Was ist wesentlich?

Minimalisten reduzieren ihren Besitz, ihre Beziehungen, ihre Gewohnheiten und Verpflichtungen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Schon vor 2 Jahren habe ich mir Gedanken gemacht, was das sein soll, dieses schwammige „Wesentliche“. Ist es die Zeit, die frei wird, die man dann mit lieben Menschen verbringen kann? Oder ist es die Klarheit, die man gewinnt und mit der man sein Leben in den Griff bekommt?
Ist es das?
Oder kann man das auch per Selbstorganisation und Coaching erreichen?

Vereinfachung kann Stress vermeiden, aber wenn sie zu einem Lebensstil werden soll, müssen wir wissen, wofür wir unser Leben vereinfachen.

Was ist wesentlich? „Wesentliches ist für jeden etwas anderes!“ – Stimmt das wirklich?

Ist das Wesentliche nicht einfach: ein gutes Leben führen, klares Handeln ohne Leid zu verursachen und die Welt besser und schöner zu hinterlassen als man sie vorgefunden hat?

15 Gedanken zu “Was ist wesentlich?

  1. Ich glaub, du widersprichst dir da eigentlich nicht: „ein gutes Leben führen“ kann ja für verschiedene Menschen verschiedene konkrete Formen annehmen. Die Konkretisierung des Wesentlichen kann anders sein, auch wenn der Kern, das „gute Leben“ gleich bleibt.

    1. @kim @waelti und @anda
      eigentlich wollte ich auf zwei verschiedene Arten von „Wesentliches“ hinweisen, denn in vielen Minimalismusblogs bleibt das Thema entweder überhaupt nicht angesprochen oder eben abgehandelt mit „Zeit für Familie“ oder „Zeit und Kraft für mein Lieblingshobby“ – was ja ansich überhaupt nicht verwerflich ist. Aber wenn man das einmal geschafft hat (und das kann man durch Coaching oder Organisation auch lernen, da muss ich mich nicht mit Minimalismus beschäftigen) – was kommt dann? Was ist DANN das Wesentliche? Wie geht es dann weiter? Wofür reduziert man? Ja – für das Wesentliche. Und da glaube ich schon, dass es etwas überpersönliches sein muss, unabhängig von persönlichen Entwicklungen, damit man die Motivation nicht verliert.

  2. Ich setze noch einen drauf:

    Vielleicht ist das Wesentliche nicht nur für unterschiedliche Menschen jeweils etwas anderes.. ..das Wesentliche kann doch auch für _eine_ Person zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten was anderes sein?

    „Ein gutes Leben führen“ ist auch keine 100%ige Definition, siehe oben. Aber: ich habe auch keine Bessere. Und die Definition gefällt mir sehr gut.

    Im Übrigen fällt es mir leichter, wenn ich (für mich) definiere, was das Wesentliche _nicht_ ist. Kurz: das „Haben“ ist für mich nicht wesentlich.

    Vermutlich bin ich nicht in allen Dingen Minimalist, das wird auch kaum möglich sein? Ich frage mich nur recht häufig, ob mein alltägliches Leben nicht mit _weniger_ geht. Dass manches mit „weniger“ einfacher, schöner und manchmal intensiver ist, das ist nur eine Randerscheinung ;)

  3. Das Wesentliche ist für mich erst mal das, was übrig bleibt, wenn alles Überflüssige weg ist. Der Kern meines Lebens, quasi.

    Was ich aber als überflüssig in meinem Leben empfinde, das ist für jemand anderen absolut wesentlich. Deswegen kann ich meinen beiden Vorrednern nur zustimmen: dein Gedankengang widerspricht sich (zumindest meiner Definition nach ;) ) nicht.

    Und ich gehe voll mit waelti mit: der Mensch ist ja nichts Statisches! Das Leben verändert sich, Prioritäten verschieben sich. „Das Wesentliche“ ist mMn kein heiliger Gral, den man – einmal gefunden – in eine Vitrine stellt und sich immer an ihm orientiert. Für manche Menschen mag es nicht wesentlich sein, die Erde ein bisschen besser zu hinterlassen, als sie sie vorgefunden haben. Aber es kann zu etwas Wesentlichem werden. Oder auch nicht.

  4. @frau dingdong
    verkehrtrum: das „überpersönliche“ ist auch schwer zu greifen. nach ein bisschen grübeln wäre meine Definition im Zusammenhang mit Minimalismus: etwas (nur tlw.“Dinge), die nix mit dem ego, der persönlichkeit zu tun haben. so etwa, sehr grob.

    Vielleicht muss ich für mich auch den begriff minimalismus überdenken. mein schwerpunkt liegt schon auf dem Weglassen. am Anfang waren das meistens Dinge, dann Tätigkeiten. inzwischen bin ich bei Gedanken angelangt. der „Effekt“ ist wohl der Gleiche, es bleibt mehr Zeit. Zum Beispiel für Kontakte (Familie), wie du angesprochen hast.

    Vieles wird mir wichtiger (wesentlicher), _nachdem_ ich das „entdeckt“(kennengelernt) habe. Da sind eine ganze Menge Dinge dabei, nach denen ich nie gesucht habe. Und nach denen ich vermutlich auch nicht gesucht hätte. Wie auch? Ich kannte dieses, teilweise auf den Moment bezogene, „Wesentliche“ nicht. Und ja, das ist recht dynamisch, nicht statisch. So wie das auch @anda angesprochen hatte.

    Die Zusammenfassung wäre: Was das Wesentliche ist, das weiß ich oft vorab nicht. Ohne ein bestimmtes Ziel gesetzt zu haben komme ich an einem Neuen Punkt an. Den Punkt betrachte ich und stelle oft erstaunt fest: das ist wieder der Beginn für etwas Anderes.

  5. Schwierige Frage …
    Ich denke das meiste wurde schon gesagt. Vorallem der individuelle Aspekt ist wichtig.
    Ich selber bin durch die vielen Änderungen (Arbeitszeit reduzieren, Konsum reduzieren, neues Hobby) viel ausgeglichener und zufriedener.
    Früher viele es mir schwer mich noch für Sport und andere Dinge aufzuraffen. Heute kann ich es manchmal garnicht mehr erwarten zum Training zu kommen.
    Aber mein Wesentliches ist nicht das der anderen…

  6. @Frau DingDong: sorry, falsch verstanden. Mal gucken, ob wir uns diesmal im selben Gespräch finden :)

    Ich bezweifel, dass man mit Organisieren auf’s Wesentliche kommt. Ohne reduzieren räumt man dem, was eigentlich wesentlich ist, nur auch etwas Platz ein. Aber bloß als Glied einer Kette unwesentlicher Ablenkungen. Besser als nichts, aber nur ein Anfang.

    Ich glaube, dass der Mensch im Wesentlichen nach Wohlbefinden strebt. Die einzige konstante Art des Wohlbefindens ist das stille innere Glück. Andere Arten hängen von äußeren Umständen ab. Egal wieviel man z.B. in den Genuß von Feuerwerksmomenten (kurzzeitiger Befriedigung) kommt, man hat keine Kontrolle über sie. Es bleibt immer eine Angst im Inneren: was, wenn ich mein Geld verliere und auf kein Carlile Konzert mehr gehen kann? Was wenn ich meine besten Freunde verliere, mein Netz, in das ich mich fallen lassen kann? Was, wenn ich krank werde und nicht mehr reisen kann?
    Reduzieren hilft, die äußeren Ablenkungen aus dem Weg zu räumen, um den Blick auf das Innere freizumachen. Reduzieren hilft zu erkennen, dass Glück eine aktive, innere Einstellung ist, unabhängig von äußeren Umständen.
    Ob und wieviel man reduzieren muss, um das zu erkennen – und dann danach dauerhaft zu leben – wird unterschiedlich sein. Und auch wenn man dieses stille Glück schon gefunden hat, finde ich, hilft reduzieren, das ruhige Wohlbefinden beizubehalten. Reduzieren als Mittel zum Zweck erinnert: ja, auch mit nur 3 Büchern statt 300 kann man glücklich sein. Weil das stille Glück im Inneren wächst.

    Macht das Sinn?

  7. Es wurde jetzt schon vieles geschrieben und gesagt und eigentlich auch das Wesentliche. Trotzdem hier noch ein paar Gedanken meinerseits.

    Die Frage nach dem „Wesentlichen“ beschäftig wohl die meisten Menschen die sich nach einem einfacheren Leben sehnen. Und da man dieses „Wesentliche“ nicht wirklich fassen kann, lässt man es eben sein.
    Man kann ins „Wesentliche“ eigentlich alles hineinpacken, was man gerade möchte. Denn es ist sehr subjektiv – denn wir alle sind ja Subjekte und keine Objekte. Wir können demnach nur subjektiv sein und denken.

    Seit einigen Jahren versuche ich ein einfacheres Leben – Lessness – zu leben (ja, damals inspieriert durch das Buch von Michael Simperl; also „lange“ vor dem Minimalismus-Hype :-) ).
    Indem ich mich auf Weniges zu konzentrieren versuche und weniger mich durch Besitz und „Life-Waste“ konzentriere, geht es mir besser. Ich kann das Wenige geniessen, vielmehr als der Überfluss. Ich geniesse das Wohnen, meine Familie, die wenigen – aber dafür quailitativ erstklassigen – Kleider, Essen das ich mir selbst zubereite mit orginalen Produkten, wenige, dafür echte Freunde und nicht solche aus dem „Gesichts-Buch“ … das ist für mich ein Leben, das sich auf das Wesentliche konzentriert, indem ich ausgeglichener bin und weniger das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen (Dinge, Events, Fernreisen, „Freunde“). Das ist für mich das Wesentliche; rein subjektiv.

    Aber letztendlich ist das „Wesentliche“ eben ein Bauchgefühl. Und deshalb wird es wohl nirgends umschrieben.

    1. „Aber letztendlich ist das “Wesentliche” eben ein Bauchgefühl. Und deshalb wird es wohl nirgends umschrieben.“

      So zack – da haben wir es. Ich frage mich ständig: Ist das WIRKLICH so?

      Das was du beschreibst, ist für mich eine (wertvolle) Ebene von „Wesentlich“ – und wenn ich an dem Punkt angelangt bin: Zeit für Familie, für Hobbys, ein inspriertes Leben das für MICH gut – was kommt dann? Was ist das Wesentliche, wenn ich MICH weglasse?

      (oh wow, danke – das war ne schwere Geburt!!! Jetzt hab ichs!!! Jetzt kann ich weiterdenken!!! DANKE!!!)

  8. Ich wünsche mir mehr Gelegenheiten, in denen ich „im Moment“ leben kann und mir hilft ein minimalistischer Lebensstil zu mehr solchen Augenblicken. Vielleicht wäre das auch auf anderen Wegen möglich, leichter geht es für mich aber so. Fr mich trifft da auch die Floskel „von der äußeren Ordnung zur inneren Ordnung“ ganz gut zu.
    Just my 2 Cents.

  9. @fraudingdong: ich gehe jetzt schwer davon aus, dass dein posting ironisch war. vielleicht hab ich ja provoziert.
    aber ehrlich, ein bisschen hat es ja schon was.

    du frägst, was kommt dann, was ist das wesentliche, wenn das wesentliche erreicht ist. ich sage: nichts.
    oder anders ausgedrückt: dann bin ich am ziel. brauchen wir denn immer ein weiteres ziel? muss es immer weiter gehen? dann sind wir ja nichts anderes als die konsumisten. die suchen auch immer den neuen kick, neue erfahrungen im konsum. aber gerade als minimalisten sollten wir soweit kommen so sagen: das ist es jetzt. darin lebe ich jetzt. ich bin zufrieden mit dem was ist.
    wesentlich, westentlicher, am wesentlichsten?
    nö, ich glaub nicht, dass es das braucht.
    wenn du zufrieden bist, dann lass es so. du, ich wir brauchen nicht mehr.

    so jedenfalls sehe ich das. rein subjektiv :-)

  10. Ich denke, Du stellst hier im Grunde die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die ist so alt wie die Menschheit und kann nur von jedem Subjekt für sich selbst beantwortet werden. Minimalismus hilft meiner Ansicht nach „nur“, Irrwege zu erkennen und zu verlassen.

  11. Die Frage nach dem Sinn des Lebens und allem?
    Die Antwort lautet: 42 !

    …………………………………………………

    Liebe Frau Ding Dong,

    das wesentliche.
    das Wesen

    Der Kern

    Ja ich denke auch, das Wesentliche ist das stille Glück.

    Würde ich Dich,
    auf Dein Wesentliches reduzieren
    so wärst Du ein kleines türkises Büchlein,
    welches einen zutiefst berührt, sobald man es öffnet.
    Voll mit Collagen und Gedankenschnipseln

    das bist Du im Wesen(tlichen) für mich.

    Das Wesentliche ist für mich der Kern,
    egal was mir im Leben widerfährt
    mein Kern bleibt mein Kern
    ich kann ihn dazu bringen eines Tages erneut Früchte hervorzubringen
    ich kann ihn dazu bringen zu vertrocknen

    was nährt meinen Kern?
    Was mich glücklich macht.
    Was macht mich glücklich?
    Alles was meinen Kern nährt.

    Das ist simpel.
    Das wandelt sich.

    Würde nur bleiben was Dich glücklich macht, Deine Seele nährt und berührt… Wäre dann in Deiner Wohnung nur noch ein Holztisch
    mit türkisen Papierschnipseln ?
    Dann könntest Du Dich auf das Wesen-tliche konzentrieren.
    Was würde geschehen & entstehen ? Ein kleines türkises Büchlein? Mit Collagen & Gedankenschnipseln?

    Deine Wolkenschwester
    Jean*

    Vielen Dank für diesen wundervollen Denkanstoss & Gedankenspiele!

  12. Ich glaube sehr wohl, dass die Antwort, die du dir im Blogpost gegeben hast, schon eine Richtung vorgibt.
    Wenn man durch die Reduktion und Achtsamkeit bei sich selbst angekommen ist und weiß wofür man Leben möchte, was die Dinge sind, die einem Spaß machen, dann kommt natürlich noch die Gesellschaft als solches ins Spiel.

    In einer Welt, in der jeder einem (egoistischen) Wunsch nach Selbsterfüllung unendlich viel Raum geben kann, stoßen viele Menschen schnell an Grenzen oder schlagen den falschen Weg ein. Wir sehen ja gerade durch das Reduzieren, das die wahren Werte von innen heraus kommen und sich im Handeln zeigen. Weder durch das Anhäufen von nicht funktionalem Besitzt noch durch Geld auf der Bank wird diese letzte Stufe erreicht.

    Vielleicht ist es dass: Gesellschaft und Mitmenschen positiv zu beeinflussen, sie auch auf einen Weg bringen, der Sie zum Glück suchen und erleben anstiftet.

    Eine weitere Idee die mir gerade kommt ist, dass man natürlich auch etwas schaffen möchte, was die physische Existenz überdauert oder zumindest eine positive Bilanz hinterlässt.

    Wenn wir uns mit der Endlichkeit unseres Lebens auseinander setzen, werden wir uns auch bewusster, wie wir leben wollen.

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