Nein, danke – ich verzichte.

Luftverschmutzung. Elektrosmog. Wahlkampf, der eigentlich keiner ist. Politik, die nichts verspricht.
Industrie, die mich vergiftet. Medien, die mich anlügen. Tiere, die jämmerlich verrecken und grüne Kosmetik, die den Regenwald kaputt macht. Arbeiterinnen, die umfallen, nachdem sie schon viel zu lange in einer viel zu kleinen Fabrik eingesperrt sind, um mir ein Hemdchen zu nähen. Unser Müll in anderen Ländern. Plastik im Gesicht und in unserem Blut. Alles künstlich, alles kaufen. Mehr davon. Denn ein „Weniger“ ist arm und arm ist schlecht.
Radioaktives Wasser, radioaktive Menschen.
Nachhaltigkeit, bei der verdammt noch mal überhaupt nichts nachhallt.

Was soll das?! Und wie soll man dabei noch ruhig schlafen?

Nein - danke. Ich verzichte.

Ich sage: Nein – danke, auf sowas kann ich verzichten. Ich will klar denken können, mein kurzes Leben einigermaßen sinnvoll über die Bühne bringen, und wenn es mir und der Welt hilft, auf etwas zu verzichten, auf den Konsum, auf das „Wachstum“ zu verzichten, dann ist das völlig okay. Also hört endlich auf, „Konsumverweigerer“ oder „Minimalisten“ oder „Downsizer“ oder was auch immer schlecht zu reden oder als völlig idiotische Idealisten hinzustellen. Klar ist das nix Neues, die alten Griechen haben es vorgemacht – blablabla. Na und? Ich lebe im hier und jetzt und mir fällt nix Besseres ein, als unsere jetzige Technologie dafür zu benutzen.

Es ist vielleicht nicht die beste Lösung, aber es hilft ruhig zu schlafen und nicht wahnsinnig zu werden. Respektiert das, liebe Mitmenschen.

10 Gedanken zu “Nein, danke – ich verzichte.

  1. Danke für dieses Machtwort! Warum wird man bloß in dieser Gesellschaft blöd angeguckt, wenn man sagt, dass man Shopping nicht so spannend findet? Oder dass die Medien alle das gleiche (massen-) taugliche erzählen? Oder das man wirklich was für den Umweltschutz tuen will? Ich habe auch das Gefühl, dass man gleich in so eine Schublade gepackt und oft komisch angeschaut wird.

    wichtig ist, dass man trotzdem seinen weg geht! Leider gibt es zu viele Lemminge…

  2. Frau Ding Dong,

    dieser Beitrag ist Ihnen sehr gelungen und würde sich gut als ganzseitige Anzeige in allen Tageszeitungen am kommenden Samstag machen!

    Frau Ding Dong for Bundeskanzlerin!

  3. Ich verzichte auch! Und fühle mich ganz und gar nicht arm. Sondern sehr reich an eigenen Gedanken, Entscheidungsmöglichkeiten und Sichtweisen, die nicht dem Mainstream entsprechen … und für die ich bewußt etwas getan habe (insbesondere lesen, lesen, lesen) und auch in Zukunft tun werde.

    Vielen Dank für den tollen Post!

    Grüße aus Berlin,
    Anja

  4. Gut gebrüllt, Löwin ;-)

    Mir ist allerdings in der ‚Szene‘ eigentlich schon zuviel eingebildetes Weltverbesserertum unterwegs – das erzeugt dann Widerstand bei den ‚Normalos‘.

    Mir würde es ja überhaupt nichts ausmachen, wenn ich mich mit meinem Konsumverhalten moralisch besser fühlen könnte, ich habe nur leider für mich keine überzeugenden Argumente, warum das so sein sollte.
    Zumindest nicht, so lange ich direkt und indirekt von all den schönen Errungenschaften der Massenkonsumgesellschaft profitiere.

    Ich lebe konsumarm, einfach weil mir das liegt. Mir geht’s wie Thoreau:
    „Mein größtes Talent war immer meine Genügsamkeit gewesen.“

    Aber ich nutze eben doch moderne Computertechnik – zum Lesen, Schreiben und Broterwerb. Ich habe einen Hang zum ‚einfachen Leben‘, zum Natürlichen, fände es als SF-Fan andererseit aber wieder schade, wenn sich die Menschheit nicht auch technisch weiterentwickeln würde.

    Nochwas von Thoreau, was auch schön ausdrückt, wie ich selbst den Vorteil der Einfachheit sehe:

    „Durch Armut, das heißt durch ein einfaches Leben und wenig Zwischenfälle, festige und kristallisiere ich mich wie Dunst oder Flüssigkeit durch Kälte. Es ist eine einzigartige Konzentration von Kraft, Energie und Aroma. Enthaltsamkeit ist ein ständiges Bekenntnis zum All. Mein zerstreutes, nebelhaftes Leben wird wie die Eisblumen und Frostnadeln, die an einem Wintermorgen an den Krautern und Stoppeln wie Edelsteine glitzern. Ihr glaubt, daß ich mich selbst arm mache, indem ich mich von den Menschen zurückziehe, aber in meiner Einsamkeit habe ich mir ein seidenes Gewebe wie eine Schmetterlingspuppe gesponnen, und gleich einer Nymphe werde ich in Bälde als ein vollkommeneres Wesen hervorgehen, einer höheren Gesellschaft würdig. Durch Einfachheit, gewöhnlich Armut genannt, ist mein Leben konzentriert und damit organisiert, ein Kosmos, während es vorher unorganisch und knotig war.“

  5. Ich versuche diese Nachricht sanft auf meinem Blog http://minimalismuswarum.wordpress.com/ zu vermitteln.
    Aber manchmal muss man einfach mit der Faust auf den Tisch schlagen. Das war ein guter Schlag!

    Ich stimme dem WolfR zu, wir Minimalisten (oder wie wir uns auch nennen moegen) muessen nicht „Weltverbesserer“ sein. So lange wie wir unsere eigene Welt und unser eigenes Dasein durch ein minimalistisches oder einfaches Leben verbessern, dann sollte das schon ausreichen.

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