Shopping und Spiritualität

Es kommt zwar nicht oft vor, aber doch mindestens einmal im Quartal. Da habe ich das dringende, seltsame Bedürfnis durch Shoppingmalls und Fußgängerzonen zu bummeln. Ich gehe in Läden, gucke mir Dinge an, frage mich, ob ich sie brauche, beantworte diese Frage mit einem entschiedenen „Nein!“, lege die Sachen zurück und gehe wieder. Und bin hinterher total gestresst und genervt und ärgere mich über mich selbst, weil ich doch eigentlich weiß, dass mir das gar nicht gefällt.
An manchen dieser Tage kaufe ich dann doch eine Kleinigkeit. Eine neue Teesorte, einen Nagellack oder Bastelkram. Brauch ich alles nicht, denn ich habe genug, aber das ignoriere ich und daheim bin ich gestresst, genervt und ärgere mich über mich selbst.

Ich habe mich gefragt woher dieses Bedürfnis zu dieser Bummelei kommt.

Und nachdem ich im Laden sämtliche Fragen wie:
– „Brauche ich es wirklich, oder will ich es nur haben?“
– „Gefällt mir dieses Ding oder gefällt mir nur die Marketingstrategie?“
– „Bin ich bereit, das Ding zu reparieren, auszutauschen, abzuwischen, zu pflegen?“
– usw.

beantwortet habe, ist mir aufgefallen, dass es darum in diesem Fall gar nicht geht. Es geht um meine Spiritualität. Es geht um das Gefühl, mit allem verwoben zu sein, Urvertrauen ins Leben zu entwickeln und eine Orientierung zu gewinnen, die mir Klarheit und Kraft schenkt, um Krisen zu meistern. Ich renne nur draussen herum, weil mir langweilig ist oder weil ich gerade nichts mit mir anzufangen weiß. Weil ich in den Dingen meine Identität finden will.

Die Fragen müssten also nicht nur „Brauche ich das Ding wirklich?“ usw. lauten, sondern auch:
– „Was brauche ich stattdessen?“
– „Wie fühle ich mich gerade?“
– „Geben mir die Dinge halt?“ Was bedeuten sie für mich?“
– „Ist das Ding, das ich kaufen möchte, nur ein Symbol?“
– „Wie kann ich mich wieder besinnen, wie mich selbst entdecken?“

Seit ich herausgefunden habe, was dahinter steckt, hat sich dieses Bedürfnis gelegt.

4 Gedanken zu “Shopping und Spiritualität

  1. Ich habe vor einiger Zeit eine Studie gelesen, dass wir Frauen besonders während unserer „fruchtbaren Tagen“ das Bedürfnis verspüren zu shoppen und wenn wir uns dann nichts gönnen absolut genervt sind :D

    Ich weiß natürlich nicht, ob das wirklich so stimmt. Aber vielleicht ist es rein biologisch und du kannst da gar nichts für :D

    Aber ich finde es sehr gut, dass du nachfragst, ob du etwas wirklich brauchst. So können wir den Konsum auch an anderen Tagen reduzieren und so weniger verschwenderisch sein :)

    Liebe Grüße und mach bitte weiter so mit deinem Blog, er inspiriert mich sehr. Lg die grüne Muse

    1. hmm…ich glaube nicht, dass das bei mir so ist. Ich verspüre ja nicht mal das Gefühl etwas KAUFEN zu müssen, sondern einfach nur das Bedürfnis in den Geschäften rumstreunern zu müssen. Vielleicht gucke ich mir gerne sortierte, gestapelte Dinge an?

  2. Erschreckend. Und mir geht es ganz genauso. Seit ein paar Wochen fange ich erst an zu merken, dass ich nur aus langerweile einkaufen gehe. Sobald ich ein wenig Geld und Zeit über habe, steuere ich zum shoppen. Irgendetwas landet ja auch immer in der Tüte.
    Wenn mir dass dann bewusst wurde, fragte ich mich was ich stattdessen unternehmen sollte….und mir fiel nichts ein. Natürlich kann man dann auch mal wieder ein Buch lesen oder etwas unternehmen. Aber auf nichts hatte ich Lust.

    Was ich mich aber wirklich frage. Die Zeit und das Geld, die man durch die Achtsamkeit, den Minimalismus einspart, was macht man mit der? Wofür gebt ihr dann euer Geld aus? Womit verbringt ihr dann eure Zeit? Irgendwie mündet doch alles in den Konsum, oder?
    Reisen….das wäre mein Wunsch….und irgendwie bin zu feige den Schritt zu wagen.

    Ganz liebe Grüße

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