Raus aus der Internetblase?!

In letzter Zeit denke ich wieder oft über Informationen nach und was sie mit uns anstellen.
Denn 1. sind wir in unserem Informations- und Kommunikationszeitalter komplett damit überfrachtet und 2. basteln wir uns dank sozialer Medien eine schöne Brille, die zu unserem Weltbild passt. Andere Informationen, die wichtig für eine Meinungsbildung wären, sehen wir dann nicht mehr. Wir folgen Leuten auf Twitter, die so sind wie wir bzw. zu unserem Erfahrungshorizont passen. Wir liken Sachen auf Facebook, von Leuten, mit denen wir „befreundet“ sind.
(Und dann kriegen wir es nicht mal mit, wenn ein Konzern unseren Feed steuert…)
Auf Instagram, Blogs und Pinterest gucken wir uns ständig schick ausgeleuchtete, perfekt inszenierte Bilder an.

Nun, was macht das mit uns?

Ich ärgere mich über die Rechthaberei in einigen Kommentarbereichen (vor allem auf Nachrichtenseiten, wo sich Rechthaberei zwischen Tratsch und andere Mutmaßungen schleicht), ich fühle mich langweilig, weil es bei mir nicht so schick aussieht und kriege nur das mit, was ich wissen will. Was darüber hinaus passiert ist schwer verdaulich, anstrengend und könnte schlechte Gefühle hervorrufen.

Aber ich glaube, genau davon brauchen wir mehr, oder? Wir leben in einer glänzenden, schönen Internetblase und wenn wir da drin bleiben, könnte sich unser Blickfeld noch mehr einengen. Es gibt so viel, wovon wir keine Ahnung haben. Mit dem wir uns noch nicht auseinander gesetzt haben. Ja, es ist anstrengend. Sehr sogar. Aber ich glaube, wir brauchen das, um die Welt da draussen besser verstehen und uns darin einordnen zu können.

Um neugierig, offen und interessiert zu bleiben,

  • folge ich auf Twitter Leuten, die ich nicht kenne und warte ein paar Tweets ab, was sie mir in die Timeline spülen
  • folge ich auf Instagram Leuten, dessen Style mich in erster Linie eher abschreckt
  • lese ich Blogs, die ich normalerweise nicht lesen/ansehen würde
  • rede ich mit Leuten IRL und höre mir wertfrei und achtsam ihre Ansichten zu Leben an

Dann erforsche ich, was das mit mir macht.

Und du?

7 Gedanken zu “Raus aus der Internetblase?!

  1. Hallo Frau Ding Dong,
    ich kam vor kurzem über andere Lebensberatungsthemen auf den Begriff „Minimalismus“ und was sich alles hinter diesem Wort verbirgt.
    Viele Jahre frage ich mich, was bei mir verkehrt läuft, obwohl es mir doch eigentlich gut geht (gehen müsste). Erst der Blick über meinen Tellerrand und das Verlassen meiner Komfortzone brachte/bringt mich den Gründen näher.
    Ich habe schon lange einen Kreativblog, merkte aber bald, dass mich das Kreiseln um Genähtes, Gehäkeltes, Dekoriertes, Gemaltes langweilt. Dazu kommt, dass man bei einigen Wohnblogs fast Minderwertigkeitskomplexe bekommt, weil man denkt „so werde ich nie wohnen können“. Vermischt mit ein paar persönlichen Problemen kann darunter tatsächlich das eigene Selbstwertgefühl leiden.
    Mich haben schon immer Blogs interessiert, die das Leben auch mal kritisch hinterfragen und nicht alles nur rosarot dargestellt wird.
    Ich mag es eher gar nicht, in irgendeine Schublade gesteckt zu werden und bei dem Begriff „Minimalismus“ besteht da schon eine gewisse Gefahr, da es doch eigentlich von jedem anders ausgelebt wird.
    Mir hat es geholfen, zu erkennen, wo es bei mir hakt. Was ich daraus machen und wo mich das noch hinführt, werde ich sehen. Ich finde jedenfalls die Facetten dieses Themas sehr spannend ;o)

    Lieben Gruß
    Conny

  2. Ich finde das, was du machst richtig und handhabe das auch selbst so in der Art, online und offline :)

    Mein sozialwissenschaftliches Studium ist irgendwo eine Suche nach dem Blick über den Tellerrand, online versuche ich auch: einfach offen zu sein für andere Lebensentwürfe/Geschmäcker/usw. Manchmal ist das anstrengend, oft horizonterweiternd. Einen Freund zu haben, der in einer anderen Kultur mit anderer Religion sozialisiert wurde, ist dann so der größte *Test*, wie sehr ich tatsächlich mit ungewohnten Herangehensweisen klar komme. (Nicht, dass es deshalb mein Freund wäre…)

    Praktisch finde ich am Internet, dass ich schneller in Kontakt mit Kreisen kommen kann, bei denen es im echten Leben unwahrscheinlich ist, dass ich auf sie stoße.

  3. Für einen sehr schönen Ansatz hast du dich da entschieden. Ich habe auch das Gefühl, in einer ziemlichen Filterblase zu wohnen, in der sich ALLE kennen, aber fühle mich dort aktuell zu wohl und geborgen, um etwas zu ändern. Die Energie muss gerade woanders hinfließen.

    Liebe Grüße!

  4. Spannende Gedanken. Danke fürs Teilen.
    Immer mehr gelange ich für mich zur Erkenntnis, dass es sogar am Besten ist/wäre, das Internet (v.a. Blogs usw.) Links liegen zu lassen. Das Leben findet analog statt.
    Klar schaue ich auch in Blogs und Tumblr-Bildserien. Freue mich an schönen Bildern und interessanten Blogs. Aber vielleicht sollten wir mal ein paar Monate total anstinenz leben von Blogs und Internet und schauen wie unser Leben tut.

  5. Interessanter Post, danke für die Inspiration! Ich bin tatsächlich noch nie auf die Idee gekommen auf Instagram z.B. auch mal jemandem zu folgen, dessen Stil mir so gar nicht zusagt. Aber gut, ich folge zum Beispiel ein paar Modeblogs, einfach nur um zu gucken was „in“ ist, ob’s nun gefällt oder nicht. ;)
    LG

  6. Ich sehe mich da – wie so oft – etwas im Zwiespalt:

    Einerseits habe ich ein Problem mit Nachrichten, weil sie nur deprimieren. Warum sollte ich mir das antun?

    Andererseits möchte ich wenigstens ein wenig mitbekommen, was gerade passiert.

    Folglich entscheide ich selbst, wann, wie und wo ich Informationen beziehe.

    Allerdings finde ich meinen Internetkonsum ohnehin schon hoch genug. Entsprechend bin ich froh über jede Auszeit und versuche, mir internetfreie Blöcke einzubauen.

    Mit dem Begriff Komfortzone habe ich so meine Schwierigkeiten, denn sie wird ständig erweitert und ist damit zu schwammig für mich.

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