Social Money oder Ich kauf mir meine Freunde

Gestern. Im Bus. Buch vergessen. Zu dumm. Entweder andere Leute anglotzen, oder sich krampfhaft bemühen woanders hinzuschauen. Erst ein bisschen ins Smartphone geglotzt, dann aus dem Fenster. Werbung, mal wieder überall.
Dabei fiel mir eine Werbung ins Auge, die momentan fast überall hängt. Ein weißer Hintergrund, ein paar Skribbles, nette -wie immer- langweilige und gutaussehende Leute, die in ihr Handy Smartphone lächeln und darüber die Aufforderung man solle doch seinen Freunden „schnell und einfach“ vom Handy aus das Taxi bezahlen, schon mal das Geld für die Kinokarten rüberschicken oder die Restaurantrechnung begleichen.

Mein konsumkritischer Reflex:“Hääää? warum sollte ich das denn tun?“

Meine Freunde haben Geld, ich lade auch gern mal jemanden ein. Das ist nicht das Problem. Ich kann auch meinen Freunden Geld pumpen, das ist auch nicht das Problem.

Ich habe ein Problem damit, wie das beworben wird. Das hat irgendwie einen faden Beigeschmack. Und ich weiß noch nicht mal genau was mich daran stört.
Da ich ja nichts zum Lesen dabei hatte, konnte ich mir ein paar Szenarien ausdenken.

Angenommen alle würden auf den Zug aufspringen und sich permanent alles Mögliche bezahlen… Was passiert dann?

Bin ich dann beliebter, weil ich immer aufgrund meiner Persönlichkeit schnell und zuverlässig irgendeine Summe auf das Telefon eines Freundes schicke? Habe ich dann mehr Freunde?
Erkaufe ich mir so Freundschaften?!
Bricht meine Clique auseinander, weil der eine mehr überweist und der andere fast nie was? Muss man das dann reglementieren, damit es gerecht für alle ist? Verwandle ich meine Freunde in monetäre Einheiten, die ICH dann (unterbewusst?) in Geizkragen oder Gönner einteile? Kommt da vielleicht irgendein seltsames Belohnungssystem raus?!

Oder was wäre, wenn das nur einen Nerv der Zeit trifft und das schon so üblich ist und ich zu den alten Säcken gehöre, die sowieso total uncool sind und alles was geil ist permanent verpassen? Ist Geld tatsächlich nur noch Nebensache? Hat ne Clique vielleicht heutzutage schon eine virtuelle Haushaltskasse, in der sich jeder einfach Geld rausnimmt, wenn er/sie es braucht.
Ist das dann „Social Money“? Nach flattr, sponsored content, bitcoin usw. ist das vielleicht nur noch der nächste logische Schritt?!

Die Busfahrt ging zu Ende, ich musste aussteigen, die Gedanken habe ich beiseite geschoben, aber loslassen kann ich sie noch nicht.

Wie würde sich das auf dich und dein Umfeld auswirken? Wäre das bei dir überhaupt möglich? Sollte ich vielleicht einfach mal die Klappe halten und mal ein Feierabendschnaps trinken? :D
Vielleicht.

7 Gedanken zu “Social Money oder Ich kauf mir meine Freunde

  1. Hmm, von so einer App höre ich jetzt das erste mal…
    Ich verstehe auch den Sinn dahinter nicht. Wenn ich meinen Freunden etwas ausgebe, dann bin ich doch dabei, oder? Warum sollte ich jemandem in meiner Abweseneheit einen Kinobesuch bezahlen?
    Höchstens vielleicht als neues papier- und kartenloses Gutscheinsystem. Da würde es vllt Sinn machen.
    Bin mal gespannt, ob sich der Sinn dieses Produkts noch klärt. Mysteriös…

  2. Wer auf jeden Zug aufspringt, bricht sich irgendwann mal das Genick. Geh lieber einen Schnaps trinken. Oder zwei. :-)
    Wer echte Freunde hat, braucht sich keine Gedanken um so eine bescheuerte Werbung machen.

    Grüßchen
    Elli

  3. Nu, allzu viel habe ich zu dem Thema nicht gefunden. Vielleicht ist das so was ähnliches wie „Venmo“ oder dem bezahlen per Twitter. Den http://www.sueddeutsche.de/digital/start-in-frankreich-twitter-mir-mal-geld-1.2171073 Artikel habe ich gefunden – mehr nicht.

    Verstehen kann ich das (auch) nicht. Aber, das wird im Artikel erwähnt, das gilt für sehr viele über 30ig :-D

    @Marisa – der Link funzt nicht. Das müsste wohl hinten WordPress.com und nicht .de heißen?

    @Frau Ding Dong
    Bezüglich „Schnaps“
    Den Schnaps nach Feierabend trinken oder ist nach dem trinken des eventuellen hochprozentigen Gebräus feierabend?

  4. Erst mal vielen Dank für den Blog-Beitrag, der mich zur weiteren Recherche verleitet hat. Ich habe vergeblich nach diesem Plakat gesucht, das du beschrieben hast. Na ja, ist vielleicht auch besser so. Sonst hätte ich mich nur wieder aufgeregt, mit welchen unsinnigen Apps man heutzutage eine Fangemeinde aufbauen kann.

    Dann habe ich mich mal über die Bezahl-App „venmo“, die waelti in seinem/ihrem Kommentar erwähnt, informiert. Der Sinn dieser App erschließt sich mir nicht wirklich. Erst leihe ich mir von Jemandem Geld, nur um es dann später über diese App zurückzubezahlen? Dann kann ich doch gleich mit dieser App bezahlen oder ist das nicht möglich? Und was ist, wenn keiner mehr Bargeld oder Karten bei sich führt? Dann kann sich niemand mehr was leihen und somit ist die App auch wieder überflüssig. Ihr seht, über meinem Kopf stehen noch viele Fragezeichen. Aber der Nachmittag ist noch lang, ich werde mich noch ein wenig in die Thematik einlesen. Vielleicht bin ich am Ende geläutert …

    Grüßle,
    Isabelle

  5. @ waelti: ja, oh mann, das passiert mir immer wieder mit der blöden endung… Natürlich soll es .com heißen ;).

    Werd mich auch mal in deinen artikel einlesen, bin zwar noch unter 30, aber ich versteh denn sinn der app bisher trotzdem nicht. Vllt werd ich schlauer.

  6. //Offdiscussion: in meiner WG gibt eine Kollektivkasse für Kollektivgüter aus der jeder nimmt was er will. Klappt hervorragend.
    Was das ausgebeben angeht: krieg ich Bier bezahlt, bezahl ich meist das nexte. Grundsätzlich mag ich es mit FREUNDEN ausgeglichen. //
    Das mit den Smartphone is quark, aber die Idee geht klar (mit dem Ortungebundenen bezahlen. Das Freundschaftsgetue ist Propaganda. Freundschaft mit einem (noch) schlechte Dienst zu verbinden stärkt das Produkt wg. positiven Gefühlen. – mm

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