Nicht gelesen: Wie ich die Dinge geregelt kriege von David Allen

Normalerweise habe ich immer ein glückliches Händchen bei meiner Literaturauswahl, nur das hier war wirklich – leider, leider – ein Griff ins Klo.
Ich wollte mich mit dieser Methode befassen, weil ich immer mal wieder auf GTD (=“Getting things done“, engl. Originaltitel) stoße und es mir so schien, jeder befürworte dieses System und ich mir mittlerweile irgendwie doof vorkam es NICHT zu benutzen.
Also gut, ab in die Bücherei und das Buch ausgeliehen. Angefangen zu lesen. Nach der Einleitung hörte ich bereits ganz leise in meinen Gehirn „blablabla“ als Kommentar zu dem eben gelesenen. Kein gutes Zeichen.
Nach einer Pause habe ich versucht weiter zu lesen. Wenn erst mal die grundsätzliche Methode erklärt wird, dann wird es bestimmt besser. Tja. Weit gefehlt. Das „Blablabla“ wurde immer lauter, ich bekam Kopfschmerzen und saß nach jedem Absatz mit einem „HÄ?“ verwirrt im Zimmer und wusste nicht mehr was ich tun soll. Jetzt bin ich auf Seite 55 angekommen und habe Angst, weiter zu lesen. Und mein Bauch sagt mir, ich solls bleiben lassen. Den Rest habe ich überflogen.

Ich glaube, ich habe diesbezüglich eine Störung. Ich kann mir auch nicht erklären, wie man das 309 Seiten starke Buch durchlesen kann und es dann gerafft hat, du weißt schon, das Ding mit der Selbstorganisation.
Das was ich mir bei dieser Lektüre gedacht habe, war nur dauernd: „Hä??? aber das ist doch logisch oder nicht???“ oder aber auch „Und was ist jetzt das unfassbar Neue daran, was kapiere ich denn nicht???“ und „Wie soll man das bitte im ALLTAG umsetzen?“
Ich habe sogar versucht, mir mittels der Arbeitsweise von David Allen per Video erklären zu lassen, was genau das Geheimnis der Effizienz ist, aber schlauer geworden bin ich auch nicht.
Also ab zu Wikipedia, wo ein netter Mensch das mal für alle aufgeschrieben hat (gottseidank!!!!! ich glaube ich wäre nach den 300 Seiten gestorben)
Und dann hab ich mir das durchgelesen und erstaunt festgestellt, dass es dabei überhaupt nichts Besonderes gibt. Oder habe ich das jetzt immer noch nicht kapiert?!?

Ach, ich weiß nicht. Um es runterzubrechen, geht es doch eigentlich nur darum, sein Gehirn leer zu machen (alles, wirklich alles aufschreiben, damit man nicht vergisst was man noch tun wollte/sollte), bestimmte Arbeiten der Einfachheit halber zu gruppieren (also mal ruhig ne Stunde am Stück telefonieren) und dann wohl das Wichtigste: Alles immer durchsehen und gucken, wie man die jeweiligen Aufgaben in dem vorhandenen zeitlichen Rahmen einbringen kann.

Hm. (Opferanleitung ist immer noch ein gutes Wort dafür!)

Ich meine, vieles ist doch total logisch, wenn man mal über seine Aufgaben nachdenkt:
Wenn ich einkaufen muss, muss ich mir vorher ausdenken, was ich brauche und gehe mit einem Einkaufskorb los. Ich geh in den Supermarkt, zum Gemüsehändler, zum Bäcker und achja, die Hemden aus der Reinigung kann ich dann ja auch gleich noch abholen, wenn ich schon mal draussen bin. Bumm, abgehakt.
Oder ein Renovierungsprojekt. Das Bad soll neu gemacht werden. Also überlege ich mir ja auch vorher, wie das gehen soll: „Ja, ich brauche dafür Farbe und neue Fliesen, also muss ich in den Baumarkt“ – dann schreibt man doch auch auf seine To-Do-Liste: Bad renovieren: In den Baumarkt gehen und Farbe und Fliesen kaufen auf seine To-Do-Liste, weil das der 1. Schritt des Vorhabens ist…
DAS IST EINE LOGISCHE REIHENFOLGE.
Und auch, dass man am Tagesende oder Tagesanfang und/oder auch am Wochenende seine Vorhabenliste durchsieht, um abzuhaken was erledigt worden ist und was man noch zu tun hat, ist auch logisch. Alles was man dafür braucht? Konzentration, ein Stück Papier und einen Stift. Und die Lust, sich die Zeit dafür zu nehmen.

Oh, und ich hab auch nirgends einen Hinweis gefunden a là „Achtung, es wird ein bisschen unbequem, weil sie sich völlig neue Gewohnheiten aneignen müssen, damit dieses System für Sie funktioniert“
Es wird mit keinem Wort erzählt, wie man das im Alltag macht. Wie man die Aufgaben durcharbeitet, wie man überhaupt damit anfängt, wenn man wirklich keinen Schimmer hat. Was man tun soll, wenn einem der Tag um die Ohren fliegt und man sich wieder ordnen muss. Und er sagt einem auch nicht, wie anstrengend es ist, wenn man permanent seine Ideen und Vorhaben notieren soll. Ich habe den lieben langen Tag Ideen und Vorhaben, wenn ich die immer aufschreiben würde, könnte ich kaum mehr was anderes machen. Wie kriegt man das hin?

Und überhaupt: Man schreibt alles auf um dann festzustellen, dass man für ein paar Dinge in diesem Leben keine Zeit mehr hat? Wo bleibt denn da der Spaß? Und die Lust? Wenn ich alles notiere und dabei feststelle, ich kann meinen heißersehnten Traum von der Reise durch die Mongolei nicht erfüllen, weil ich trölfmillarden Sachen vorher zu erledigen habe, die irgendwie wichtiger erscheinen (weil sie nicht auf der „vielleicht/irgendwann“-Liste stehen..) – ähm…das würde ich als „scheitern vorprogrammiert“ bezeichnen – Was bringt dann dieses „höchsteffiziente System“, wenn man zwar alles abarbeitet, aber sonst keinen Spaß mehr hat ?

Ist das wirklich alles? Wo ist jetzt da diese „Geheimzutat“ – die ich bei Allens Methode nicht verstehe???

Fazit: Keine Leseempfehlung, weil viel zu verwirrend geschrieben, wäre in Ratgeberform mit bunten Bildchen (auf der Wikipedia Seite sind die Grafiken doch super zu verstehen!!!) besser gewesen. So was Komplexes in Buchform abzudrucken ist meiner Meinung nach Folter!
Hmm, aber irgendwie gibts dann ja doch einige, die gut funktionieren mit dieser Methode. Was sind das für Leute? Vielleicht geeignet für rational denkende Menschen, die sich schon mal mit Selbstorganisation beschäftigt haben und die Ausdauer besitzen, so was nicht nur zu lesen, sondern das System zu benutzen? „Kreative Chaoten“, die sich und ihr Leben organisieren wollen, noch nie was zu diesem Thema gelesen haben und grundsätzlich noch nie so etwas ausprobiert haben, bewusst eine neue Gewohnheit zu etablieren, werden vermutlich durch die Komplexität verwirrt und scheitern. Zeitverschwendung.
Da gibts was Besseres. Bericht folgt.

Kann mir jemand beim Lüften des Geheimnisses von GTD helfen?

6 Gedanken zu “Nicht gelesen: Wie ich die Dinge geregelt kriege von David Allen

  1. Nice one!
    Wie gesagt, „Opferanleitung“! ;)
    Dann lieber Stephen Covey’s “7 Habits Of Highly Effektive Pople” – behandelt das Leben etwas ganzheitlicher.
    Ich habe mir Allen’s Video mal angeguckt. Fand ich ziemlich dumm muss ich sagen.

    „One of the fastest ways to get out of control is to not clean up your briefcase regularly“

    „Capture Tool“

    „Good Paper and Pens. Pretty much anywhere I got a flat surface. Who knows when something’s gonna happen – I wanna be able to pull it out (…)“

    „Bla bla bla bla bla bla bla bla bla! Bla!“

    Hm.
    Ich will jetzt nich Werbung für mich machen, hab aber auch mal nen Text über solche Sachen geschrieben. Vielleicht gefällt er ja

    http://www.oliverpeiss.de/2010/03/23/wie-du-von-einer-guten-organisation-profitierst/

    Und Frau Ding Dong, ich glaub nich dass du dir Sorgen musst, dass du das nicht verstehst, weil das tust du – hast es in deiner Rezension schliesslich auf den Punkt gebracht – es scheint mir eher dass du geschockt bist dass so etwas, was JEDEM klar sein „sollte“, zu einem solchen Hype wird, wo es doch so viiel Geschwafel ist. Oder?! ;^)

    Beste Grüße!

    1. Danke für deinen Kommentar.
      Und Frau Ding Dong, ich glaub nich dass du dir Sorgen musst, dass du das nicht verstehst, weil das tust du – hast es in deiner Rezension schliesslich auf den Punkt gebracht – es scheint mir eher dass du geschockt bist dass so etwas, was JEDEM klar sein “sollte”, zu einem solchen Hype wird, wo es doch so viiel Geschwafel ist. Oder?! ;^)

      …und ja, das könnte auch sein. Natürlich ist es schwer sich selbst zu organisieren, aber warum dass dann so kompliziert und gehypt und rational ohne Spaß geschehen muss, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Trotz allem habe ich immer noch das dumpfe Gefühl in einer dunklen Ecke meines Gehirns etwas nicht zu wissen. So ein Gefühl, als ob man nicht zum „Club der Superorganisierten“ gehört…
      aber will man das überhaupt? :D
      Ich nutze seit ein paar Wochen Zen to Done und gucke, ob das besser läuft, aber ich glaube: JA. :)

  2. Lies doch mal Weniger bringt mehr: Die Kunst, sich auf das Wesentliche zu beschränken von Leo Babauta, http://zenhabits.net/. Das war für mich ein Eyeopener, er ist praktizierender Minimalist und sagt reduziere deine Aufgaben, damit sie dir Spaß machen und du nicht wie der Ochs vor dem Berg vor einer riesigen Aufgabenliste kapitulierst.
    Gruß Tobias

    1. ui, davon wusste ich ja noch gar nichts, dass er auch schon ins Deutsche übersetzt worden ist…
      Ich habe mir „Zen to Done“ heruntergeladen und gleich komplett durchgelesen. Passenderweise zum Jahresanfang. Ich nutze nun seit ein paar Wochen „Zen to Done“ als System und bin bisher ganz glücklich. Das funktioniert für mich besser, wenn ich mir nur maximal 3 große Aufgaben vornehmen als wie vorher wild planlos alles in meinen Tag quetsche nur um dann enttäuscht zu sein, warum ich wieder mal nix geschafft habe.

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