no new plastic challenge im April – das Fazit

Nun ja, wie du sicherlich aus den vorherigen Beiträgen ersehen konntest, stand ich der ganzen Aktion mit eher gemischten Gefühlen gegenüber.
Es war gut, es war schlecht. Es fühlte sich gut an, weil teilweise machbar und es fühlte sich schlecht an, weil man gegen Windmühlen kämpft.
Mein Gesamteindruck ist, dass man es unter großer Anstrengung oder mit dem richtigen Umfeld sicherlich hinbekommen könnte.

endstationmeer

So viel Anstrengung möchte ich aber nicht mehr aufbringen, denn das Thema meines Blogs ist ja auch „Einfachheit“ und die hat mir bei dem Thema leider noch viel zu oft ziemlich gefehlt.

Es war trotzdem sehr erkenntnisreich. Zum Beispiel ist uns aufgefallen, dass die meisten Menschen, die im Biosupermarkt einkaufen, sich überhaupt nicht um die Verpackungen, Papiertüten und Plastikbeutelchen kümmern, wohl aber freuen sich die Kassierinnen in großen Warenhäusern, wenn wir Verpackungen und Tüten ablehnen. Die eine Karstadtkassierin hat mich sogar ein bisschen überrascht, als sie erwähnte, wie fürchterlich sie die Bilder von verschmutzten Meeren findet und dass es doch überhaupt kein Problem sei, wenn man auch die bisher kostenlosen Tüten mit 20 Cent besteuern würde. Recht hat sie! Und die war definitiv kein Ökofritz :D
Tja, und auch wenn man aktiv Plastik vermeidet, heißt das ja noch lange nicht, dass man kein Plastik produziert – zum Beispiel beim Arzt (Spritzen, Medikamente etc.)

Unsere Plastikmüllanalyse ergab folgendes:

Insgesamt: 287 g
Davon Take-Away-Müll: 110 g (!!!)
Rest: 177 g (ohne Kabel, weil das ja kein Müll ist)

In diesem Haufen haben wir 9 verschiedene Kunststoffe entdeckt:

aprilmuell

Davon richtig übel:
PVC – Polyvinylchlorid (z.B.Kabel)
PS – Polystyrol (z.B. Take Away Behälter)
PU – Polyurethan (z.B. Geschirrreiniger, die nicht mal was taugen *grr*)

Der Rest ist im Rahmen des Kreislaufs zwar noch irgendwie okay, aber das heißt ja auch nix, wenn es nicht richtig entsorgt wird.
PP – Polypropylen (z.B. Obstschalen, Einwegspritzen)
PE-HD – Polyethylen high density (z.B. Füllmaterial Versand)
PE-LD – Polyethylen low density (z.B. Taschentücherumverpackung und wahrscheinlich auch die Toilettenpapierverpackung)
PE-LLD – Polyethylen linear low density (z.B. Plastiktüten)
CPP – Cast Polypropylen (z.B.Laminierfolie)
+ undefinierbar (z.B.Mülltüten)

Seltsamerweise steht auf den „Blaue Engel“ Produkten keine Angabe des Polymers drauf, weshalb wir beim Recyclinghof erfragen werden, was „aus recyclten Kunststoffen“ genau bedeutet und wie sich das dann als Müll verhält.

Ich freu mich sehr, dass wir kein Polycarbonat-Kunststoff gefunden haben – das bedeutet: kein BPA!!!


Wie sieht nun mein After-Challenge Schlachtplan aus?

1) weiterhin so plastikfrei bzw. müllfrei wie möglich einkaufen und wenn es nicht klappt, weil es irgendwas NUR in Plastik verpackt gibt sich nicht ärgern und es trotzdem kaufen
Nach so einer Challenge gibt es keinen Weg mehr zurück. (Oder?) Jeder kleine Schritt ist ein Schritt in eine (hoffentlich) richtige Richtung. Und: Kleinvieh macht auch Mist. Das haben wir ganz deutlich erfahren, als wir zweieinhalb Wochen gebraucht haben um einen 60 L Müllsack zu füllen. Normalerweise kriegen wir so ein Ding in einer Woche voll! Wir haben in dieser Zeit viele kleine Läden entdeckt, die müllfreies Einkaufen ohne große Umstände einfach so möglich machten. Es war wunderbar einfach. Dose auf die Theke gestellt, Verkäuferin hat den Käse/Salat/Aufstrich/wasauchimmer reingetan. Deckel zu, bezahlt, fertig, glücklich. Das war so einfach, dass wir uns immer gewundert haben :D
Die Analyse unseres Müllhaufens hat gezeigt, dass wir zu oft aus Gründen der Faulheit in die Take-Away-Falle tappen. Wenn es nicht die Faulheit ist, dann ist es dieses „Ich hätte mal wieder Lust auf…“-Getue in Kombination mit „nicht nachdenken“ und sich alles doppelt und dreifach einpacken lassen. (Was wir dann immer erst zu Hause gemerkt haben!!! Ey wir sind solche Roboter…schlimm…) Zukünftig möchte ich da ein bisschen besser darauf achten.

2) mehr über Kunststoffe lernen
Wenn schon Plastik, dann das geringste Übel wählen. Dazu muss man genau Bescheid wissen. Die Müllanalyse hat Herr DingDong durchgeführt und ich habe meistens nur Bahnhof verstanden. Mit Hilfe von Wiki und den Handouts der Endstation Meer – Ausstellung, die wir im März besucht haben, wird mir das gelingen.

3) meine bisherigen plastikfreien Gewohnheiten beibehalten
Das ist für mich selbstverständlich und betrifft z.B. solche Sachen wie Leitungswasser trinken, Stoffbeutel dabeihaben und ohne Shampoo und Zahnpasta leben. Mehr Inspiration gibt es hier.

4) weiterhin Firmen anschreiben und sie auf Verpackungsverbesserungen hinweisen
Ich liebe es anderen Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten, warum nicht also die Firmen direkt anschreiben? Das ist nur eine kurze E-Mail – die vielleicht alles ändern könnte!

5) so viel Müll wie möglich im Laden lassen
Wenn die Läden vor Ort merken, dass sie selbst so viel Müll verursachen, denken sie vielleicht um. Das bedeutet, ich packe so gut es geht die Sachen aus oder um und nutze die Recycling-Station vor Ort, weil wir hier im Haus nicht recyclen können. Der nächste Recyclinghof ist weit weg und ich habe auch keine Lust mit meinem Müll per U-Bahn durch die halbe Stadt zu kurven, deshalb versuche ich es mal so.

6) Müll sammeln
Ich werde das ändern, was mich am Traurigsten macht: Ich werde Müll aufsammeln. Ich kann den Anblick nicht mehr ertragen. Die Büsche an meiner Laufstrecke sind voll Bonbonpapierchen, McDoof-Tütchen und Starbucksbechern. Man sieht überall übervolle Mülleimer, Reste von spontanen Grillparties im Park und Mini-Müllhalden an vielbefahrenen Straßen. Anstatt rumzuheulen und die „Macht des Verbrauchers“ zu nutzen, möchte ich mindestens einmal pro Monat Müll aufsammeln gehen. Das erscheint mir bis jetzt am Sinnvollsten und am Wirkungsvollsten gegen dieses Ohnmachtsgefühl zu sein.

fup

Falls du auch ein Plastik-Vermeidungs-Experiment hinter dir hast, was hast du daraus gelernt? Wie ist es jetzt? Hast du noch weitere Tipps? Versuchst du überhaupt drauf zu achten oder kommt dir das alles unsinnig vor?

12 Gedanken zu “no new plastic challenge im April – das Fazit

  1. Mir ging es ähnlich wie dir und ich habe nahezu das gleiche Fazit. Es gibt einfach Dinge auf die ich nicht verzichten kann oder möchte, zumindest gelegentlich.
    Es gibt einige Haushaltsgeräte, die ich mir leihe, weil ich sie so selten brauche und bei einigen denke ich, dass ich sie mir auch nicht neu holen würde, wenn sie kaputt gingen.
    Ich hoffe auch schonmal auf Tipps von anderen anstatt selber viel suchen zumüssen. Von daher bin ich dankbar für Blogs rund ums plastikfreie Leben.

    LG
    Mareike

  2. danke für deine echt interessanten erfahrungen. sie sind mir so oft ein auslöser für eigene reflektionen.

    die beobachtung berreffend biokunden habe ich schon so oft gemacht. egal woher es kommt (china, mexiko, südafrika) und wie verpackt (plastik), hauptsache bio. öko ist bei vermeintlich bio-grünen oft unwichtig. leider.

    gehen wir als beispiel voran.

  3. Danke für die interessante Auswertung! Ich finde es richtig, zwischen den verschiedenen Kunststoffen zu differenzieren. Wenn man nach dem Prinzip „Hauptsache kein Plastik“ vorgeht, nimmt man vielleicht manchmal die schlechtere Alternative. Zum Beispiel fände ich es nicht sinnvoll, PE oder Polypropylen durch Aluminium (irrsinnig hoher Energieverbrauch, Umweltschäden bei der Herstellung) zu ersetzen. Auch PVC kann seine Berechtigung haben, etwa als Material für Fahrradtaschen, die ich jahrelang benutze. Wichtig ist in jedem Fall die Reduktion, egal um welches Material es geht.

  4. Danke für deine bzw. eure Recherchen! Super interessant und hilfreich.

    Ich glaube auch: am besten so wenig Müll wie möglich produzieren. Und wenn doch, dann sehr bewusst; irgendwie. Danke.

  5. @Johannes: Mit dem Alu/Plasikvergleich bin ich mir da nicht so sicher. Mich würde mal eine Ökobilanz beider Produkte interessieren; also Energie und Wasserverbrauch für Produktion, als auch die Entsorgungs- und etwaige Gesundheitsproblematik – in Gebrauch und Entsorgung. Hab ich bisher noch keine Vergleiche zu finden können.

    Beste Grüße

    Oliver

  6. Punkt 5 und 6 haben mich besonders angesprochen. Ich habe es fast geschafft das Wegwerfen des Verpackungsmülls direkt hinter der Kasse zu einer Gewohnheit zu machen.
    Müll aufpicken tu ich ehrlich gesagt am meisten vor der eigenen Haustür. Aber klar, warum nicht ein paar Euro in einen Müllpicker investieren und beim nächsten Spaziergang den Müll vom Wegesrand einsammeln. Was da wohl zusammen kommen mag?

  7. @Fernseher: Danke für Deine Nachfrage, die meine Vorurteile einstürzen lässt. ;-) Kurzes Googeln bringt Folgendes zutage: Aluminium braucht 15.700 kwh, also ca. 56.000 MJ, Kunststoffe jeweils ca. 80.000 MJ pro Tonne. Hätte ich nicht gedacht! Der Energieaufwand ist natürlich nur ein Aspekt, aber ein wichtiger, der sich gut vergleichen lässt.

    Quellen:
    http://www.fh-flensburg.de/ct/Lehre/INU/%D6kobilanz-Packstoffe-Plastik.pdf
    http://de.wikipedia.org/wiki/Aluminiumh%C3%BCtte

  8. Das mit dem Müllaufsammeln mache ich auch. Immer mal wieder und wenn ich Zeit habe. Bei uns gibt es einmal im Jahr eine „Stadtputzete“ (ja, ja, ich weiß – schwäbisch!)
    Als meine Tochter noch klein war, wollten wir mal einen ganz vermüllten Spielplatz benutzen und haben den erst einmal sauber gemacht. Glücklicherweise waren da so viele Pfandflaschen dabei, dass wir uns noch ein Eis beim Kaufmann „eintauschen“ konnten. Hat sie damals sehr beeindruckt.

    1. In Hamburg gibt es jährlich eine Aktion namens „Hamburg räumt auf!“ – Problem dabei: Es MUSS immer eine Gruppe sein und bisher wollte nie jemand mit mir da mitmachen. Also mach ich es eben alleine.

  9. Sehr interessante Aktion, über die ich gerne gelesen habe! Ich lebe ebenfalls in Hamburg und versuche seit ca. 2 Jahren, möglichst plastik- bzw. nach Bea Johnsons Vorbild komplett müllfrei zu leben. Ein paar Quellen für den müllfreien Einkauf hab ich hier in Hamburg auch schon aufgetan, aber man muss sich die einzelnen Produkte schon sehr mühsam zusammensuchen. Vielleicht hast du Lust, mal ein paar deiner Einkaufsquellen aufzulisten?

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