Zeit und Geld, das bleibt übrig

Zum gestrigen Thema „Shopping und Spiritualität“ kam ein Kommentar von Edie, den ich gerne mal hier herausstellen möchte, weil ich ihn ganz interessant fand.

Was ich mich aber wirklich frage: Die Zeit und das Geld, die man durch die Achtsamkeit, den Minimalismus einspart, was macht man mit der? Wofür gebt ihr dann euer Geld aus? Womit verbringt ihr dann eure Zeit? Irgendwie mündet doch alles in den Konsum, oder?


Ich gebe die Fragen direkt an euch weiter. Wie ist das bei euch? Inwiefern hat sich euer Leben in dieser Hinsicht geändert?

Was ich mit meinem Geld mache? Hmm…sehr gute Frage! Nicht viel, nehme ich an. Ich bezahle eine Wohnung, Lebensmittel, meine Fahrkarte und den Sportverein. Ich mache anderen gerne Geschenke oder lade sie zum Essen ein. Und dann kaufe ich ab und zu neue Farben, Pinsel, Klebstoffe, was mir eben gerade ausgegangen ist. Oder ich reise spontan durch die Republik. Joah. Das klingt jetzt total langweilig, aber das wars leider auch schon :D Ich schleppe schon relativ viel Geld mit durch die Monate, die ich auch prima anlegen könnte, wenn mich dieses Zeug nur interessieren würde. Ich fühle mich sehr reich und bin dankbar nach langer Zeit der Armut (denn als Azubi ist man arm und davor hatte ich auch nix) endlich mal ein kleines finanzielles Polster zu haben.

Und die Zeit? Oh die Zeit!!! Die verbringe ich mit Basteln, Bloggen, Lesen, DVDs gucken (<- aus der Bücherei), Freunde treffen, Herumspazieren, Laufen, Telefonieren, Rumknutschen :D, Mikroskopieren, Backen, Briefe schreiben, Nachdenken, Schlafen, Tiere beobachten und Kunstwerke anstarren.

7 Gedanken zu “Zeit und Geld, das bleibt übrig

  1. Hallo Frau Ding Dong, hallo Edie, ich habe den Kommentar gestern auch schon gelesen und möchte unbedingt darauf antworten:

    Bei mir haben sich einfach die Prioritäten verschoben. Wenn ich ausmiste, loslasse, spare, habe ich Zeit und Geld für Dinge, von denen ich manchmal vorher noch gar nicht weiss, dass ich sie will und brauche.

    So habe ich meine Liebe für qualitativ hochwertige Lebensmittel entdeckt. Ich kaufe naturbelassen im Bioladen. Das ist schon teurer, aber dafür auch nachhaltiger.

    In Zeiten wo ich hier was gekauft, da was konsumiert, hier nen Kaffee etc hatten wir am Monatsanfang genauso viel Geld wie jetzt auf dem Konto, aber nun wohnen wir in einem wunderbaren Haus, was wir selbst gebaut haben, anstatt in einer 80m2 Wohnung im vierten Stock in der Innenstadt von Köln.

    Ich verstehe, wenn das spießig klingt – ist es aber nicht. Es ist wunderwunderschön, groß, stilvoll, gemütlich. Und ich fühle mich jeden einzelnen Tag wohl hier.

    Ausserdem kommt bald unser drittes Kind zur Welt, da habe ich eh selten Zeit übrig. Dennoch freue ich mich erkannt zu haben, dass Bloggen und Blogs lesen es mir Wert ist, damit meine freie Zeit zu verbringen.
    Und Sport natürlich. Wer nicht shoppt, nicht fernsieht und nicht bummeln geht hat viel mehr Zeit zum joggen, Yoga üben, Krafttraining, radeln und, auch wichtig (nicht nur mit drei Kindern) zum ausruhen und schlafen.

    Hätte ich diese Antwort vor 4 Jahren gelesen, hätte ich mir selbst einen Vogel gezeigt. Aber so ist das wohl.

    Beste Grüße von Nina

  2. Wow, vielen Dank an Frau DingDong für diesen aufschlußreichen Post (ich bin gerührt) und auch Dir Nina für die tolle Antwort. Das hilft mir wirklich weiter in meinen Überlegungen.
    Ich gehe jetzt auch öfters als früher essen (abgesehen von diesem Monat), weiß aber auch nicht ob es am älterwerden liegt ;) und versuche öfter etwas Neues auszuprobieren und zu unternehmen.
    Manchmal frag ich mich dann. Ja und? Ist das jetzt alles? Essen gehen, statt DVD’s kaufen und Reisen, statt einer größeren Wohnung. Ich glaub es ist verdammt schwierig herauszufinden, was man möchte. Es kommt zu einer richtigen Sinnfrage, wie Frau DingDong ja auch schon bemerkte.
    Aber anscheind findet man auf diesem Weg heraus, was einem wirklich wichtig ist. Welche Träume man eigentlich hat. Ob es am Minimalismus oder am „älter werden“ liegt, vielleicht geht die Entwicklung auch mit beidem Hand in Hand. Jedenfalls eine spannende Reise und Danke für den Austausch und die Inspiration!

    Alles Liebe

  3. Wow! Ich kann mich nur anschließen. Geld? Ist irgendwie nicht mehr wichtig. Es interessiert mich gerade einfach nicht wirklich. Momentan denke ich über Geld nur noch nach, wenn ich mich ärger, dass irgendetwas Geld kostet, das ich eigentlich nicht ausgeben möchte, weil mir die Sache es nicht wert ist; aber muss, weil ich nicht weit genug gedacht habe. Versteht ihr, was ich meine?

    Seitdem wir bewusst darauf achten, was wir essen, wie wir wohnen und was wir wirklich benötigen, hat sich das Geld nicht vermehrt. Der Kontostand ist, ähnlich wie bei Nina, gleich geblieben. Aber die Lebensqualität hat sich erhöht. Das Bewusstsein ist viel geschärfter. BafögRückzahlungen, AutoReparaturen, auf das wir leider noch angewiesen sind, und Heizkosten reißen einem nicht mehr den Boden unter den Füßen weg.

    Zeit? Ja, als Mama vergeht sie dennoch ziemlich schnell, was auch daran liegen mag, dass man die Kinder groß werden sieht. Seitdem wir bewusster konsumieren und versuchen Zeit und Geld Raubendes zu reduzieren, haben wir Zeit die Dinge zu tun, die ich als Kind geliebt habe. Jetzt in der dunklen Jahreszeit: am Ofen sitzen und Bücher anschauen und vorlesen, Adventskalender basteln, mit Freunden telefonieren, schreiben (am eigenen Buch oder im Blog), laufen gehen, spazieren, mit den Kurzen die Welt da draußen erkunden, lesen (im Netz, auf Papier), backen und sich Zeit nehmen für die Menschen, die nebenan wohnen. Auf einmal bin ich wieder neugierig, wie Dinge funktionieren: das Nähen oder Fotografieren, die schwedische Sprache oder ein bestimmtes Bildbearbeitungsprogramm am PC. Wir schauen ausgewählte Serien, genießen das Leben und – nicht lachen – aber ich denke wieder verschärft über ein MaschinenbauStudium oder Theaterspielen nach. Ausgehen, um auswärts zu essen, das finde ich auch eine gute Idee Zeit sinnvoll zu füllen.

    Übrig bleibt dadurch eigentlich nicht so richtig was. Außer ein bisschen mehr Lebensqualität?! Und ein bisschen mehr Fokus auf das Wesentliche? Wobei ich mir letzteres vielleicht auch durchaus nur wünsche und erhoffe. Ich weiß es nicht.

  4. Ich hab eine ähnliche Beobachtung gemacht.
    Als Studentin hab ich auch nicht grade viel Geld. Was ich an der Quantität spare, kann ich in langlebige und gesunde Qualität investieren. Trotzdem kommt auch mehr aufs Sparbuch (erste eigene Wohnung, juhu!).
    Auch bei der Zeit ist es bei mir so. Ich hab mehr Zeit für Qualität und muss nicht mehr lauter Dinge gleichzeitig halbherzig herumhudeln. Außerdem kann man im Gegensatz zum Geld ja auch keine Zeit sparen, der Tag hat ja trotzdem 24 Stunden ;)
    Insgesamt würde ich sagen, dass ich mehr Lebensqualität gewonnen hab, weniger Stress habe und auch mehr Sicherheit (durch mein wachsendes Sparbuch und das Wissen, auch mit wenig Geld auskommen zu können)

  5. Geld: schließe mich den anderen an, das Schöne ist, dass man sich einfach weniger Gedanken machen braucht. Selbst wenn man mehr reist und bessere Qualität bzw. fairer produzierte Sachen kauft.

    Zeit: ……hab ich auch nicht mehr. Aber verbringe sie mehr mit mir wichtigen Sachen. Leider noch nicht so viel wie gewünscht :)

    BTW, Nachtrag zum letzten Eintrag: ich find’s furchtbar gemein wie man diese Shopping-Symbol-Sachen durchschauen kann und trotzdem immer wieder aus dem Hinterhalt von diesen alten Verhaltensmustern überfallen wird. Erwische mich immer mal wieder dabei, dass ich doch was gekauft hab, was ich gar nicht brauch. Übung macht den Meister!

  6. Rage hat es für mich auf den Punkt gebracht: „Übrig bleibt dadurch eigentlich nicht so richtig was. Außer ein bisschen mehr Lebensqualität?! Und ein bisschen mehr Fokus auf das Wesentliche? Wobei ich mir letzteres vielleicht auch durchaus nur wünsche und erhoffe. Ich weiß es nicht.“

    Irgendwie lag das Thema wohl heute in der Luft oder stand in den Sternen – what ever. Ein Selbstzweck kann es nicht sein. Ich habe gestern noch gelesen: „Wenn ihr nicht mehr Liebe verbreitet, werdet ihr es nicht schaffen!“

    Vereinfachen, einsparen, achtsam sein – dafür mehr Liebe leben? Oh ja – bitte! :-)

    Danke für den schönen Austausch!

    LG, Momo

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