Sauerteigbrot backen (und essen)

Ich habe es geschafft – eines meiner übrig gebliebenen Jahresziele habe ich nun auch erreicht. Ich weiß, eigentlich sollten Ziele ein bisschen hochtrabener sein und nicht so etwas Profanes wie Brot backen, aber ich habe dadurch viel gelernt und es hat wahnsinnig viel Spaß gebracht.
Ich gehe sogar soweit und behaupte: Jeder müsse einmal in seinem Leben Brot backen.
Man braucht Geduld und Beobachtungsgabe, ein bisschen Mehl, Wasser und Salz und vor allem viel Bauchgefühl.
Nachdem mich Gontran Cherrier mit seinen Beschreibungen eher verwirrt hat, probierte ich das Sauerteigbrot-Rezept aus „Genial kochen mit Jamie Oliver“ – aber auch hier eine kleine Ernüchterung: Wann ist ein Teig weich genug? Wieviel Wasser? Wieviel Salz? Anscheinend haben es Spitzenköche nicht so mit genauen Maßangaben für Anfänger…

Die Vorbereitungszeit erstreckte sich fast über eine ganze Woche und ich fühlte mich wie Wissenschaftler und Urmensch gleichzeitig. Als sich bierartiger Geruch in meinem Zimmer ausbreitete, fühlte ich, dass ich es bis jetzt richtig gemacht habe. Sauerteigbrot herzustellen ist irgendwie merkwürdig. Es ist aufregend und beruhigend zugleich. Wie kommt das nur?

Weil schon einige gefragt haben, hier die Anleitung:

Montag: 500 g Roggenvollkornmehl (aus kontrolliert biologischen Anbau, da is noch mehr Mikroflora drin, sagt Jamie) mit „etwas“ Wasser zu einem weichen Teig vermischen. Das Teiggemisch eine Stunde ins Freie stellen. Bei mir stand Teigi am Fensterbrett. Nach der Stunde, den Teig wieder in die Wohnung bringen, mit Frischhaltefolie abdecken und an einen warmen Platz stellen.

Dienstag: Ruhen lassen. Es bilden sich Blasen. Weil bei mir nichts Großartiges passierte, habe ich ihm eine Wärmflasche und ein Bettchen aus einer Decke gemacht, weil es in meiner Wohnung recht kühl ist. Dann gings aber los! Die Mikroflora hat gefeiert! Falls es normal warm in deiner Wohnung ist, musst du das natürlich nicht machen ;D

Mittwoch: Der Teig bildet weiter blasen. Ein bisschen Mehl und ein bisschen Wasser einrühren, damit der Teig eine Konsistenz wie am Vortrag aufweist. In meinem Zimmer stinkt es nach Brauerei. Gutes Zeichen.

Donnerstag: Ruhen lassen. (Bedeutet: Angucken und besorgt sein und verwirrt und voller Vorfreude sein)

Freitag: Der Teig sollte jetzt „bierartig und aschfarben“ sein und nach „Malz riechen“. Jetzt wird geknetet! Den Teigansatz mit 1kg kräftigen Mehl vermischen (ich habe wieder Roggenvollkornmehl benutzt) und so viel Wasser dazugeben, bis der Teig geschmeidig ist und nicht mehr klebt. Gut 5 Minuten lang kräftig durchkneten. Wenn man mag, kann man jetzt 500g Ansatz entnehmen, damit kann man dann angeblich täglich Brot backen. Dann Salz (ich habe 1 TL genommen, Herr DingDong meinte, das sei zu wenig. Jamie Oliver sagt dazu gar nichts.) hinzufügen und das Brot zu einem Laib formen. In eine mit einem bemehlten Tuch ausgelegte Schüssel legen und weitere 14 Stunden gehen lassen.

Samstag: Den Laib aus der Schüssel nehmen, ein Backblech bemehlen, das Brot tief einritzen und bei 190 °C im Ofen ca. 1 Stunde backen. Alter Bäckertrick: eine feuerfeste Schüssel mit Wasser unten einstellen und/oder das Brot mit Wasser bepinseln für eine schöne, knusprige Kruste.

Und das Ergebnis sieht so aus:

und schmeckt himmlisch!

Wirst du es auch mal versuchen? Oder hast du schon mal Brot gebacken? Wie war es für dich? Hast du etwas daraus gelernt? Oder backst du sogar regelmäßig Brot? Hast du eine spezielle Brotbackempfehlung für mich?

Brot zum Lesen:
Übrigens auch ganz interessant: Die Geschichte des Brotes auf Wikipedia!
Das Brot der frühen Jahre von Heinrich Böll
Esaus Kuss von Meir Shalev (gaaaaanz toll!!!)

7 Gedanken zu “Sauerteigbrot backen (und essen)

  1. Hallo,

    na deine Brotbackaktion war ja ein voller Erfolg. Machst du dein Brot nun nur noch selbst?
    Nun ja, jetzt wo du so tolles Brot hast, kleiner Lesetipp meinerseits: „Die Schnitte – eine Hommage an das Butterbrot“. Bin ich Anfang des Jahres mal drüber gestolpert auf der Suche nach „Belag“-Alternativen fürs Pausenbrot.
    Darin steht auch viel über die Geschichte des Brots, dessen Herstellung und seine vielfältigen Arten geschrieben. Ein schönes Buch einfach.
    ( http://www.amazon.de/Die-Schnitte-Eine-Hommage-Butterbrot/dp/3440113159/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1314706770&sr=8-1)

    Gruß und guten Appetit!
    Rolf

    p.s.: Vielleicht noch ’ne kleine (An)Frage, deine Kategorie Hamburg (wurde ja u.a. am „Blog-Geburtstag“ gewünscht) betreffend. Die Stadt im Norden will ich mir schon länger mal ansehen. Da du ja auch (ab und zu) joggst, könntest du evtl. mal ne interessante Laufrunde vorstellen? Die Alster soll ja sehr beliebt sein, aber ein Geheimtipp deinerseits wäre auch schön. Kennst du dieses Sightjogging in Hamburg? http://www.touristjogging.de/ Dort werden auch mehrere Touren angeboten, als Fremder wüsste ich allerdings nicht, welche am reizvollsten wäre. Du?

    1. Ach, nein, ich denke nicht, dass ich Brot nur noch selbst machen werde…Jetzt wo diese hemmende Angst vor Sauerteig verschwunden ist, werde ich vermutlich noch andere Rezepte ausprobieren, aber in Großproduktion will ich nicht einsteigen :D
      Mal sehen :)
      Danke für den Buchtipp, ich werd’s mir mal anschauen.

      Hm…Also wenn ich eine von den Sightjoggingtouren wählen müsste, wäre das die Tour an der Oberalster. Die Alster selbst und an der Elbe entlang ist zwar auch ganz nett, aber das ist oftmals im wahrsten Sinne des Wortes: Überlaufen. Die Oberalster hat Steigungen, Wald und Wasserduft und ist sehr idyllisch. Vierlande ist bestimmt aber auch noch gut! Wenn du im Wald mal auf sandigem Boden joggen willst, solltest du die Tour durch die Harburger „Berge“ wählen :)

      Hier findest du noch weitere Ideen: http://www.hamburg.de/laufstrecken-in-hamburg/

  2. Wow! Ein beeindruckendes Brotprojekt. Ich weiß nicht ob ich dazu die Geduld aufbrächte aber den Bilder nach zu urteilen, scheint es sich sehr gelohnt zu haben. das Brot sieht jedenfalls toll aus. Falls es mal was Schnelleres frisch Gebackenes sein soll, hab ich hier ein Rezept für ein leckeres Kastenbrot:

    Es heißt Fünf-Minuten-Brot und kommt aus Vegan lecker lecker! (http://www.amazon.de/Vegan-lecker-raffinierte-K%C3%B6stlichkeiten-veganen/dp/3000264205/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1314884675&sr=8-1)

    1 Pck Frischhefe
    1 TL Salz
    500 ml lauwarmes Wasser
    500g Dinkel- oder Weizenvollkornmehl
    50g Sonnenblumenkerne
    50g Leinsamen
    50g Sesam
    2 EL Obstessig
    ÖL

    1) Die Hefe in das Wass bröseln und unter Rühren darin auflösen.

    2) Die trockenen Zutaten in einer Schale vermischen. Dann die Hefe-Wasser-Mischung und den Essig hinzugeben und alles kräftig verrühren.

    3) Den dickflüssigen Teig in eine gefettete Kastenform geben und oben mit etwas Öl bestreichen.

    4) Das Brot im vorgeheizten Backofen bei 175°C ca. 50 Minuten backen.

    Erfahrungsgemäß braucht das Brot viiiel länger bis es innen fertig ist (mit nem Holzstab testen) und die feuerfeste Schale mit Wasser ist sehr hilfreich, damit es nicht zu einem trockenen Klotz wird :) Die Körner kann man auch gegen Rosinen, Mandeln, Nüsse, Kürbiskerne, Zwiebeln, getrocknete Tomaten etc. austauschen.

    Liebste Grüße,
    Marenkalein

  3. Ein verstehe ich aber nicht, vielleicht kannst du mir da helfen.

    Also, wenn dieser Sauerteig fertig ist, kann man etwas davon nehmen um Brot zu backen. Wieviel muss ich denn noch dazutun und was? Ich glaub ich bin zu dumm zum Brot backen.
    Und wie lange reicht dieser Sauerteig für die Brote?

    Irgendwie finde ich dazu nichts im Internet.
    (kannst du mir evlt. ne Email schicken?)

    lg Sabrina

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