon geschildert, versuche auch ich es mit selektivem Nachrichtenkonsum, Facebook, Twitter und Co. beibe ich aus psycho-hygienischen sowie Zeit – und Nervgründen einfach komplett fern, aber Zeitungen muss ich beruflich bedingt jeden Tag lesen. Das ist schon anstrengend. Radio höre ich nicht, wäre mir aber lieber als Nachrichten im TV, merke ich grade, da ich es aufschreibe… Visuell ist das Fernsehen ein Seelenbedrücker par exellance. Unmöglich zu entkommen – ich habe meine liebe Not damit. Im beruflichen Umfeld und im Freundeskreis kann man sich den aufgeregten Diskussionen sehr schwer entziehen, die Besorgnis der anderen triggert mich, und, schwups, hänge ich mit drin. Dafür habe ich noch gar kein Rezept gefunden. Üben tu ich zur Zeit die schöne Form der Ignoranz, einfach „fussball -EM? Guck ich dieses Jahr nicht“ oder „Olympia is mir schnurz“ oder der Super Nerv dieser Tage „lass mich in ruhe mit pokemon hype, interessiert mich nicht“ erstickt einiges an Konversation darüber. In der Gruppe wirst du damit zum Aussenseiter, aber so what?
    Was ich bei mir bemerke: die Angst, etwas ungemein wichtiges zu verpassen. Das hatte ich früher nicht so.

  6. Man ist ja quasi schon durch die Gesellschaft gezwungen, sich mit den aktuellen Nachrichten (zumeist negative) und tollen, neuen Trends auseinanderzusetzen.

    Tut man dies nicht, so wird man nicht selten als nicht-mitfühlend und ungebildet abgestempelt oder ausgegrenzt.

    Ich gebe auch zu, dass mich Politik nicht interessiert und ich auch von den Kriegsschauplätzen der Welt nur sehr wenig Ahnung besitze. Wie kann ich Letzteres nur als emotionaler Mensch ignorieren? Pfui, ich alte Heuchlerin.

    Es gibt Zeiten, da lasse ich mir ein schlechtes Gewissen einreden. Von meinen Mitmenschen. In den unterschiedlichsten Situationen. Und meiner Seele tut dies ganz und gar nicht gut.

    Ich bleibe lieber authentisch und informiere mich gezielt bei Medien, die auf guten Journalismus anstelle einer reißerischen Aufmachung setzen.

    Gezielt bedeutet auch, in Dosen und durch Medien, die nur ICH festlege. Das Glück haben wir in Deutschland und dafür bin ich wirklich dankbar, denn ich weiß um Nachrichtensperren und -manipulationen in anderen Ländern.

    Ich mag ignorant gegenüber wichtigen Tagesthemen sein. Zum einen Teil ist es Medieneinflüssen selbst geschuldet, zum Anderen wohl meiner Einstellung, dass ich zu klein und zu emotional veranlagt bin, um die großen Kriegsverbrechen der Welt zu verhindern.

    Sehr gerne möchte ich ein Projekt starten, dass womöglich nie gesellschaftlich relevant sein wird, aber die Welt zumindest doch ein wenig besser macht. Im Kleinen.

    Wir gestalten durch unsere Interessen, Meinungen und Taten die Welt mit. Ob auf positive oder negative Weise. Jeder positive Schritt sollte daher Würdigung und Respekt erhalten, auch wenn er vlt. bedeutet, dass man das Weltgeschehen nur zu einem geringen Teil an sich heranlässt.

    Die Aufmachung der meisten Nachrichtenkanäle und -medien müsste sich wandeln um bei mir das nötige Interessen und folglich Wissen hervorzurufen.

    Was ich gerade ändere:
    Ich suche nun morgens nach positiven Nachrichten, checke kurz die lokalen Nachrichten und das Wetter. Wirklich weltrelevanten Nachrichten gehe ich bewusst erst am frühen Abend nach und das eben gezielt und dosiert. So ist weder mein Tag noch meine direkte Nachtruhe vorbelastet, auch wenn ich am Tag nicht mitreden konnte.

  7. Hey Cloudy,

    ich habe schon mal darüber geschrieben, wieso ich keine klassischen Nachrichten mehr konsumiere [1] und finde nach wie vor, es geht mir wesentlich besser ohne. Habe ich bisher etwas verpasst? Nein. Insofern hast du meine Unterstützung, dicht zu machen. :) Und ich gebe dir auch Recht, in solchen Moment reicht eine kurze Info. Ändern kannst du nichts. Spekulationen verwirren nur und stiften Unruhe.

    In Hinblick auf München fand ich diesen Beitrag hier [2] echt nützlich, weil man sonst nicht mitbekommt, was in Nachrichtenredaktionen eigentlich passiert. Und On The Media hat eine recht praktische Anleitung [3] zum Umgang mit Nachrichten veröffentlicht, die man, wie ich finde, gelegentlich verinnerlichen sollte.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    [1] https://wp.me/p5eavz-ob
    [2] http://www.michael-draeger.com/2016/07/23/der-amoklauf-von-münchen-so-war-es-in-einer-nachrichtenredaktion/
    [3] https://twitter.com/onthemedia/status/756899212881780736

  8. bei mir war damals bei 9/11 der Kanal ganz generell übergelaufen.
    Diese emotionsheischenden, sich ständig wiederholenden Bilder mit Triggermucke unterlegt … ohne weiteren Nachrichtenwert.

    Nachrichten im TV schaue ich seither nur noch selten, und wenn, dann gezielt. Ab der Stelle, wo wir informiert werden, dass irgendwo in Asien bei einem Busunfall evtl. ein paar Menschen starben, schalte ich spätestens weg. Aufgeregte Ansichten von sog. Experten brauch ich auch nicht mehr. Alle Infos, denen ich durch fremde Vorauswahl ausgeliefert bin (von Infotainment bis Tagesschau) meide ich nach Kräften.
    Es gibt sehr wenig, was man extrem tages- oder sogar minutenaktuell erfahren muss.

    Stattdessen lese ich quer über die aktuellen Überschriften in den Internetnachrichtenkanälen und entscheide von Fall zu Fall, ob und von wem ich mich näher informieren lasse.
    Schau auch mal in Wochenblättern vorbei, das meiste davon steht rechts von mir bzw. verfolgt konservativere Werte als ich. Aber manchmal bekommt man dort einen Überblick über Gesamtzusammenhänge, die besser recherchiert und fundierter durchdacht sind, als das tagesaktuelle Nachrichtengeschäft. Meine Meinung bilde ich mir dann selbst.

    Zu München: ich wohne 2,5 km Luftlinie entfernt vom Ort des Geschehens. Da interessiert man sich dann schon, was hinter dem ausufernden Blaulichtgetröte und den Hubschrauberflotten am Himmel steckt. Insgesamt empfand ich die Nachrichtenvermittlung durch die üblichen TV-Medien allerdings als stark überdenkungswürdig. Diese Expertenfreakshow, die atemlosen Info-Hascher vor Ort, die übermotivierten Investigativen in den Studios – also nee, als Nachrichtenvermittlung kann ich das nicht anerkennen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*