Ohne Werbung – wie geht das?

Schon lange mache ich mir Gedanken darüber, was dieser Blödsinn mit Werbung soll und ob man sie nicht irgendwie – um seiner geistigen Gesundheit willen – vermeiden kann.
Als Möchtegern-Minimalist reduziert man nicht nur seinen Besitz, sondern wirft auch sein ganzes Konsumdenken um. Damit geht auch eine veränderte Informationswahrnehmung einher. Ich will nicht alles wissen, ich will mich auf Wichtiges konzentrieren, ich will meinen Geist aufnahmefähig halten.
Und dann sieht man sich um und wird von Werbung beschallt, eingewickelt, angebrüllt. Information Overload. Und was passiert da mit uns? An schlechten Tagen fühlen wir uns hässlich, dumm und ungeliebt. Weil uns andere etwas einreden wollen.

Banksy hat es auf den Punkt gebracht:

People are taking the piss out of you everyday. They butt into your life, take a cheap shot at you and then disappear. They leer at you from tall buildings and make you feel small. They make flippant comments from buses that imply you’re not sexy enough and that all the fun is happening somewhere else. They are on TV making your girlfriend feel inadequate. They have access to the most sophisticated technology the world has ever seen and they bully you with it. They are The Advertisers and they are laughing at you.

You, however, are forbidden to touch them. Trademarks, intellectual property rights and copyright law mean advertisers can say what they like wherever they like with total impunity.

Fuck that. Any advert in a public space that gives you no choice whether you see it or not is yours. It’s yours to take, re-arrange and re-use. You can do whatever you like with it. Asking for permission is like asking to keep a rock someone just threw at your head.

You owe the companies nothing. Less than nothing, you especially don’t owe them any courtesy. They owe you. They have re-arranged the world to put themselves in front of you. They never asked for your permission, don’t even start asking for theirs.
-Banksy

(hier gefunden)

Hat er nicht Recht? Werbung ist überall und wir wurden nicht gefragt, ob wir das so wollen. Klar, Werbung kann ansich auch nett gemacht und lustig sein, aber mir ist das trotzdem alles zu viel. Und dann ist da auch noch dieses Problemchen mit dem „Habenwollen“ obwohl man weiß, dass man das Zeug nicht braucht…

Werbung abschaffen geht wohl kaum und ähm, ich möchte hier auch nicht zum Adbusting/Vandalismus aufrufen. (Wobei kann ja auch Spaß machen…) Weil es strafbar ist. Also muss es andere Wege geben, mit der Werbung klar zu kommen – Aber welche?

Meine Ideen/Brainstorming bisher:

– Den eigenen Medienkonsum komplett runterfahren: Kein TV, keine Zeitschriften, kein Radio, keine Blogs, keine sozialen Netzwerke = keine Werbung
– Den Medienkonsum reduzieren und Werbung aktiv ausblenden: Fernsehwerbung: Stummtaste drücken und das Zimmer verlassen, Radio bei Werbung leiser stellen usw.
– Pop-Up Blocker nutzen
– sich über Werbewirkung und Werbepsychologie informieren und sich bewusst machen, worum es eigentlich geht. Was wollen die Werbenden von mir? Was soll das Produkt nützen? Gibt es sowas schon? Meistens wird sowieso nur für das geworben, was schon jeder hat und/oder man nicht braucht. Die Werbetreibenden wollen positive Gefühle beim Konsumenten hervorzuzaubern, weil man sich dadurch besser den Werbeinhalt merken kann. Und wenn man den Werbeinhalt schön abgespeichert hat und im Supermarkt steht, greift man eben zu Produkt xy – denn „man könnte das ja mal probieren“. Tada – ein Erfolg für die Marketingexperten!
Wie machen die das? Sie stellen in Parfümwerbungen grundsätzlich gut aussehende Männer und Frauen in schicken Klamotten hin, am besten noch umgarnt von anderen gutaussehenden Menschen, (Partnerschema) weil wir natürlich erst dann geliebt werden und erfolgreich im Luxus schwelgen, wenn wir mit diesem Duft rumlaufen. Da sitzt die glückliche Durchschnittsfamilie am Frühstückstisch und schaufelt genüßlich ungesundes Zeug in sich rein. Ungesund? egal! Sieh doch, wenn du dieses Produkt isst, klappts auch mit der Familie.
Durch die Analyse von Werbung kann ein reaktantes Verhalten entstehen, das wiederrum hilft, ein souverän denkender Konsument sein zu können.
– sich so oft wie möglich in der Natur aufhalten. Im Wald steht keine Werbetafel, auf dem Gipfel gibt es nur den Himmel.
– Sich jeden Tag Ruhe gönnen um runter zu kommen. Still sein, schweigen, die weißetürkisfarbene Wand anstarren.
– ein Schild „Bitte keine Werbung“ an den Briefkasten anbringen, um Werbung zu vermeiden und falls doch Werbepost kommt – ungesehen in den Müll
– keine Kataloge durchblättern
– keine Produktblogs lesen
– Artikel im Netz z.B. über Pocket lesen
– beim Einkaufen keine Kundenkarten benutzen (generiert nur noch mehr Werbung)
– keine Werbegeschenke annehmen oder wenn doch: Die Schriftzüge abmachen
– Nahrungsmittel in neutrale Container umpacken (sieht super aus!) oder die Ettiketten abziehen

So, mehr ist mir bis jetzt noch nicht eingefallen. Hast du noch eine Idee? Oder findest du das alles unsinnig? Macht dich Werbung wahnsinnig oder nimmst du das gar nicht wahr? -> Ab ins Kommentarfach

Übrigens – Wer sich für Supermarktmanipulationen und Werbung im Allgemeinen interessiert sei auf diese Seite verwiesen: Einkaufen -Wie wir uns manipulieren lassen – Quarks & Co.

8 Gedanken zu “Ohne Werbung – wie geht das?

  1. Hallo,

    Also Ich muss sagen das kann Ich nicht bestätigen. Wenn Ich das so lese muss Ich sagen dass Ich für Werbung anscheinend überhaupt nicht anfällig bin. Ok, Ich schau fern und höre Radio, aber dass da auch mal Webung kommt krieg Ich schon gar nicht mehr mit. Ich kann mich auch wirklich bei auch noch so angestrengtem nachdenekn nicht daran erinnern wan Ich das letzte mal etwas gekauft habe aufgrund von Werbung. Die Werbeblättchen vom Supermarkt & Co. wandern bei mir direkt aus dem Briefkasten in die Mülltonne, auch in der Zeitung oder in Zeitschiften „sehe“ ich die Werbung schon garnicht mehr.

    OK, Im Supermarkt, das gebe Ich zu, da lange Ich auch gerne mal im Süßigkeiten Ragal zu weil die Chips und die Gummibärchen mich so anlachen. Klar, wer tut das nicht. Doch Ich möchte behaupten, dass Ich das im vollbesitz meiner geistigen Kräfte tue und nicht weil das so schön drappiert ist. Wenn man die Tricks mal durchschat hat findet man auch schnell den NoName Kaffefilter, 2 Regale weiter.

    Ich bin der Meinung es gibt nunmal eben diese 2 Sorten Menschen. Die einen die für Werbung und deren Versprechungen anfällig sind und die anderen die es eben nicht sind. Das muss nichtr einmal was mit der Intelligenz im klassischen Sinn zu tun haben. Es gibt auch intelligente Menschen, Doktoren, Proffessoren, die auf diesem Gebiet eine intelligenz-nullnummer sind und trozdem den super-extra-leicht-0% Fett-Käse kaufen weil Ihnen die Werbung sagt es wäre toll. Man kann auch sagen es liegt an der „emotionalen Intelligenz“ will Ich mal sagen. Ja, schwer zu beschreiben, Ich weiss.

    Andererseits, wenn man bedenkt wieviele Arbeitsplätze an der Werbung Hängen. In den Agenturen, den Fabriken, bei den Dienstleistern, in der Presse und im Rundfunk. Wäre die weider arbeitslos, hätten wir auch wieder was zu meckern. ;-)

    In diesem Sinne, einen Schönen Tag noch,

    Gruß aus Kaiserslautern

    Philipp

  2. Sehr spannendes Thema, danke dafür.

    – An unserem Briefkasten klebt ein „Bitte keine Werbung“ – Aufkleber (http://www.kaufda.de/umwelt/bitte-keine-werbung-aufkleber/)

    – Ich schaue kaum fern, wenn ich es tue, wird die Werbung sofort auf „Stumm“ geschaltet und ich gehe in der Zeit Dinge erledigen

    – Im Radio schalte ich sofort auf einen anderen Sender

    – Magazine lese ich nicht

    – Im Internet lese ich nur über Produkte, wenn ich mich eh gerade damit beschäftigt habe, ich also gezielt danach suche

    – Ich benutze einen Pop – Up Blocker

    – Ich erstelle immer einen Einkaufszettel, wenn ich samstags zum Wochengroßeinkauf losziehe. In meinen Einkaufswagen kommen nur die Dinge, die auch auf dem Zettel stehen, keine beworbenen Extras.

    – Ich gehe nie ins Kino (wegen der Kinder *g)

    Werbung kann mich mal, und ganz ehrlich, ich fühle mich total frei davon. YaY!!

    Grüße von Nina

  3. Ich habe kein TV. Nie eines besessen, wenn ich eine eigene Bude hatte. Ich habe kein Radio und lese schon lange keine Magazine mehr. Die Infos, die ich brauche, ziehe ich mir aus dem Netz. Mir ist eh klar, daß von dem, was „da draußen“ in den Medien berichtet wird, sei es Werbung oder Berichterstattung, eh 50 % Müll und nicht wahr ist. Sobald mir ein Katalog in den Briefkasten gesteckt wird, weil ich auf irgendeiner Werbeliste stehe, melde ich mich dort gleich und bitte es abzustellen. Ohne TV, Radio und die sonstige Medien-Berieselung bin ich ruhiger als andere Leute, habe keine Depressionen (weil ich mir keinen Kopp um Dinge mache, die nicht sind – TV schürt nun mal Ängste) und keine Panik, Angstzuständige, Schlafstörungen und ähnliche Zivilisationskrankheiten. Ich hab eh genug Hobbies und arbeite zudem noch intensiv ehrenamtlich, und das macht viel mehr Spaß als sich um Medien zu kümmern :0)

    Der einzige „Nachteil“ ist: Ich kann nicht mitreden, wenn’s um Werbejingles oder Top-Model-Serien geht… Na und? :D

    LG,
    Vio

  4. Wow..Vio, toller Beitrag!
    Das ist ehrlich gesagt das Leben dass ich mir wünsche. Total frei von dem ganzen Sch… :-)

    Mich nervt nicht nur die Werbung, sondern überhaupt die ständige Berieselung durch alle möglichen Medien und Informationen.

    Aber noch hab ich ein bissi Schiss, ich könnte was verpassen, dabei ist das sicher nicht so.

    Aber Werbung brauche ich sicher nicht!

    LG
    Christine

    1. Ja, dieses „Ich könnte was verpassen“-Syndrom ist ja charakteristisch für unsere Zeit. Mit einer Informationsdiät, also eine Woche ohne Internet/Fernsehen/Zeitung/Radio kann man dem Problem entgegen wirken. Erst dann merkt man, wie sinnlos und auch falsch einige Nachrichten sind. Hast du sowas mal ausprobiert?

  5. Ganz ganz toller Artikel! Und genau meine Meinung.
    Seit einem Jahr lebe ich ohne Fernseher. Seit mehreren Monaten auch ohne Radio, weil mich die Radiowerbung einmal zu oft zur Weißglut gebracht hat. Zeitungen und Magazine lese ich schon lange nicht mehr, Produktblogs gar nicht.
    Auch wenn man der Werbung nicht ganz entkommt – blinkende Schilder und übergroße Plakate im öffentlichen Raum lassen sich schwer umgehen – so lebt es sich mit einem minimierten Werbe- und Nachrichtenkonsum wesentlich entspannter. Und ich habe keine Sekunde lang Sorge, dass ich etwas verpassen könnte.
    Auch wenn mich immer wieder Leute komisch ansehen, wenn ich bei gewissen Themen („lustige“ Werbespots, TV-Serien etc.) nicht mitreden kann und das damit begründe, dass ich keinen Fernseher habe. Das können sich viele gar nicht vorstellen und halten mich für ein wenig seltsam. Aber wenn ich dann Posts wie diesen hier lese und entsprechende Kommentare, weiß ich wieder, ich bin nicht allein damit, auch andere haben diese ständige Berieselung satt, die ja längst keine Berieselung mehr ist, sondern ein aufdringliches Geplärre.
    LG, evi

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