Was ich aus meinem Sci-Fi und Dystopien Leseprojekt gelernt habe

Für das Jahr 2015 habe ich mir vorgenommen, die „Klassiker“ der Science-Fiction Literatur zu lesen. Dystopien durften auch vorkommen und wenn mir ein Sci-Fi Bestseller untergekommen ist, hab ich den auch gelesen.
Jetzt wo ich darüber schreibe, kann ich mich gar nicht mehr wirklich daran erinnern, was diesen Wunsch in mir ausgelöst hat. Vermutlich weil mir aufgefallen ist, dass ich zwar gern Sci-Fi-Filme anschaue, aber ich mich nie an das Genre in Buchform herangetraut habe. Vielleicht kommt das aber auch durch die ganzen Comics.

Es war total interessant, sich gezielt auf ein bestimmtes Genre einzulassen. Auch wenn ich nicht genau sagen kann, was es ist – es hat was mit mir gemacht. Es hat sogar mein neues Leseprojekt für 2016 inspiriert.
Interessant fand ich, dass so viele Autoren gleiche/ähnliche Themen auf so unterschiedliche Art und Weise beackert haben. Es wird in diesem Genre also nicht langweilig.

Mir fällt es schwer, meine Gedanken in Worte zu fassen.
Ich war auf fernen Planeten und hier auf der Erde; ich war beim Militär und bei der NASA, ich war als Diplomat und Alien unterwegs. Ich war ein Klon, eine Gebärmaschine, ein Roboter, ein Faschist. Ich war ein einsamer Mensch, der sich in einer zerstörten Umwelt orientieren und neu erfinden musste.

Egal welches Szenario, die Geschichten sind immer eine Einladung, die Zukunft anders oder neu zu denken und Bekanntes anders zu sehen. Es hat mich sehr inspiriert, diese „Was wäre wenn…“-Fragen auf unsere jetztige Gesellschaft zu übertragen und siehe da – so weit sind wir gar nicht davon weg. Und genau da wird es für mich sehr reizvoll. Ein anderes Setting, etwas, was ich nicht kenne, zwingt mich dazu, mich selbst zu hinterfragen und das passiert in den Geschichten mal mehr oder weniger stark gleichzeitig mit der Entwicklung der Protagonisten. Was bleibt übrig, wenn die Welt untergeht? Wie konstruiere ich mir ein neues Selbst, wie passe ich mich an? Sichwort: Angst/Vertrauen und Resilienz.
Wann beginnt die Verrohung oder anders: Wie kann ich Mensch sein und bleiben? Und dann die fortschrittlichen Technologien: Was macht das mit mir? Mit uns als Gesellschaft? Diesen komplexen Fragestellungen im Roman zu begegnen eröffnete mir einen neuen Zugang zu diesen Themen und deshalb finde ich es so schwierig, meine Gedanken in Worte zu fassen. Es ist zu viel :D Ich habe gelernt, dass ich aus diesen Romanen Fragestellungen mitnehmen kann in die „echte Welt“ und darin steckt die eigentliche Kraft einer Geschichte.
Mir fällt gerade kein anderes Genre ein, wo so viele Fragen aufgeworfen werden. Oder liegt es nur daran, dass ich dieses Jahr so viel aus diesem Genre gelesen habe?
Ich glaube im Übrigen auch, dass das Subgenre „Dystopien“ (vorallem im YoungAdult Novel Bereich) deshalb so beliebt ist, weil wir uns insgeheim den totalen Zusammenbruch wünschen. Damit wir endlich aufhören mit diesem Rumwurschteln und einen echten Neuanfang hinkriegen. Vielleicht braucht die Menschheit das. Gibt ja keine natürlichen Fressfeinde und wir machen uns selbst mit unserem Kamikaze-Kapitalismus total verrückt. Einmal entrümpeln und dann neustarten. Hm. Gut, ich hör schon auf.

Jedenfalls kann ich es sehr empfehlen, ein Genre – egal welches – mal ein bisschen fokussierter zu lesen und mal nachzuspüren, was das mit einem macht. Viel Spaß beim Lesen!

Hast du einen Lieblings-Sci-Fi-Roman? Hast du das Genre erst jetzt für dich entdeckt? Liest du sowieso immer nur ein bestimmtes Genre? Warum?

10 Gedanken zu “Was ich aus meinem Sci-Fi und Dystopien Leseprojekt gelernt habe

  1. Oh, das gefällt mir: „…weil wir uns insgeheim den totalen Zusammenbruch wünschen…“ Sehe ich auch so.

    Ich lese sehr viele Genres und immer wild durcheinander. Besonders viele Sci-Fi-Geschichten sind – nach einigem Überlegen – aber nicht dabei.

    Gleich stöbere ich ein bisschen in deiner Liste und werde mich mal inspirieren lassen. Dystropische Filme (The Road, Book of Eli) mag ich ja auch ganz gerne.

    Lieben Gruß
    Steffi

  2. Lebt man nicht eigentlich schon in der schlimmsten Dystopie, wenn man sich „insgeheim den totalen Zusammenbruch“ wünscht? Das heißt ja im Grunde, dass alles besser ist, als es jetzt ist. Oder zumindest: es ist heute so schlecht, dass man sich wünscht, es möge noch schlechter werden, damit es endlich besser werden kann.

    Ein ‚SF-Autor‘ im Mittelalter hätte sich wahrscheinlich nichts Dystopischeres vorstellen können, als unsere heutige Welt ohne Gott, ohne die Hoffnung auf ein besseres Jenseits. Die Zusammenbruchsphantasie ist ja im Grunde etwas Ähnliches, eine Hoffnung auf ein besseres Jenseits, nur dass das Jenseits jetzt ein ‚jenseits der kapitalistischen Welt‘ ist, das wir uns genauso schön zurechtphantasieren wie der mittelalterliche Christ sein Paradies.

    Ich war mal totaler SF-Fan, Perry Rhodan uns so. Aber mir fällt gerade auf, dass ich nie wirkliche SF-Literatur gelesen habe.

    Früher fand ich die Wüstenplanet-Serie toll, ist eigentlich auch etwas für Minimalisten, Wasser-Minimalismus hauptsächlich. Und es ist eine quälerische Suche nach dem ‚goldenen Pfad‘, einer (besseren) Zukunft für den Menschen, aus unzähligen möglichen Zukünften, möglichen Pfaden in die Zukunft. Das hatte mich als Jugendlicher schwer beeindruckt, neben der ganzen Öko- und Kargheitsproblematik: durch taused mögliche Zukünfte den goldenen Pfad finden, eine Zukunft finden, die sich leben lässt.

    1. „Lebt man nicht eigentlich schon in der schlimmsten Dystopie, wenn man sich „insgeheim den totalen Zusammenbruch“ wünscht? Das heißt ja im Grunde, dass alles besser ist, als es jetzt ist. Oder zumindest: es ist heute so schlecht, dass man sich wünscht, es möge noch schlechter werden, damit es endlich besser werden kann.“ Ja genau das meine ich! Dehsalb sind diese Themen überhaupt nicht soooo weit von uns weg und ich frage mich immer wieder mal warum das eigentlich noch „science fiction“ heißt und nicht einfach „gegenwartsliteratur“ :D
      Warum genau hast du als SF-Fan das Genre nicht weiter erforscht? Hast du vor, dass du es wieder aufleben lässt?

      1. „Warum genau hast du als SF-Fan das Genre nicht weiter erforscht? Hast du vor, dass du es wieder aufleben lässt?“

        Gute Frage – irgendwann hatte ich den Wahn, etwas aus Büchern lernen zu müssen und die Überzeugung, dass man aus SF- und Fantasy-Büchern nichts lernen kann. Hab dann eher Sachbücher, ‚Klassiker‘, Philosophisches und historische Romane mit zumindest minimalem Anspruch an historische Korrektheit gelesen – alles vollkommen wirr durcheinander. Da beneide ich deine Konsequenz und Systematik.

        Ansonsten war (und bin wohl immer noch) eher auf ’nem Selbstbeschau-Trip – war immer auf der Suche nach Büchern (genauer: Textstellen), die für mich etwas ausdrücken, was ich selbst so fühle, aber einfach nicht ausdrücken kann – da waren meine Erwartungen eher gering, so was im SF-Genre zu finden.

        „Hast du vor, dass du es wieder aufleben lässt?“

        Na ja, ab und zu lese ich ja noch was in der Richtung. Aber als ‚Projekt‘ wohl eher nicht ;-). Ach ja, eine Dystopie-Empfehlung hätte ich da noch: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schockwellenreiter

        „Die Nation war in ein dichtes Netzwerk aus miteinander verflochtenen Datenkanälen eingewoben, und ein Zeitreisender aus der Epoche vor hundert Jahren wäre darüber entsetzt gewesen, in welchem Maße vetauliche Informationen völlig Fremden zugänglich geworden waren, die nicht mehr zu können brauchten als zwei und zwei zusammenzurechnen.“
        Und das schrieb er 1975 – stimmt, da fragt man sich wirklich, „warum das eigentlich noch „science fiction“ heißt und nicht einfach „gegenwartsliteratur“.

        In den SF-Dystopien gibt’s aber meist irgendwo das indentifizierbare Böse, das die Fäden in der Hand hält und gegen das man kämpfen kann. Die Guten sehen das Böse und da ist nichts, was man nicht mit einer guten Kugel/Bombe lösen kann. Das hilft irgendwie nicht weiter in einer Situation in der sich eine Gesellschaft insgesamt kulturell verlaufen hat und in der das Böse (oder das Blöde) in Milliarden Köpfen sitzt, inklusive dem eigenen.

  3. Hallo Frau DingDong,

    ich bin durch Zufall in das Genre gestolpert. Ich habe eine Dystopie gelesen und wollte mehr davon. Mir gefallen ebenfalls die großen Fragen, die immer wieder aufgeworfen werden.

    Seitdem ich Science-Fiction lese fühlt sich mein Leseleben vollständig an – es hat mir zuvor wohl gefehlt, obwohl ich das gar nicht wusste! Selbes gilt auch für Fantasy – aber die lese ich lieber in bedachter Dosierung. Die fremden Planten gilt es noch zu entdecken.

    Viele Grüße
    Annika

    1. oh, das hast du aber schön gesagt! „Mein Leseleben fühlt sich vollständig an“ das stimmt für mich auch!! Ich will das Genre nicht mehr missen. Bei Fantasy traue ich mich auch nicht so wirklich, aber „Die Elfen“ von Bernard Hennen hat mir gut gefallen und ich wollte immer noch die anderen Teile aus diesem Kosmos lesen.

  4. Ich versuche zur Zeit auch viel SF zu lesen, wobei ich mich aber nicht auf ein bestimmtes Genre versteife, dafür kommt mir viel zu viel dazwischen.
    Zur Zeit lese ich z.B. mal wieder den „Lord of the Rings“

    SF die mir gut gefallen hat ist Ilium/Olympos von Dan Simmons, ‚The left hand of darknes‘ von LeGuin und die Mars Trillogie von Robinson. Und natürlich die Sternentagebücher.
    Irgendwann möchte ich mich mal an die Asimov-Sachen trauen.
    Hast du Solaris von Lem gelesen?

    Fantasy kann ich nur empfehlen, da gibt es sehr viele gute Bücher. Wobei man schon gut aussortieren muss …

    Schöne Weihnachten
    IRis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*